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Trotz derzeit erheblicher Kostensteigerungen auf dem Bausektor hält der Marktgemeinderat Berchtesgaden an seinen Plänen, den historischen Rosenhofstadel zu sanieren und zur Kindertagesstätte umzubauen, fest. (Foto: Ulli Kastner)

Grünes Licht für Millionenprojekt Rosenhofstadel

Berchtesgaden – Und wieder ein Projekt, das nach aktuellem Stand deutlich teurer wird, als ursprünglich geschätzt. Trotzdem will der Marktgemeinderat Berchtesgaden an der Sanierung des historischen Rosenhofstadels festhalten. Um darin eine dringend benötigte Kindertagesstätte einzurichten, werden nach derzeitigem Stand inklusive Zuschüssen rund 6 Millionen Euro benötigt, bislang war man von 4 Millionen Euro ausgegangen. Der Marktgemeinderat beschloss dennoch am Dienstag gegen die Stimme von Hans Kortenacker (Bürgergruppe) den Ausschreibungsstart für den ersten Block – auch deshalb, weil man hofft, dass die Voraussetzungen für die weiteren anstehenden Ausschreibungen deutlich günstiger werden.


Den Anstieg der Kosten, die »nach aktuellem Stand« bei rund 6 Millionen Euro liegen werden, begründete Marktbürgermeister Franz Rasp mit der »derzeitigen Baukostensituation im Bauwesen«. Der Rathauschef geht aber davon aus, dass »spätestens Mitte des Jahres wieder Kapazitäten im Hochbau frei werden, weil aktuell viele private Bauvorhaben abgesagt werden«. Deshalb, so die Hoffnung, sollte man dann »vernünftige Angebote bekommen und die derzeitig geschätzten Kosten unterbieten können«.

Ausschreibungin mehreren Blöcken

Anders als bisher geplant, will man die Ausschreibungen nun in mehrere Blöcke aufteilen. Schließlich, so Rasp, sei es den Firmen derzeit kaum möglich, Angebote über einen längeren Zeitraum abzugeben. Aktuell gehe es um den ersten Block, die Ausschreibung für die Gründung und Unterfangung des Gebäudes und den Bau einer neuen Überdachung für rund 1 Million Euro. Denn im Gegensatz zum restlichen Gebäude ist das erst 50 Jahre alte Dach nicht denkmalgeschützt. »Nach der Ausschreibung wird der Marktgemeinderat die Vergabe übernehmen. Wir werden dann sehen, ob es passt. Andernfalls sollten wir das noch einmal verschieben.« Für Franz Rasp steht fest, dass es zu diesem Zeitpunkt dann noch einmal die Möglichkeit gebe, »die Reißleine zu ziehen«. Wenn man den Auftrag aber vergeben habe, dann gebe es »kein Zurück mehr, das Projekt muss dann durchgezogen werden«. Man habe sich vorgenommen, dass die neue Kindertagesstätte im September 2024 bezugsfertig sein soll.

Laut Franz Rasp seien bereits 2,4 Millionen an Zuschüssen zugesichert. Nicht erfreulich sei aber die aktuelle Nachricht aus der Denkmalförderung. Hier habe man bislang nur Absagen bekommen, man bleibe aber weiter dran. Ob es hier ebenfalls Geld gebe, wisse man derzeit nicht. »Jedenfalls brauchen wir unbedingt eine weitere Kinderbetreuungsmöglichkeit«, sagte Rasp, auch wenn die Kinder derzeit in Behelfseinrichtungen »solide« untergebracht seien.

»Schwarzbuchähnliche Dimensionen«

Hans Kortenacker sieht das teure Projekt weiterhin kritisch, wie er deutlich machte. »Das ist komplett die falsche Ausschreibungszeit. Alle schieben ihre Projekte, nur wir nicht«, kritisierte er und forderte eine Verschiebung um ein halbes bis ein ganzes Jahr. Dann habe man vermutlich Kostensicherheit. Kortenacker stellte klar, dass er nicht gegen Kindergärten sei, aber dies sei ein reines Prestigeobjekt »in schwarzbuchähnlichen Dimensionen«.

In der Aussprache betonte unter anderen Richard Schwab (Freie Wähler), dass die Kostensteigerungen nicht nur an der guten Auslastung der Baubranche lägen. Für einen Großteil des Preisanstiegs seien die immer strenger werdenden Auflagen verantwortlich. Dennoch plädierte Schwab dafür, mit dem Projekt zu beginnen. »Wir müssen eben mit dieser neuen Kostenstruktur leben, wir können ja nicht mit dem Bauen aufhören.«

Auch für Michael Koller (Freie Wähler) ist klar, dass »wir das Gebäude brauchen«. Allerdings stelle es auch ein »Prestigeobjekt für den Denkmalschutz« dar, deshalb dürfe sich der Staat hier nicht wegducken. Im Übrigen sei es sinnvoll, wenn die öffentliche Hand in der aktuell schwierigen Bausituation antizyklisch vorgehe und mit Aufträgen Arbeitsplätze im Handwerk sichere. Und die Reißleine ziehen könne man nach dem heutigen Beschluss immer noch.

Dass es derzeit »nullkommanull« freie Kindergartenplätze im Markt gebe, stellte Iris Edenhofer (Grüne) fest. Sie frage sich auch, was passiere, wenn jetzt noch mehr Flüchtlinge kommen. »Der Rosenhof liegt uns doch allen am Herzen und wir wollen ja auch, dass das Haupthaus erhalten wird. Da sollten wir beim Stadel mit gutem Beispiel vorangehen.«

»Wir stehen vor einem Paradigmenwechsel«

Dr. Bartl Wimmer (Grüne) zeigte durchaus Verständnis für »einige Argumente« Hans Kortenackers. Zwar seien die Haushaltsabwicklungen der letzten Jahre durchaus gut gewesen, aber nun »stehen wir vor einem Paradigmenwechsel«. Die Finanzsituation werde wohl schwieriger werden, als sie in den letzten zehn Jahren war. »Und beim Rosenhofstadel investieren wir Mittel, die wir woanders auch brauchen könnten.« Dennoch kommt Wimmer zu dem Ergebnis, dass »wir hier zustimmen sollten«. Schließlich komme die Marktgemeinde derzeit ihren gesetzlichen Verpflichtungen im Kita-Bereich nicht vollumfänglich nach. Es sei zwar nicht schön, wenn vom Denkmalschutz hier vermutlich kein Zuschuss zu erwarten ist, es stelle sich aber die Frage, »ob es besser wird, wenn wir warten«. Wimmer schlug jedoch vor, zeitnah über eine Prioritätenliste nachzudenken. »Was können wir uns leisten?«

Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung bei der Gegenstimme Hans Kortenackers, den Ausschreibungsblock zur Gründung des Hauptgebäudes auszuschreiben und die Ergebnisse dem Marktgemeinderat zur Vergabe vorzulegen. Die weiteren Ausschreibungsblöcke sind vorzubereiten.

Ulli Kastner