weather-image
24°

Hildegard Knefs Zwillingsschwester Irmgard zu Gast im Traunreuter k1

Am 28. Dezember 2016 ist sie 91 Jahre alt geworden: Irmgard Knef, die fiktive Zwillingsschwester der Diva Hildegard, die jetzt im Studiotheater des Traunreuter k1 ihren (letzten?) großen Auftritt hatte, verkörpert von dem Berliner Kabarettisten und Schauspieler Ulrich M. Heissig. Eine verkrachte Existenz, die ein Leben lang im Abseits stand, denn während die berühmte Schwester in vollen Häusern sang, lag sie voll vor den Häusern.

Ulrich M. Heissig ließ im Traunreuter k1 als Irmgard Knef auch deren Schwester Hildegard Knef wieder aufleben. (Foto: Heel

Und wer war schuld daran? Natürlich Hilde, die angesichts der ersten Erfolge der Kessler-Zwillinge den Entschluss gefasst hatte: »Ich mach' solo Karriere.« Und runter ging’s den Bach mit Irmgard. Als Künstlerin »nicht Mainstream, sondern auf Berlins Seitenkanälen unterwegs«, verkroch sie sich schließlich in ihrer Kreuzberger Wohnung und blies Trübsal (»Karl Otto Trübsal, der wohnte einen Stock höher«). Und musste sich, als Hilde einen Paul von Schell heiratete, mit Paule von der entsprechenden Tankstelle begnügen.

Anzeige

Aber weil eine echte, wenn auch zeitlebens verkannte, Knef sich nicht unterkriegen lässt, ist sie nun wieder auf Tour und packt aus. Auch wenn der Lack ab ist, »ein Lied eine Krücke sein kann« und die jüngsten Männer, die sie kennenlernt, um die Mitte 80 sind. Aber kaum gibt sie mit »Kindchen, fahr ab« dem Tontechniker das Zeichen, können die Zuhörer ihren Ohren kaum trauen: Sie haben fast den Eindruck, die echte Knef stünde auf der Bühne, so sehr erinnert Irmgard respektive Ulrich M. Heissig an die (gereifte) Sängerin, wenn er die weithin bekannten Chansons, pfiffig umgedichtet und neu arrangiert, zum Besten gibt. Aber auch sonst ist die Ähnlichkeit verblüffend, in Aussehen, Sprechduktus und Stimmlage.

Kurzum, eine so unterhaltsame wie unkonventionelle Hommage an eine große Künstlerin, die das Publikum auch genießen konnte, ohne allzu viel über die reale Vorlage Bescheid zu wissen – über all die Dinge, die Hildegard Knef »zum Weltstar in Deutschland« (Irmgard) gemacht hatten: ihr Nacktauftritt in dem Film »Die Sünderin«, ihre Erfolge am Broadway, ihr Bestseller »Der geschenkte Gaul« oder ihre öffentlich gemachten Krankheiten. Ulrich M. Heissigs Kunstfigur bestand auch so, als satirisch gezeichnetes Porträt einer unerschütterlichen Optimistin, die mit Witz und Mut dem Alter trotzt. Das überwiegend weibliche Publikum sparte folglich auch nicht mit Applaus. Wolfgang Schweiger