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Heute vor 50 Jahren starb der Kunstmaler Willi Klier

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Diese junge Frau porträtierte der Chieminger Kunstmaler Willi Klier dereinst. Der gebürtige Karlsbader war 1946 nach Chieming gezogen und hatte hier Charakterköpfe und in seinen Augen besondere Menschen gemalt. Vor 50 Jahren starb er. (Foto: Oberkandler)

Chieming – Willi Klier war einer der bedeutendsten Porträtmaler des 20. Jahrhunderts. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs zog er nach Chieming und starb dort 1968 im Alter von 68 Jahren. Am heutigen Donnerstag jährt sich sein Todestag zum 50. Mal. In Chieming hängen noch in vielen Häusern hervorragende Werke des Künstlers. Diese haben ihm jedoch nicht Wohlstand und Reichtum gebracht; vielmehr konnte er sich mit Ach und Krach über Wasser halten.


Viele Zeichnungen entstanden an den Stammtischen im Gasthaus Berghof und vor allem beim Oberwirt – bevorzugte Aufenthaltsorte des begnadeten Künstlers, dem oft das Geld fehlte, die Zeche zu zahlen. Meist fand sich dann ein Stammtischbruder, der die Schuld beglich. Als Dank dafür bekam er von Klier ein mit schnellem Bleistiftstrich gefertigtes Porträt. Eines haben all diese Charakterstudien gemeinsam: Sie sind auf die Rückseite der Speisekarte des Gasthauses Oberwirt gemalt.

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Dass sie heute noch erhalten sind und die Gaststube zieren, ist vor allem dem Chieminger Heinz Wallner zu verdanken. Er hat das Anwesen vor 20 Jahren im Dezember 1998 samt Inventar gekauft; auch die Bilder. Seit einigen Jahren hängt auch eine von Klier gestaltete Schützenscheibe im Gastraum. Wallner kaufte sie von einer Frau aus Schleching.

Dieser Tage trafen sich beim Oberwirt neben Heinz Wallner zwei weitere Chieminger, die die Erinnerung an den Künstler im Dorf wachhalten: der ehemalige Kämmerer Dieter Anzer und Fritz Kohn, der im Nachbarhaus wohnte und dessen Vater hier eine Zahnarztpraxis betrieben hatte. Kohn hat einen Internetauftritt gestaltet, der an Willi Klier erinnert. Hier kann man auch mehr als 40 Porträts anschauen, die Chieminger in den 1950er Jahren zeigen. All diese Zeichnungen sind an den Stammtischen der beiden Gaststätten entstanden.

Daneben gibt es Hunderte Auftragsarbeiten, die der Künstler in Öl, als Rötelzeichnungen oder in anderen Maltechniken hergestellt hat. Anzer weiß, dass es solche Bilder nicht nur bei ihm daheim, sondern noch in sehr vielen Chieminger Haushalten gibt – aber auch in Weltstädten wie Berlin und Wien.

Klier kam 1900 in Karlsbad zur Welt, studierte vier Jahre an der Kunstakademie in Wien und errang schnell großes Ansehen. 1924 bekam er den Kunstpreis der Stadt Wien und wurde als Professor an die Wiener Kunstakademie berufen – da war er noch nicht mal 30 Jahre alt. Von 1928 bis 1932 war er als freischaffender Künstler in München und Berlin tätig. Im Zweiten Weltkrieg blieb ihm als Kriegsgefangenem ein härteres Los erspart, weil er sowjetische Offiziere porträtierte. Ein Großteil seiner Werke wurde in diesem Krieg beim Brand des Münchner Glaspalastes zerstört. 1946 stand Klier vor der Wahl, in die Künstlergemeinschaft auf die Insel Capri überzusiedeln oder sich den Süddeutschen Malern anzuschließen. Er zog Letzteres vor und landete in Chieming.

Zurück zur Spurensuche im Dorf. Leben hier noch Menschen, die Klier porträtiert hat? Anzer hat daheim ein Kinderbild von sich, das der Künstler gemalt hat. Schließlich erinnern sich die drei daran, Klier habe eine ältere Dame, die zurückgezogen im Dorf lebt, als junges Mädchen porträtiert.

Auf dem neuen Chieminiger Friedhof ist die letzte Ruhestätte des Künstlers. Eine Schale mit winterlichem Grünschmuck ziert die Grabplatte. Wie sich später herausstellt, hat es besagte Dame hingestellt. Nach kurzem Zögern gestattet sie schließlich, das Porträtbild zu fotografieren. Namentlich genannt werden will sie aber ebensowenig wie selbst fotografiert werden.

Willi Klier hat beileibe nicht jeden gezeichnet. Es musste schon ein »Charakterkopf« sein. Einen solchen hatten offenbar mehrere Mitzecher nicht, weshalb er sich standhaft weigerte, sie zu porträtieren – und mochte seine Kehle noch so trocken sein. - K.O.-