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Wenn die Jennerbahn steht, gibt es keine Einnahmen. Die langen Lockdowns wirken sich deshalb negativ auf das Ergebnis der Berchtesgadener Bergbahn AG aus. (Foto: Ulli Kastner)

Harter Lockdown belastet Ergebnis der Jennerbahn

Schönau am Königssee – Der harte Corona-Lockdown ab dem Herbst 2020 belastet das Ergebnis der Berchtesgadener Bergbahn AG (BBAG) im Geschäftsjahr 2020/2021. Weil der Fahrbetrieb der Jennerbahn von 1. November 2020 bis 20. Mai 2021 eingestellt war, kam man letztlich nur auf 164 Betriebstage. Die Folge ist, dass der Jahresfehlbetrag auf 1,6 Millionen Euro anwuchs, wie gestern auf der BBAG-Hauptversammlung im Gasthof »Unterstein« zu erfahren war. Freilich gab es für die Aktionäre zum wiederholten Mal keine Dividende, zumal sich der Bilanzverlust auf 8,4 Millionen Euro erhöhte. Die Aktionäre machen Vorstand (Franz Moderegger und ab 10. September 2021 Thomas Hettegger) und Aufsichtsrat für das bescheidene Ergebnis allerdings nicht verantwortlich und erteilten einstimmig die Entlastung.


Gleich zu Beginn der Versammlung erfuhren die Aktionäre, die mit 18  003 Stückaktien anwesend waren und damit 85,73 Prozent des Grundkapitals vertraten, dass sich die personelle Situation in Vorstand und Aufsichtsrat gegenüber dem Vorjahr nicht verändert hat. Das sagte der wiedergewählte Aufsichtsratsvorsitzende Peter Hettegger. Maximilian Bosch und Klaus Gögele, deren Amtszeit als Arbeitnehmervertreter ausgelaufen war, wurden wieder in den Aufsichtsrat gewählt. Hetteggers Stellvertreter im Aufsichtsrat ist Georg Hinterleitner .

Dass die ersten sechs Monate des Geschäftsjahres 2020/2021 (1. November bis 30. Oktober) ganz im Zeichen des harten Lockdowns standen, betonte Thomas Hettegger in seinem Vorstandsbericht. So fiel die komplette Wintersaison aus, erst ab dem 21. Mai 2021 konnte man unter strengen Auflagen wieder Gäste auf den Jenner befördern. Trotz Corona-Hilfen in Höhe von 1,5 Millionen Euro und leicht auf knapp unter 2 Millionen Euro gesunkener Personalkosten ergab sich zum Ende des Geschäftsjahres ein Jahresfehlbetrag von 1,6 Millionen Euro, im Jahr zuvor waren es noch 1,2 Millionen Euro gewesen. Mit dem Verlustvortrag von 6,8 Millionen Euro ergibt sich somit ein Bilanzverlust in Höhe von knapp 8,4 Millionen Euro, der auf neue Rechnung vorgetragen werden soll.

Die Verbindlichkeiten gegenüber den Banken verminderten sich laut Thomas Hettegger um rund 2 Millionen Euro auf etwa 29 Millionen Euro, die Verpflichtungen gegenüber verbundenen Unternehmen erhöhten sich dagegen durch die nicht ausbezahlten Zinsen auf 24,7 Millionen Euro. Die Bilanzsumme verminderte sich um 1,2 Millionen Euro auf 66,2 Millionen Euro.

Etwas ausgebremst wurde wegen Corona auch der Start in die Wintersaison 2021/22, wie der Vorstand in seinem Bericht über das laufende Geschäftsjahr 2021/2022 weiter ausführte. Immerhin hatte man zuvor am letzten Tag des Sommerbetriebs, dem 7. November, noch ein erfolgreiches Weinfest durchgeführt, das man heuer wiederholen will. Auch das Konzert mit den »Fanstatischen Vier« im September mit 1.000 Besuchern blieb sehr positiv im Gedächtnis.

Den Winterbetrieb konnte man dann am 17. Dezember 2021 aufnehmen. Hettegger: »Die Wintersaison verlief unter Einberechnung der Corona-Pandemie bis zu ihrem letzten Betriebstag am 13. März 2022 durchaus positiv. Die ursprünglichen Planzahlen konnten zwar nicht erreicht werden, Corona-angepasst wurden sie jedoch übertroffen«. Thomas Hettegger verteidigte die relativ frühe Einstellung des Winterbetriebs gegen laut gewordene Kritik: »Betriebswirtschaftlich war es die richtige Entscheidung«.

Die BBAG beschäftigte laut Hettegger zum 30. April dieses Jahres 39 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon sieben in der Verwaltung und 32 im Bahnbetrieb. In der Gastronomie und im Shop sind im Schnitt über das Jahr rund 25 Vollzeitkräfte beschäftigt.

Nach dem Bau einer Fotovoltaikanlage auf den Gebäuden der Talstation plant man laut Vorstand Ähnliches nun für die Mittelstation. Außerdem hat man den Bau eines kleinen Kraftwerks an der Talstation ins Auge gefasst, um den eigenen Strom zu produzieren. Dafür soll das Wasser aus dem Speicherteich an der Mittelstation über die bestehenden Leitungen ins Tal geleitet werden. »Es ist eine kleine Maßnahme, für die keine Eingriffe in die Natur notwendig sind«, versicherte Hettegger.

Der Vorstand machte deutlich, dass man den Jenner allen Wintersportlern, also auch den Winterwanderern, den Tourengehern und den Schneeschuhwanderern, zur Verfügung stellen wolle. »Das werden wir weiter forcieren«. Gut angenommen wurde auch das Kinderland an der Talstation, das jetzt die Jennerbahn selbst betreibt. »Wir wollen das noch schöner machen, denn es ist wichtig, dass unsere Kinder Ski fahren lernen«, betonte Hettegger. Mit Kinderspielgeräten aufwerten will man die Bergstation und die Mittelstation, wo es unter anderem ein Klettergerüst geben soll. Für das Areal am Speicherteich ist die Errichtung von Klanginstrumenten und Wasserspielgeräten für die Kinder geplant. Neu ist, dass Geburtstagskinder jetzt kostenlos mit der Bahn fahren und für die nächsten Wochen sind verschiedene Events wie »Musikalisch vom Frühling in den Bergsommer«, ein Konzert der Musikkapelle der Freiwilligen Feuerwehr Königssee an der Bergstation und eine Sonnwendfeier geplant.

Durch eine Preiserhöhung von durchschnittlich 10 bis 15 Prozent erhofft sich die BBAG in schwierigen Zeiten Mehreinnahmen. Die neuen Fahrpreise könnten die Einnahmen laut Berechnungen um 585.000 Euro auf 4,9 Millionen Euro steigen lassen. Allerdings erhöhte sich in den letzten Monaten der Preis für die Kilowattstunde Strom von 13 auf 18 bis 20 Cent. »Mal schauen, was dann am Ende noch übrig bleibt«, sagte Thomas Hettegger. Der hofft, dass man »nach der Pandemie wieder in ruhigere Gewässer kommt, um dann die Verlustvorträge zu reduzieren«. Dass man für die bescheidenen Ergebnisse der letzten Jahre ohnehin niemanden außer Corona verantwortlich machen will, ließ die Diskussion erahnen: Es gab keine Wortmeldung.

Ulli Kastner