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»Gute-alte-Zeit-Musik«: Spaß fürs Ohr

Guter alter Big-Band-Sound ist selten geworden in diesen Tagen. Die Zeiten, in denen James Last, Max Greger oder ein Hazy Osterwald einem Orchester vorstanden, scheinen gezählt. Big-Band-Sound aber einem Oktett aufzuerlegen, ist durchaus eine Herausforderung der besonderen Art. Spaß fürs Ohr. Dieser Aufgabe hat sich Stephan Reiser angenommen, der (fast) alle Arrangements der Formation »Marty & the Rockin´ Comets« übernommen hat.

Boten zu acht erstklassige Unterhaltung: »Marty & the Rockin Comets« im Gasthaus Mühlwinkl. (Foto: Kewitsch)

Acht Musiker, ein Sound wie 20. Stilsicherer Kontrabass (Robert Klinger), souveräner Gitarrensound (Chris Schlechtrimen), treffsichere Beats am Schlagzeug (Wolfgang Kotsowilis), dazu das Bläsertrio Marion Dimbath (Posaune), Reiner Greiner (Trompete) und eben, hingebungsvoll, Stephan Reiser (Saxophon). Am Keyboard Heinrich Haas, der für den authentischen Groove sorgt, und Martin Wolf alias Marty am Mikrofon. Alle Männer stilsicher im Glitzerjackett, die Dame im kleinen Schwarzen.

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Die Tanzfläche in Staudach-Egerndach im Gasthof Mühwinkl vor Konzertbeginn sauber gebohnert, während des Abends dann entsprechend ausgelastet. Überhaupt: Chapeau an die Herren und Damen – man sehe es mir nach – mittleren Alters: Keiner, der auch nur halb so jung ist, tanzt doppelt so gut. Einerlei ob Hobbytänzer oder Vereinstänzer, eines einte sie alle: die Liebe zur Musik und die Leidenschaft an der Bewegung.

Geboten war also erstklassiges »American Entertainment«. Zugegeben, zeitlich etwas arg zurückversetzt. Der swingende Rhythm´n´Blues der vierziger und fünfziger Jahre kam stilecht und gekonnt daher. Die Musik überzeugend, die Präsenz aller Instrumente auf eingangs erwähntem Orchesterniveau. Martin Wolf, man darf das ruhig so sagen, ein alter Hase, der wahrscheinlich schon viele Mikros »durchgesungen« hat. Die Band spielfreudig, der Schlagzeuger ein Quell der Freude. Die Gitarre zurückhaltend, aber immer wieder aufblitzend und die Fraktion an den goldenen Blasinstrumenten: leuchtend und klar.

So wurden Blues-Balladen à la B. B. King, Nat King Cole ebenso dankbar gehört wie der Swingmusik-Sound eines Louis Prima und Louis Jordan. Alles in allem: »Gute-alte-Zeit-Musik« aus Tagen, in denen die Big Bands aus dem schwarz-weißen Röhrenbildschirm noch etwas blechern klangen – im Gasthof Mühlwinkl ganz in Farbe. Udo Kewitsch