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Hamiltons Mutprobe: Besser sein als Schumacher

Suzuka (dpa) - Im betongrauen Fahrerlager von Suzuka kann Lewis Hamilton schon seine Zukunft sehen. Wenn der britische Formel-1-Star erstmals nach der Verkündung seines überraschenden Abschieds die McLaren-Box betritt, wird nur zwei Garagen weiter am Silberpfeil von Michael Schumacher geschraubt.

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Lewis Hamilton will bei Mercedes besser als Michael Schumacher sein. Foto: Franck Robichon Foto: dpa

Mit dem Wechsel in den Mercedes des ausgebooteten Rekordweltmeisters verbindet sich für Hamilton Risiko und Befreiung zugleich. Der 27-Jährige setzt bewusst seine Karriere aufs Spiel, um sich als der bessere Schumacher zu beweisen.

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Eine nächtliche Plauderei mit Niki Lauda in einem Luxushotel in Singapur überzeugte Hamilton wohl endgültig vom Schritt zum schwäbischen Autobauer. «Denk doch mal so: Wenn Schumacher das Mercedes-Team in drei Jahren nicht nach vorn bringen konnte, und du machst es nächstes Jahr viel besser, dann hat das großen Einfluss auf deine Persönlichkeit und die Leute werden dich viel mehr schätzen», sagte der künftige Mercedes-Aufsichtsrat Lauda in jener Nacht zu Hamilton.

Ein paar Tage später unterschrieb der Champion von 2008 einen Dreijahresvertrag. «Zeit für eine neue Herausforderung» sei es, begründete Hamilton seine unerwartete Entscheidung. «Er hat gefühlt, dass dies die nächste Stufe seiner Karriere ist», erklärte Mercedes-Teamchef Ross Brawn. Die sportliche Chance, Mercedes endlich in die Spitze zu führen und sich so einen noch größeren Namen zu machen, war aber nur eines der Argumente für Hamilton.

«Klar ist, er wollte wachsen und sich weiterentwickeln, also musste er einfach weiterziehen», urteilte der britische «Observer». Der dreimalige Weltmeister Damon Hill meinte: «Lewis war bei McLaren eingesperrt wie ein Vogel im Käfig.» Tatsächlich fühlte sich der extrovertierte Rennfahrer mit Hang zu Rap-Musik und Partys zuletzt bei seinem Team offenbar immer unwohler. Zu viele Verpflichtungen, zu wenig persönliche Freiheit. Sogar seine Pokale musste er einer Firmentradition folgend bei McLaren abliefern.

«Klaustrophobisch» habe Hamilton am Ende die Enge bei McLaren empfunden, schrieb die «Daily Mail». Nach mehr als 14 Jahren zieht der sportliche Ziehsohn des Team-Patriarchen Ron Dennis nun einen Schlussstrich - und verlässt einen Rennstall, der ihm fast immer ein sieg- und zumeist auch titelfähiges Auto gebaut hat.

«Der Reiz für Lewis war, ein Teil bei der Entwicklung eines Teams zu sein. Und nicht, in ein schon fertiges, erfolgreiches Paket einzusteigen», beteuerte Mercedes-Vordenker Brawn. Geld habe bei dem Deal nur eine Nebenrolle gespielt. Knapp 60 Millionen Euro soll Hamilton in den drei Jahren bei Mercedes verdienen, dazu kommen vermutlich Erfolgsprämien und größere Freiheiten bei privaten Werbeverträgen. «Lewis ist nicht zu uns gekommen, weil wir mehr Geld geboten haben - das haben wir nicht», versicherte Brawn.

In jedem Fall werden sich alle Beteiligten in Suzuka bohrenden Fragen stellen müssen. Die McLaren-Spitze muss den Verlust eines der besten Piloten erklären. Hamilton wird begründen müssen, warum er sich abnabelt. Die Mercedes-Führung muss die Trennung von PS-Ikone Schumacher rechtfertigen. Die Suche nach den Gewinnern und Verlierern des Super-Transfers hat längst begonnen.