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»Hervorragende Kohle« geerntet

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Die Neukirchner Köhler öffneten ihren »Wintermeiler«. Unser Bild zeigt Florian Kuglstatter (links) und Teisendorfs zweiten Bürgermeister Norbert Schader beim Ausladen der vollen Kohlenwanne. (Foto: Mergenthal)

Teisendorf – Der Köhlerverein Neukirchen öffnete seinen »Wintermeiler« und förderte Holzkohle von hervorragender Qualität.


»Der Wind ist das Schlechteste. Der entfacht die Kohlen wieder« – mit diesen Worten blickte Alois Prechtl, Vorsitzender des Köhlervereins Neukirchen, zunächst sorgenvoll auf den rauchenden Kohlenhaufen. Der Wind blies den Kohlenarbeitern auch viel Rauch ins Gesicht. Doch nach dem Öffnen des »Wintermeilers« schritt der Abbau zügig voran.

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Am Morgen beim Beginn der Arbeiten war es kurz trocken, dann setzte Nieselregen ein. Kein Problem für die routinierten Köhler, wechselten sie sich doch im Zwei-Schicht-Betrieb etwa im Dreiviertelstundentakt ab. 20 Gitterboxen hatten sie hergerichtet. Der Boden war aufgrund des feuchten Wetters mit schwarzem Schlamm überzogen. So wurden große Holzbretter ausgebreitet vor dem Meiler; dort konnte die Kohle auch zum Auskühlen ausgebreitet werden. Danach wurde sie in die Boxen geladen und mit Traktoren ins Tal befördert.

»Mit de Ross mach’ ma heit nix«, erklärte Prechtl. Wäre noch Schnee gelegen, so hätte ein Pferdefuhrwerk mit Schlitten die Kohlen ins Tal befördert. Doch schon weit über eine Woche lang ist die Straße schneefrei. Auch die Schneewände rund um den Meiler waren bereits ziemlich zusammengeschmolzen. Kräftig packten auch der zweite Bürgermeister des Markts Teisendorf, der Neukirchner Norbert Schader, und der Vorsitzende des Fördervereins Bergbaumuseum Achthal, Roland Klosa, mit an. »Die Qualität der Kohle ist hervorragend«, stellte der erfahrene Köhler Norbert Abstreiter erfreut fest.

Während die einen schufteten, konnten sich die anderen in der vom Forstbetrieb Berchtesgaden mit dem gesamten Areal zur Verfügung gestellten Hütte »Haslinger Stuben« bei Weißwürsten, Brezen und Bier aufwärmen; willkommen waren auch der Glühwein, Glühmost und, gerade bei den jüngeren Besuchern, der Kinderpunsch. Die Köhlerfrauen und »Hüttenwirt« Arnulf Gut hatten die Küche bestens im Griff. Drei Generationen halfen am Morgen beim Kartoffelschälen zusammen, unterstützt von Renate Klengl: Helga Prechtl, die Frau des Vorsitzenden, ihre Tochter Steffi und deren Kinder Franziska (2) und Simon (3), die der Mama eifrig die Erdäpfel reichten. Die Salzkartoffeln waren die Beilage zum Rehragout von einem Reh aus Prechtls eigener Jagd.

Gegen Mittag fanden auch nach und nach ein paar Besucher den Weg zur Hütte, allerdings nicht so viele wie am strahlenden Eröffnungstag vor drei Wochen. Die »Ruhpoldinger Tanzl 6er« sorgten später für eine zünftige Musi.

Während der drei Wochen hatten die den Meiler Tag und Nacht bewachenden Köhler zuweilen Besuch gehabt, vor allem an den Wochenenden. Die weiteste Anreise unter den Vereinsmitgliedern hatte Hartmut Biesinger aus Neula in Oberfranken, der seit dem »Europäischen Köhlertreffen« in Neukirchen hier Mitglied ist. »Das ist mein Hauptverein«, betont er; denn natürlich gehört er auch dem Köhlerverein seiner Heimat an.

Mit einer sieben- bis achtköpfigen Delegation werden die Neukirchner Köhler heuer auch zum »12. Europäischen Köhlertreffen« vom 22. bis 25. August ins westfälische Hardehausen unter Schirmherrschaft des Paderborner Erzbischofs Hans-Josef Becker reisen. vm