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Der Ruhpoldinger Herbert Fritzenwenger ist für das ZDF bei den Olympischen Spielen in Peking vor Ort. Er ist als Experte bei den Biathlon-Rennen dabei.

Herbert Fritzenwenger feiert in Peking sein 30. Jubiläum als Fernsehexperte

Für Herbert Fritzenwenger sind die Olympischen Winterspiele in Peking etwas ganz Besonderes. Seit 30 Jahren ist der Vorsitzende des SC Ruhpolding und der Präsident des Golfclubs Ruhpolding jetzt nämlich als Biathlon-Experte für das ZDF im Einsatz. »Das ist natürlich eine Ehre für mich«, sagt der 59-Jährige. Auch weil es nicht so viele Experten gebe, die so lange dabei seien. »Insofern bin ich da schon ein wenig stolz.«


Für Fritzenwenger sind es bereits die achten Olympischen Winterspiele, die er live miterlebt. 1988 in Calgary startete der ehemalige Biathlet und Langläufer selbst – und zwar im Biathlon (20 km Einzelwettkampf) und im Langlauf (50 km und Schlussläufer der 4×10 km Staffel). Als Experte fürs Fernsehen war er dann 1992 (Albertville), 1994 (Lillehammer), 2006 (Turin), 2010 (Vancouver), 2014 (Sotschi), 2018 (Pyeongchang) und eben jetzt in Peking dabei.

»Das werden wahrscheinlich meine letzten Olympischen Spiele sein«, sagt er, ergänzt aber gleich auch noch: »Man soll zwar niemals nie sagen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das ZDF die nächsten Olympischen Spiele mit anderen Experten bestückt.« Und wenn das so sei, »dann ist das für mich auch in Ordnung«. Fritzenwenger schaut seinen Worten nach immer »von Jahr zu Jahr, wie es weitergeht«.

Gleich bei seinem ersten Olympia-Einsatz fürs ZDF in diesem Jahr – beim Einzel der Frauen – holte dann ja Denise Herrmann, die in Ruhpolding lebt und am dortigen Stützpunkt Ruhpolding trainiert, gleich die Goldmedaille. »Das Rennen war extrem spannend und emotional. Das war eines der Highlights meiner ZDF-Karriere«, freut sich der Experte mit der überragenden Einzel-Siegerin.

Herbert Fritzenwenger war es auch wichtig, selbst vor Ort zu sein, um selbst aus erster Hand von den Voraussetzungen in China berichten zu können. Die Bedingungen für die Sportler vor Ort sind laut dem Ruhpoldinger gut. Er könne natürlich nur die Anlage der Biathleten beurteilen, ergänzt er. »Das Stadion und die Strecken sind perfekt.« Natürlich habe es bei den ersten Wettkämpfen viel Probleme mit dem Wind gegeben. »Aber das Wetter kann man eben nicht beeinflussen.« Und man kenne ähnliche Probleme beispielsweise aus Östersund (Schweden). »Da gab es Rennen, die sind abgebrochen worden, weil der Wind so stark war.«

Das TV-Team kann auch seine Arbeit ungehindert machen. Auch die vielen Kameras, die überall angebracht sind, stören Fritzenwenger nicht. »Bei allen Olympischen Spielen hängen immer und überall Kameras«, betont er. Die Kontrollen 2010 in Kanada seien etwa deutlich härter gewesen, hebt er hervor. »Es ist hier zwar auch streng, aber es ist nicht schlimmer als sonst.«

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Auch die Journalisten müssen täglich zum PCR-Test. »Auch wenn es etwas dramatisch aussieht, man glaubt gar nicht, wie schnell man sich an das Prozedere gewöhnt«, berichtet Herbert Fritzenwenger. (Fotos: Fritzenwenger)

Dennoch glaubt Fritzenwenger schon auch, dass »wir hier wahrscheinlich ziemlich kontrolliert werden. Aber das ist mir wurscht. Wir sind da, um über die sportlichen Ereignisse zu berichten – und das können wir gänzlich unbeeinflusst.« Er finde es auch nicht in Ordnung, dass manche Kollegen an Orten drehen, wo das eben untersagt sei. »Das finde ich dann auch fragwürdig.« Es gebe ganz klare Regeln, »wo bei Olympischen Spielen gedreht werden darf und wo nicht.« Dennoch sei er sich durchaus darüber bewusst, dass es in China eine Zensur gebe.

Neben den Sportlern leben auch die Journalisten derzeit in einer Blase – mit dem Ziel, das Coronavirus unter Kontrolle zu haben. »Letztendlich funktioniert das sehr gut und man fühlt sich sicher«, berichtet Fritzenwenger. »China löst das Thema professionell.«

Auch die Helfer seien überall extrem freundlich und hilfsbereit. Auch wenn es am Anfang ab und an Probleme etwa mit den Busverbindungen gegeben habe. »Die waren aber auch dadurch bedingt, dass wir unsere Pläne nicht immer richtig gelesen haben«, lacht er. »Aber jetzt weiß jeder, mit welcher Linie er fahren muss. Das ist jetzt zur Routine geworden.«

Von Land und Leuten bekommt der Olympia-Tross wegen der strengen Corona-Regeln hingegen wenig mit. »Wir sind in unserem Hotelkomplex bestens versorgt, aber man kann halt nicht raus«, betont Fritzenwenger. Er macht aber gleich noch deutlich: »Aber wo will man auch hin?« Selbst wenn alles offen gewesen wäre, ist Fritzenwenger überzeugt, wäre das schwierig geworden. »Hier ist ringsherum nur eine Mondlandschaft. Da gibt es keinen Ort, wo man hingehen kann.«

Sein Fazit: Hier ist nicht alles schlecht. »Was insgesamt natürlich zu kritisieren ist, ist die Tatsache, dass die Spiele überhaupt nach China vergeben wurden. Wir hätten mit Sicherheit deutlich elegantere und kostengünstigere Spiele durchführen können.« Doch die Bewerbung Münchens scheiterte bekanntlich an den vier durchgeführten Bürgerentscheiden.

SB