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Heischneida – endlich is' soweit!

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Recht vielseitig ist die Musik auf dem Debütalbum von »Heischneida«, der sechsköpfigen Band aus Bergen. Unsere Mitarbeiterin Maria Ortner hat sich mit Sänger Wenzel Karger unterhalten.

Die CD-Release-Show hat das Sextett aus Bergen ja bereits im Dezember zelebriert. Bis nun das Debütalbum in den Regalen steht, hat’s doch ein paar Tage länger gedauert, aber am heutigen Freitag ist es jetzt endlich soweit. Unsere Mitarbeiterin Maria Ortner hat schon mal vorab in das Prachtstück hineingehört und sich mit Sänger Wenzel Karger ein wenig unterhalten. Herausgekommen ist dabei ein recht ausführliches, bisweilen fast schon philosophisches Gespräch über »Gott und die Welt« …


Heischneida ist mit dem Debütalbum ein sehr ansprechendes Werk gelungen, das für jeden Geschmack das Richtige bietet. Von Folk, Ska und Punk über Rock, Pop und Independent bis hin zu Brass-Elementen und einem leichten Einschlag traditioneller bayerischer Musik ist alles in diversen Kombinationen enthalten. Fetzige Mitmach-Lieder wechseln sich mit ruhigeren Stücken ab und mit »Magdalena« ist sogar eine wunderbar gefühlvolle Ballade gelungen.

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Die Texte sind, natürlich, alle in bairischer Mundart. Nicht gschert, aber direkt und ohne verbale Schnörkel. Grad so, wie der Bayer halt redet. Und direkt aus dem Leben gegriffen, denn wer mit offenen Augen und Ohren durchs Leben geht und genau hinschaut, findet immer Besingenswertes. Manchmal einfach nur lustig und a bissl frech, oft aber auch ernsthaft, nachdenklich und a bissl philosophisch. Der Refrain »Satz mid X – geh, scheiss da nix – Satz mid O – des wird schon no« ist eigentlich exemplarisch für die Einstellung der Band. Ausprobieren, weitermachen und an das Gute, das Schöne und das Weiterkommen glauben, auch wenn’s nicht immer gleich gradaus läuft.

Heischneida – wir wissen, was das ist, aber kommt ihr damit nicht manchmal in Erklärungsnot?

Wenzel Karger: Doch, das ist eigentlich immer die erste Frage. Was heißt oder bedeutet das oder was ist das? Und dann ist natürlich die klassische Erklärung, die sich die Leute auch oft selber geben: »Ein Heuschneider ist jemand, der Heu schneidet.«Und wir erklären, dass das bei uns der Grashüpfer ist. Und dass der ganz gut zu uns passt, weil das bei uns auch oft so ist, wie bei einer Heuschreckenplage. Du kommst da hin, baust auf, und die Leute meinen, jetzt gibt’s dann a gmiatliche, boarische Musi. Und dann ziehst du deine Show ab und dann ist das oft so ein Aha-Erlebnis und nichts ist mehr wie vorher.

Und das Cover-Foto passt ja auch perfekt … (Wenz Karger greift darauf nach einer übergroßen Hifel voller Heu)

Karger: Genau. Da haben wir uns auch darauf bezogen, was die Leute wohl mit Heuschneider verbinden werden – also jemand, der Heu schneidet. Und da dies unser erstes Album ist, ist quasi ein Haufen Heu, das was am Ende des Tages übrig ist von jemand, der Heu schneidet. Und was wir uns in zwei Jahren erarbeitet haben, ist das Album. Also quasi der Heuhaufen, der symbolisiert, was man am Ende geschafft hat.

»Geschafft« habt ihr auch ein spannendes Album, das es als Download gibt, aber vor allem auch als physikalisches Produkt.

Das hat jetzt auch fast ein Jahr gedauert, bis wir alles beisammen hatten, aber es war uns sehr wichtig, ein hochwertiges und, mit allem Drum und Dran, stimmiges Album zu schaffen. Und dazu gehören auch gute Fotos in einer interessanten Atmosphäre (Anm.: von Lichttechniker Robert Herbe aus Salzburg.) Die Texte in bairischer Sprache drin zu haben. Und natürlich die Haptik an sich

Wie wichtig ist für dich die bairische Sprache?

Karger: »Die« bairische Sprache per se gibt es, glaub ich, gar nimmer so. Die typischen Worte, an denen man früher erkennen konnte »Aha, der kommt von da und da«, sterben immer mehr aus. Und in den Städten vermischt sich sowieso alles immer mehr. München, Regensburg, typische Studentenstädte etwa, in denen die Leute von überall her kommen.

Wie schaut’s bei dir aus mit bayerischen Lieblingsworten?

Karger: Zach is guat – oder arwetn. Massl – allgemein Worte, die aus dem Hebräischen stammen. Spannend, wie sich das mit dem Bairischen vermischt hat.

Wo siehst du den Unterschied, die Abgrenzung, zu anderen Bands?

Karger: Wir versuchen, Texte zu machen, die möglichst wenig Hochdeutsch beinhalten. Und nicht wie bei anderen »Mundart-Bands« nur ein paar Einsprengsel in Mundart zwischen komplettem Hochdeutsch. Übrigens, »Liebe« zum Beispiel, dafür gibt es im Bairischen kein eigenes Wort. Da sagt man »I hob di gern« oder »Mogst mi scho nu?«. Ich glaube, Bairisch ist die einzige Sprache, die kein eigenes Wort für Liebe hat. (Es folgt eine gemeinsame, tiefgreifende, philosophische Betrachtung von Dialekten, Sprache und den Einflüssen diverser »Völkerwanderungen« …)

Und Lieblingsorte? Was ist Bayern für dich?

Karger: Bayern ist in erster Linie Lebensraum für mich. Der Ort, wo ich wohne und wo ich daheim bin. Übrigens ein recht schöner Lebensraum. Und man seine Wurzeln hier hat, seine Freundschaften. Das Moos hinter Bergen ist sehr schön. Und auch am Engelstein mit seiner Höhle bin ich gern. Und in dem Wald – allgemein.

Ihr verfügt über einen gesunden, etwas speziellen Humor, wie es z. B. auch die »Schöpfungsgeschichte der Band 7. Tag« schon ahnen lässt…

Karger (grinst amüsiert): Jamei, im Endeffekt waars ja a a so. Ähja, es war einfach a Gag.

Das Spiel mit den Bayern-Klischees? Bibeltreue, Katholizismus ….?

Karger: Ja, so ungefähr. Da steckt schon bissl was dahinter … (schmunzelt)

Das ist bei euch überhaupt so, oder? Oberflächlich eine Gaudi, aber nie ohne sich etwas dabei zu denken?

Karger: Das ist vielleicht bei den Bayern überhaupt so, dass sie nicht viel sagen, und nie ohne, dass etwas dahintersteckt. Grad bei den Älteren. Die sagen nicht viel, aber du weißt genau was sie meinen. Und auch bei uns passiert nix »einfach so«. Da steckt auch was dahinter. Wir diskutieren auch viel, sei es nun wegen dem Booklet oder Lied-Arrangements. Jeder darf seine Meinung sagen und es soll für alle passen, auch wenn’s manchmal anstrengend ist.

Und die Geschichte mit der Bandgründung an sich is also a bissl profaner …

Karger: Naja scho. Wir haben ja alle (fast) immer Musik gemacht. In verschiedenen Konstellationen. Teilweise auch schon miteinander und auch schon mit 14 oder 15. Und in Zeiten, in den wir keine Musik gemacht haben, hatten wir zu dritt (da Maier, da Mane & i) einen Musiker-Stammtisch. Und was macht ma an am Musiker-Stammtisch? Genau …. Und dann hat jeder jemand gekannt, der vielleicht passen könnt, und dann hamma a bissl herumprobiert und irgendwann hat dann ois basst mit de Leit.

Mit euren sechs Mann seid ihr instrumental recht gut aufgestellt für eine große stilistische Bandbreite.

Karger: Valentin Thannbichler ist eigentlich klassischer Gitarrist, der Bass gelernt hat. Simon Pfab kommt aus der klassischen Trompete, also auch aus der Blechmusik. Gitarrist Mane Wimmer macht eigentlich alles, auch so a bissl a Funk-Gitarre, kommt aber mehr aus der Indie-Richtung. Schlagzeuger Tobias Geschka is ausm Hardrock und großer Guns 'n’ Roses-Fan und da Herr Maier (Christian, spielt Akkordeon und Akustik-Gitarre) ist ein großer Punk- und Folk-Punk-Fan und i, i war eigentlich immer scho a Fan von deutsch-sprachiger Musik wie z. B. Element of Crime. Wichtig ist uns vor allem, dass wir gute, handgemachte und authentische Musik machen. Spannend dabei ist, dass unsere Musik offenbar altersübergreifend gut ankommt und sich auch die 30-Plus-Generation angesprochen fühlt.

Du hast ja die besondere Gabe bei den Konzerten auf die Leute zuzugehen und sie mitzureißen.

Karger: Als Sänger musst du deine Texte so gut können, dass du auch noch Zeit hast, auf die Leute vor der Bühne zu schauen. Sind sie dabei? Was sind es für Leute und wie gehe ich auf sie zu, damit sie mitmachen? Die Leute sollen Spaß und eine Gaudi haben und wir auch.

Was sind eure Pläne? Wo wollt ihr hin?

Karger: Auf jeden Fall vorwärts. Weitergehen und auf keinen Fall stehenbleiben. Und dann seh’ ma schon, was sich ergibt. Am 15. April spielen wir in der »Stiege« (in Trostberg) ein Benefiz-Konzert, am 22. April bei da »Wirtshausroas« in der Festung (in Traunstein) – und wieder beim Chiemsee Summer und davor und dazwischen auch noch ganz viele andere Konzerte, auf die wir uns sehr freuen.