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Gute Zeiten: Nile Rodgers & Chic begeistern in Berlin

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Nile Rodgers
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Nile Rodgers ist live eine Wucht. Foto: PA/Archiv Foto: dpa

Mit Chic setzte er in den 70ern weltweit die Diskotheken unter Strom, danach war er der wichtigste Produzent des Pop: Nile Rodgers ist längst eine lebende Legende. Seine Musik begeistert bis heute - auch beim Konzert in Berlin.


Berlin (dpa) - Und gäbe es von ihm nur dieses eine unwiderstehliche, unnachahmliche schnarrende Funk-Gitarrenriff - Nile Rodgers hätte seinen Platz in der Ruhmeshalle der Popmusik sicher.

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Doch es ist so viel mehr, was diesen Musiker zu einem der größten und wichtigsten der vergangenen 40 Jahre macht - wie ein phänomenales Berliner Konzert erneut beweist.

Die lebende Legende ist am Donnerstagabend im fast ausverkauften, mächtig aufgeheizten Tempodrom allerbester Laune. Rodgers, inzwischen 65 Jahre alt, mit riesiger Sonnenbrille, fescher Mütze und beeindruckend langer Zopffrisur, fotografiert zunächst mit seinem Handy das aus mindestens drei Fan-Generationen bestehende Publikum, schüttelt Hände in den ersten Reihen, grinst breit sein typisches Zahnlückengrinsen.

Dann kommt eine achtköpfige Band inklusiver zweier toller junger Sängerinnen hinzu, und los geht's - mit diesem Gitarrenriff, das den ganzen Abend prägen wird.

Allein die Liste von Rodgers' Hits mit der Disco-Funk-Truppe Chic ist so lang, dass die 2018er Version seiner Band manches nur verkürzt spielen kann: »Le Freak«, »I Want Your Love«, »Dance Dance Dance«, »My Forbidden Lover«, »Good Times« als Rausschmeißer nach rund 100 Minuten. All dies so mitreißend, als wären die Tracks nicht Jahrzehnte alt, sondern taufrisch.

Und dann sind da ja noch die Songs und Alben, die er für andere komponiert, eingespielt und produziert hat, vor allem in den späten 70er und den 80er Jahren, als Rodgers zeitweise der angesagteste Mann im Popbusiness war.

David Bowie (»Let's Dance«), Madonna (»Like A Virgin«), Diana Ross (»Upside Down«, »I'm Coming Up«), Duran Duran (für die er »Notorious« mit seiner Gitarre zum Karriere-Highlight veredelte), Sister Sledge (»We Are Family«, »Lost In Music«) und die B-52s zählten zu seinen Kunden. Zuletzt waren es Daft Punk, diese beiden »French guys«, die Rodgers und sein berühmtes Riff für »Get Lucky« gewinnen konnten - ein hochverdientes Comeback.

All diese Kracher spielt Nile Rodgers in Berlin, und das Publikum dankt es mit lautstarker Euphorie, die den Meister selbst immer wieder neu begeistert. Zwischenzeitlich erwähnt er lachend, ein junger Musikjournalist habe kürzlich gelobt, Chic seien ja wohl eine Weltklasse-Coverband. Dem habe er gesagt: Nein, nein, alles von mir selbst geschrieben oder mitgeschrieben. Und dass die rund 1500 Aufnahmen, auf denen er mitwirkte, sich rund 500 Millionen Mal verkauft hätten.

Das erzählt er zwischen den Party-Knallern fröhlich, freundlich, ohne Angeberei. Auch dass er den Krebs besiegt habe, obwohl ihm die Ärzte einst rieten, sich nur noch zum Sterben zurückzuziehen. Sein Gegenmittel sei gewesen: noch mehr Musik machen, noch mehr Konzerte geben. Die am Donnerstag an Krebs gestorbene »Queen of Soul«, seine »Sister Aretha Franklin«, würdigt Rodgers gleich zweimal.

Es sind die ernsteren Momente an einem Abend mit zeitlos großartiger Tanzmusik, mit einer Band und einem Frontmann in Hochform. Zum Abschluss des einzigen Deutschland-Gigs von Nile Rogers & Chic kommt die gesamte Tournee-Crew auf die Bühne und umringt hüftenschwingend die neun Musiker. Mit der Ankündigung einer neuen Studioplatte noch in diesem Herbst, der ersten seit vielen vielen Jahren, endet ein denkwürdiger Auftritt. Man darf sich darauf freuen.