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Hilfsorganisationen: Kommerz behindert Kampf gegen HIV

Washington (dpa) - Kommerzielle Interessen und mangelnder politischer Wille behindern Hilfsorganisationen zufolge nach wie vor den Kampf gegen Aids. So seien neuere HIV-Medikamente bis zu 15 mal teurer als früher entwickelte und damit unbezahlbar für viele Länder und Menschen.

Zahl der HIV-Neuinfektionen sinkt deutlich
HIV-positive Waisenkinder bekommen Anti-Aids-Mittel in Bangkok. Die Zahl der Resistenzen gegen die Medikamente wächst. Foto: Rungroj Yongrit/Archiv Foto: dpa

Das sagte Nathan Ford von Ärzte ohne Grenzen am Mittwoch bei der Welt-Aids-Konferenz in Washington. Früher entwickelte Präparate seien inzwischen zwar deutlich günstiger geworden, aber viele Menschen weltweit bräuchten aufgrund von Resistenzen, besseren Verträglichkeiten oder besseren Therapie-Ergebnissen die neuen Medikamente.

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Ursache für die hohen Preise seien vor allem kommerzielle Interessen der Pharma-Konzerne. Die Konzerne verhandelten inzwischen individuell mit den einzelnen Ländern. «Die Pharma-Unternehmen machen das, weil sie es jetzt machen können, sie haben die Patente auf die neueren Medikamente», sagte Michelle Childs von Ärzte ohne Grenzen. «Da gibt es einen Interessenkonflikt von medizinischen und kommerziellen Interessen.»

Mehrere Hilfsorganisationen kritisierten außerdem, dass Drogensüchtige und Männer und Frauen, die sich prostituieren, diskriminiert und nicht ausreichend in den Kampf gegen Aids eingebunden werden. Jede dritte HIV-Infektion, die nicht in Afrika südlich der Sahara geschieht, hänge mit unsauberen Drogennadeln zusammen, teilte die Hilfsorganisation Internationale Überlebenshilfe mit.

«In den vergangenen zwei Jahren haben viele Länder, die mit die größten Raten von HIV-Infektionen unter Drogensüchtigen haben, ihre Hilfsangebote sogar noch heruntergefahren», kritisierte der Direktor der Organisation, Rick Lines. Die von den Vereinten Nationen eingesetzte «Weltkommission für HIV und das Recht» rief zu einer weltweiten Legalisierung von Prostitution auf.

Auch an Geld fehle es nach wie vor, mahnten Hilfsorganisationen. Gerade Deutschland gebe deutlich zu wenig, mahnten deutsche Vertreter. So seien die Beiträge Großbritanniens und der Niederlande gemessen an ihrer Wirtschaftskraft dreimal so hoch wie der von Deutschland. «Es kann nicht sein, dass Deutschland bei der Unterstützung der weltweiten Bewältigung der HIV-Epidemie hinter vergleichbaren Industrieländern zurückbleibt», sagte Joachim Rüppel, Sprecher des Aktionsbündnisses gegen Aids.

Welt-Aids-Konferenz

Alle Berichte zu Preisen von HIV-Medikamenten von Ärzte ohne Grenzen zum Download

Bericht «Global State of Harm Reduction 2012»