Gutes aus der Region, für die Region

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Im kleinen neuen Hofladen in Nonn ist die Liebe zum Detail sofort spür- und erlebbar. (Foto: Hans-Joachim Bittner)

Bad Reichenhall – »Das ist eine so schöne Sache«, freut sich eine ältere Dame, die sich am Muttertagsmorgen zum ersten Mal den neuen kleinen Hofladen in Nonn anschaut. Theresa und Peter Streibl junior, 30 und 29 Jahre alt, haben ihren »Hof- und Regionalladen« nun offiziell gleich neben dem gut 200 Jahre alten Flatscherhof ihrer Eltern Christiane und Peter eröffnet.


»Wir wollen einfach unseren Einheimischen, aber natürlich auch Gästen, die Möglichkeit bieten, regionale Produkte erwerben zu können. Das ist gerade in unserer heutigen Zeit des Massenkonsums wichtig geworden. Schließlich wissen wir doch nie ganz genau, was wir da so alles im Supermarkt kaufen.« Deshalb lautet das Motto der Streibl-Geschwister »Gutes aus der Region, für die Region«. Jeder Kunde spürt sofort: Hier wurde mit viel Liebe zum Detail Neues geschaffen, und in Nonn hat exakt ein solches lange gefehlt. »Es gibt in der Region zwar einige kleine Anbieter, aber niemand weiß so richtig, wo man die Produkte kaufen kann«, so Theresa Streibl.

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Hochwertige Produkte, die alle ihre eigene Geschichte besitzen, befinden sich im Sortiment: Knackig-gelber Käse vom Eisenbichlerhof der Familie Gruber in Karlstein, vom Köstlerhof der Familie Lidicky in Unken oder Heumilch-Frischkäse vom Maurerlehen der Familie Hallinger am Obersalzberg, frische Chiemgau-Freilandeier und Nudeln vom Langenspacher Hof der Familie Hennes in Erlstätt, Getreide-Produkte von der Maiermühle der Familie Mühlbacher aus Teisendorf oder feine Schokolade vom Bäcker Neumeier aus Bayerisch Gmain. Für ihre Wildwürschtl vertrauen die Streibls auf das fachgerechte Verarbeiten durch Josef Sprenger von der Metzgerei Ehler in Bischofswiesen.

Aus eigener Flatscherhof-Herstellung in Nonn 21 kommt das Ochsen-Fleisch. Die Streibls schreiben lieber »Oxn« auf ihre Verkaufstafel und fertigen neben dem reinen Fleisch in vakuumierten Fünf- und Zehn-Kilo-Packerl auch Bolognese, Lüngerl, Leberknödel oder Gulasch an, um diese Zubereitungsarten in Gläsern abgefüllt zum schnellen Aufkochen anzubieten – sozusagen als Fertigprodukte. Die Pinzgauer Weideochsen kommen im Herbst als »Fresser« auf den Flatscherhof. Sind sie drei Jahre alt, werden sie »auf kurzen Wegen« in Marzoll geschlachtet. »Dieser kleinstmögliche Transport und die schnelle, stressfreie Schlachtung liegen uns besonders am Herzen«, sagt Theresa Streibl. Alle zwei Monate gibt es einen Termin, das Fleisch gibt‘s auf Vorbestellung. »Uns ist es wichtig, zu wissen, wohin unsere Ware geht. Somit können wir einen engen Kundenkontakt pflegen«, so die Hofladen-Betreiberin.

Fleischlos lebende Menschen kommen bei den Streibls ebenfalls auf ihre Kosten: Apfel-Chili-Chutney oder saisonal-bedingtes Bärlauch-Pesto, Löwenzahn-Gelee und Waldmeister-Sirup sowie diverse Marmeladen sind in Nonn hausgemachte Schmankerl. »Wir sind mit unseren Ideen aber noch lange nicht am Limit, uns wird sicher noch so einiges einfallen«, schmunzelt Theresa Streibl, die sich hier einen kleinen Lebenstraum erfüllt. Über ihre »Vier-Mädels«-Gruppe »Guad‘s von do«, die seit knapp zwei Jahren mit eigenen Produkten am monatlichen Berchtesgadener Wochenmarkt vertreten ist, entwickelte sich die Idee eines eigenen Hofladens.

Nicht lange nach dem Corona-Ausbruch in Deutschland boten die Streibls bereits einige Produkte zum Verkauf an. Die Sache entwickelte sich und mündete nach gut einem Jahr der Vorbereitung jetzt in den kleinen Hofladen. »Wenn man sich anschaut, was es früher alles in Nonn oder Karlstein gab, an Geschäften – und mittlerweile ist das alles weg. Dieser Entwicklung wollen wir mit unserem kleinen Geschäft ein wenig entgegensteuern. Der Trend geht verstärkt Richtung Regionalität. Die Menschen wissen die heimischen Produkte, die wir haben, wieder mehr zu schätzen«, sagt Peter Streibl junior. »Und sie bekommen wieder einen stärkeren Bezug zum Bauernhof und somit zur Natur«, ergänzt seine Schwester.

Da Theresa und Peter Streibl jeweils berufstätig sind – sie in der Landwirtschaftlichen Buchführung, er als gelernter Berufsjäger – und nicht zu allen Öffnungszeiten täglich von 8 bis 18 Uhr, auch sonn- und feiertags, persönlich anwesend sein können, erfolgt der Verkauf auf Vertrauensbasis: »Ihr vertraut uns mit unseren Produkten, wir vertrauen Euch bezüglich der Kasse«, lautet das Credo der Selbstbedienung. Bei speziellen Fragen kann geklingelt werden, die Eltern stehen für Informationen ebenfalls zur Verfügung. Das Geld wird in eine kleine »Kuh«-Kasse aus Holz gegeben, sogar Wechselgeld liegt bereit, genauso wie eine separate Preisliste und ein Taschenrechner. Die ersten Tage waren bereits sehr vielversprechend, die Mundpropaganda funktioniert. Gerade die heimischen Familien nehmen das neue Angebot schon sehr gut an. Der beliebte Wander- und Radweg, der direkt am Haus vorbeiführt, leistet für den Erfolg des netten kleinen Hofladens sein Übriges.

Hans-Joachim Bittner


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