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Hegeschau: Jagdberater Martin Stief beklagt schwindenden Lebensraum für Wildtiere im Landkreis Traunstein

Hase und Fasan leiden unter »zügelloser Nutzung« der Natur

Hunderte Rehgehörne, Hirschgeweihe und Gamskrickeln waren bei der Hegeschau im Strandkurhaus in Waging zu sehen. (Foto: Oberkandler)

Waging am See – Die Jäger im Landkreis Traunstein haben im vergangenen Jagdjahr weniger als tausend Hasen erlegt; dafür aber fast doppelt so viele Füchse.


In der Jahreshauptversammlung der Kreisgruppe Traunstein im Bayerischen Landesjagdverband im Kurhaus in Waging beklagte Jagdberater Martin Stief, dass die Lebensraumsituation für das Niederwild, also für Hase und Fasan, immer schlechter werde. »Das Niederwild leidet unter der zügellosen Nutzung der Natur«, beklagte er. »Unmengen von Gülle verhindern das Aufwachsen von Hase und Fasan.« Es sei sehr schade, dass der Bestand an Hasen so stark abnehme. Das Rebhuhn sei in der Region ganz verschwunden.

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Martin Stief ist Berufsjäger beim Forstbetrieb Ruhpolding und informierte die Jäger über die Situation im Landkreis an Stelle des verstorbenen Jagdberaters Georg Nusser. Den neuen Jagdberater beruft das Landratsamt Traunstein. Sein Name soll im Laufe der nächsten Tage bekannt gegeben werden.

Die Abschusszahlen, die Stief präsentierte, waren noch nicht endgültig, da aus einigen Revieren die Meldungen noch nicht vorlagen. Demnach haben die Jäger im Landkreis 9296 Stück Rehwild erlegt. Laut Dreijahresplan sei ein Abschuss von 8951 Tieren vorgesehen. Die seit Langem befürchtete Invasion von Wildschweinen sei ausgeblieben. Die Zahl der erlegten Tiere sei mit 16 Stück genauso hoch gewesen wie im Jahr davor.

Das Rotwild leide unter dem hohen Freizeitdruck in den Bergen. Es werde immer schwieriger, die vorgegebene Zahl von Tieren zu erlegen. Stief plädierte für ganzjährige Ruhezonen und dafür, den Abschuss bis spätestens Mitte Dezember zu erfüllen. Die Staatsforsten hätte das im letzten Jahr bereits Ende November geschafft und mit 242 Tieren den Abschuss zu hundert Prozent erfüllt. In den Privatrevieren habe man sogar 121 Tiere erlegt. Das seien mehr als im Abschussplan vorgesehen. Als erfreulich bezeichnete Stief, dass die Zahl der starken Hirsche zunehme.

Auch beim Gamswild habe man das Abschusssoll übererfüllt. Nach Einschätzung des Jagdberaters brauche der Bestand nicht weiter gesenkt zu werden. Er sei nach seiner Einschätzung im Einklang mit der Vegetation. Man beobachte, dass die Zahl der Rehe in den Bergwäldern weiter steige. Stief führte das vor allem auf die schneearmen Winter zurück. Sei es früher die Regel gewesen, dass ein Reh nur ein Kitz habe, so seien es jetzt meistens zwei, oft sogar drei.

Zuvor hatte im amtlichen Teil der Versammlung der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Jürgen Schmid, über die Tierseuchensituation berichtet. Er hob die besondere Rolle der Jäger im Zusammenhang mit der Wildgesundheit hervor. Sie hätten eine besondere Verantwortung für die Gesundheit des Wildes und bei der Prävention von Tierseuchen. Bezüglich der afrikanischen Schweinepest sei Deutschland noch seuchenfrei und auch hinsichtlich der Vogelgrippe »haben wir eine ganz ruhige Situation«, stellte der Veterinär zufrieden fest. Gleiches gelte für die Tollwut. Im Landkreis Traunstein habe es bei Fuchs und Marder keinen einzigen positiven Befund gegeben. Dennoch riet er, die Jagdhunde regelmäßig zu impfen.

Landrats-Stellvertreterin Resi Schmidhuber hatte zu Beginn der Veranstaltung auf die große Bedeutung der Jagd im Landkreis zum Wohl von Mensch und Natur hingewiesen. Naturschutz und Landschaftspflege müsse die moderne Jagd in Einklang bringen. Wichtig sei dabei eine gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. »Die Jäger leisten dazu einen wichtigen Beitrag«, betonte sie. Namens der Marktgemeinde Waging freute sich 2. Bürgermeister Hias Baderhuber, dass die Jäger hier ihre Versammlung abhalten. Auch er würdigte den Einsatz der Jägerschaft für eine intakte Natur.

Abteilungsleiter Andreas Knott und die für den Bereich Jagd beim Landratsamt verantwortliche Gruppenleiterin Cornelia Remmel verabschiedeten zusammen mit Landrats-Stellvertreterin Resi Schmidhuber den scheidenden Jagdberater Anderl Wimmer. Er war 45 Jahre als Jagdberater für den Landkreis Traunstein tätig und hat sich in diesen viereinhalb Jahrzehnten große Verdienste um das Jagdwesen erworben. Als Vertreter des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten informierte Hans Heinrich Lechler über das forstliche Gutachten, das unter anderem Auskunft über die Verbisssituation in den heimischen Wäldern gibt.

Im Rahmen der Veranstaltung im Waginger Strandkurhaus fand auch die Hegeschau statt, in der die im letzten Jahr erlegten Trophäen von Reh-, Rot- und Gamswild ausgestellt wurden. Musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von den Rupertiwinkler Jagdhornbläsern unter der Leitung von Günther Schroth. - K.O. –