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»Habe das Rennen im Kopf verloren«

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Muss seinen Traum von WM-Gold erst einmal weiterträumen: Toni Palzer. (Foto: ISMF)

An diesem 12. März wollte Toni Palzer im Individual-Rennen der WM Großartiges schaffen, doch am Ende hat er alles verloren. Der Ramsauer Skibergsteiger, der bei den Titelkämpfen in Villars sur Ollon (französische Schweiz) als einer der Titelfavoriten ins Rennen gegangen war, gab schließlich auf. »Ich habe das Rennen im Kopf verloren«, räumt Palzer ein. Immerhin reichte es am nächsten Tag beim Vertical Race noch zu einem 5. Platz, den der Ramsauer »wie eine Medaille« feierte.


280 Athleten aus 31 Nationen nahmen an den bereits zehnten Titelkämpfen teil. Für Toni Palzer standen die Disziplinen Individual und Vertical auf dem Programm. Sechs Anstiege, zwei Tragepassagen und 1600 Höhenmeter – so die Eckdaten für das WM-Rennen nur einen Tag nach Tonis 26. Geburtstag. Trotz bester Bedingungen ein sehr schwieriger Tag für Toni Palzer.

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Bereits im ersten Anstieg fiel der Ramsauer aus der Führungsgruppe und musste im zweiten Aufstieg völlig entkräftet das Rennen vorzeitig beenden. Der vielleicht bisher schwerste Tag in der Karriere des jungen Skibergsteigers, der sich – als aktuell Zweitplatzierter im laufenden Individual-Weltcup – viel für das Rennen vorgenommen hatte. Der Weltmeistertitel an diesem Tag ging an den Italiener Robert Antonioli, der die Disziplinenwertung im Weltcup derzeit anführt.

Toni Palzer sagt: »Seit ich im Jahr 2010 Florent Troillet bei seinem Weltmeistertitel gesehen habe, war es mein großer Traum, eines Tages Gold im Individualrennen zu holen. Der 12. März 2019 – seit Bekanntgabe des WM-Programms war dieses Datum stets präsent in meinem Kopf, alles auf einen Tag ausgelegt. Der Tag kam und plötzlich war alles so ganz anders, als ich es mir in meinen Träumen und Planungen ausgemalt habe. Plötzlich war ich nicht mehr nervös, ich hatte Angst vor dem Rennen. Trotz sehr guter Form muss ich mir eingestehen, dass ich dieses Rennen wohl im Kopf verloren habe. Der Druck, den ich mir selbst auferlegt habe, war einfach zu hoch. Ein sehr emotionaler Tag für mich und vielleicht einer der schwierigsten in meiner ganzen sportlichen Karriere. Am Ende zeigt es vielleicht aber auch, dass professionelle Athleten keine immer funktionierenden Maschinen, sondern einfach auch nur Menschen sind.«

Trotz der Enttäuschung aus dem Individual stand Toni nur einen Tag später erneut an der Startlinie. Durch schlechtes Wetter und viel Wind war eine Durchführung des Vertical-Rennens auf der ursprünglichen Strecke nicht möglich und so mussten die Organisatoren auf eine Alternative zurückgreifen. Mit fünf Kilometern und 470 Höhenmetern war es ein sehr flaches Verticalrennen, das im unteren Teil sogar auf einer Langlaufloipe ausgetragen wurde. Zur Überraschung vieler wechselten die Topathleten von der Diagonaltechnik zur Skatingtechnik – die vielen Langlaufkilometer in der Vorbereitung haben sich für Toni Palzer hier bezahlt gemacht.

Stets in der Führungsgruppe vertreten, ging es zum finalen Showdown – drei kurze, aber steile Anstiege hinauf in das Ziel am Col de Bretaye. Nicht zu schlagen war Lokalmatador Werner Marti aus der Schweiz, der sich seinen ersten Weltmeistertitel holte. Dahinter war es ein Sekundenkrimi, in dem sich Toni Palzer den starken fünften Platz erkämpfte.

Dazu Toni Palzer: »Der fünfte Platz im Vertical-Rennen war für mich fast wie der Gewinn einer Medaille. Ich habe wieder etwas Lockerheit gefunden und gesehen, dass ich an der Weltspitze mitlaufen kann. Besonders schön an diesem Tag auch das Duell mit meinem Teamkollegen Toni Lautenbacher, der ein unglaublich starkes Rennen (Rang 6) gezeigt hat. Es freut mich sehr, dass er nach einigen gesundheitlichen Problemen wieder zurück in die Spur gefunden hat.«

Am kommenden Wochenende (23./24. März) geht es mit dem ISMF Skimountaineering Weltcup in Disentis/Schweiz weiter. Bei der vorletzten Station des Weltcups werden ein Individual- sowie ein Verticalrennen ausgetragen. Toni Palzer geht als Führender des Gesamtweltcups in die Rennen und wird nach einigen erholsamen Tagen zuhause alles daran setzen, diese Führung zu verteidigen. Andreas Hartmann