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Haydns »Schöpfung« als musikalischer Erntedank

Herrlich geschmückt zum Erntedankfest präsentierte sich die Baumburger Stiftskirche als passender Rahmen für Haydns Oratorium »Die Schöpfung«, das aufgrund der großen Nachfrage ein zweites Mal aufgeführt wurde.

Kein Wunder, denn das Oratorium, das seit der Uraufführung am 29. April 1798 ein Riesenerfolg war, wird auch heute noch besonders gern gehört. Der helle, durchsichtige Sopran der erst 23-jährigen Eva Maria Amann, die dem Erzengel Gabriel und der Eva ihre Stimme lieh, erstrahlte mit süßem, aber festem Kern.

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Mit der Anmut und dem Charme fraulicher Jugend brachte sie das Taubenpaar aus der romantischen Arie »Auf starkem Fittich« zart, aber entschlossen zum »Girren« und war in der Rolle der Eva dem Adam (Klaus Reiter, Bass-Bariton) nicht nur eine gehorsame Gattin (»Dir gehorchen bringt mir Freude«), sondern auch eine erfrischende Gefährtin, deren Liebreiz in Stimme und Gestalt auch die Herzen des Publikums berührte.

Mit federnder Leichtigkeit und exquisitem Pianissimo im Chorsatz »Dich beten Erd' und Himmel an« begeisterte der Adam-Gumpelzhaimer-Chor zusammen mit dem Orchester das Publikum. Die wunderbare Homogenität der Chorstimmen war aber schon zu Beginn aufgefallen, als sie die bei den Zuhörern immer mit Spannung erwartete Strophe »Es werde Licht« im Großformat aufleuchten ließen.

Doch zuvor verkündete der Sänger Klaus Reiter, Bass-Bariton, in der Rolle des Erzengels Raphael die Taten Gottes (»Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde«) und empfahl sich damit überzeugend. In der Arie »Gleich öffnet sich der Erde Schoß«, aus der die lautmalerische Phrase »In langen Zügen kriecht am Boden das Gewürm« stammt, ließ er zwar eine tiefergehende Bassschwärze vermissen, war aber ein gewissenhafter Gestalter, dessen kultivierter Stimme man gerne lauschte.

Der mehrstimmige Gesang der Solisten ist für das Ohr des Zuhörers immer ein besonderes Ereignis, besonders wenn sich die Stimmen so harmonisch vermischen wie in dieser Aufführung. Mit dem herrlichen Duett zwischen Adam und Eva, »Von deiner Güt’ o Herr und Gott« und dem Terzett »Der Herr ist groß«, wurde der Hörgenuss jedes Mal noch eine Stufe höher geschraubt.

Mit markanter tenoraler Strahlkraft verkündete der Sänger Wolfgang Frisch im ersten Teil des Oratoriums in der Rolle des Uriels: »Und Gott sah das Licht«. In der Arie, in der das unfassbare Ereignis beschrieben wird, gesungen mit dem Ausdruck staunender und ehrfürchtiger Freude, zeigte er seine Bereitschaft nicht nur mit stupender Technik überzeugen zu wollen, sondern auch die emotionale Seite lebendig zu präsentieren.

Im dritten Teil der Schöpfung glänzte er mit der Arie »Aus Rosenwolken bricht«; hier verströmte er auf fein dosiertem Sängeratem eine blumig-duftige Zärtlichkeit, mit der er Adam und Eva den paradiesischen Boden bestens bereitet hat.

Das Orchester zeigte sich gut in Form. Der Konzertmeister Alexander Krins hatte mit den Musikern eine ästhetisch wirkende, klare Durchhörbarkeit herausgearbeitet, die Wolfram Heinzmann als Dirigent des Konzertabends mit sorgfältig gestaltetem Tempo und ausgewogenen Phrasierungen präsentierte.

Der Jubel über diese »Schöpfung« in der voll besetzten Kirche war zu Recht groß. Auch wenn man sie vielleicht schon makelloser gehört hat – in der letzten Strophe etwa herrschte bei den Solisten kurz etwas Verwirrung – waren es doch zuletzt die positiven Eindrücke, die überwogen. Barbara Heigl