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Großer Preis Ohio: Obama und Romney kämpfen um «Swing States»

Cleveland (dpa) - Ohio könnte das Rennen ums Weiße Haus entscheiden. Der «Swing State» bringt 18 Wahlmänner-Stimmen am 6. November. Weder Obama noch Romney können es sich leisten, Ohio zu verlieren.

Eric Russell nimmt seine Aufgabe sehr ernst. Falls es der republikanische Herausforderer Mitt Romney nicht schaffen sollte, Präsident Barack Obama am 6. November in Ohio zu schlagen, dann liegt es sicher nicht an mangelndem Eifer von Russell. Jeden Tag ruft der überzeugte Republikaner Hunderte Wähler an. Bis zur Wahl möchte er mehr als 15 000 mit seiner Botschaft erreicht haben. «Das ist die wichtigste Wahl meines Lebens», sagt der 47-Jährige während einer kurzen Pause in einem hektischen Wahlkampfbüro der Republikaner in der Nähe von Cleveland.

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Ein ständiger Strom von Wählern besucht das Büro. Viele besorgen sich Romney-Wahlplakate, Sticker und Tafeln für ihre Vorgärten. «Ich möchte etwas verändern», sagt Russell. Er sticht nicht nur durch seinen Eifer am Telefon hervor, sondern auch durch seine Hautfarbe: Russell ist einer der wenigen Afroamerikaner, die Romney aktiv unterstützen.

Ohio ist einer von zehn US-Bundesstaaten, in denen Obama und Romney besonders intensiv wahlkämpfen. Es sind dies die sogenannten «Swing States» und «Battleground States» - Staaten, in denen die Mehrheitsverhältnisse nicht bereits klar sind. Dem US-Wahlrecht zufolge gewinnt die Präsidentenwahlen nicht der Kandidat, der die meisten Wählerstimmen landesweit für sich gewinnt, sondern, wer die meisten Wahlmänner auf sich vereinigt. Je mehr Einwohner ein Bundesstaat hat, desto mehr Wahlmänner. Colorado, Florida, Iowa, North Carolina, New Hampshire, Nevada, Virginia und Wisconsin sind weitere «Swing States». Auch Pennsylvania ist traditionell umkämpft.

Obama hat Ohio in diesem Jahr bereits 15 Mal besucht. Romney verbrachte im Oktober eine ganze Woche dort. Der letzte Präsident, dem es gelang, ohne einen Sieg in Ohio ins Weiße Haus einzuziehen, war John F. Kennedy im Jahr 1960. Mit 11,5 Millionen Einwohnern und einer Mischung aus städtischen und ländlichen Gebieten ist der Staat im mittleren Westen ein Mikrokosmos der USA.

Die Automobilindustrie ist einer der wichtigsten Arbeitgeber und Obama hofft, dass die Rettung von Chrysler und General Motors ihm Stimmen einbringen wird. Der Wirtschaft in Ohio geht es besser als weiten Teilen der USA. Mit 7,2 Prozent war die Arbeitslosigkeit im August einen Prozentpunkt niedriger als im Landesdurchschnitt.

Obamas Unterstützer betonen die Fortschritte seit der Finanzkrise 2008. Vor allem aber glauben sie, dass der Präsident die Sorgen und Nöte der Menschen besser versteht, als der superreiche Romney. Der kümmere sich nur um seinesgleichen. «Es geht um alle Menschen, nicht um die Wenigen», meint etwa Obama-Wählerin Marva Patterson.

Doch nicht alle sind überzeugt: John Kevern hatte letztes Mal für Obama gestimmt, aber am 6. November wird der 60-Jährige wahrscheinlich Romney wählen. Der Präsident habe seine Versprechen nicht erfüllt, meint er. «Der Mann hat mich belogen. Er hat die Dinge im Land nicht besser gemacht», sagt er. Die USA stünden nicht besser da als vor vier Jahren. Vor allem steigende Treibstoffpreise und Obamas Steuerpläne verstimmen ihn.

«Die Leute haben für einen Typen gestimmt, der keine Erfahrung hatte», sagt der Republikaner Otto Eichler rückblickend. Seine Frau Rita bemängelt, dass Obamas Demokraten zu viel Einfluss auf das Leben der Menschen nehmen wollen. «Und die Gesundheitsreform, die ist besonders schlimm. Sie wollen alten Menschen vorschreiben, wann sie sterben sollen», meint sie.

Nicht alle Wähler haben sich schon entschieden. Ihre Stimmen sind heiß begehrt, denn Umfrageergebnisse zeigen Obama und Romney Kopf an Kopf. Die 50 Jahre alte Lehrerin Kim Noetzel gehört zu den Unentschlossenen. Ihr Briefkasten quillt jeden Tag mit Wahlwerbung über, im Fernsehen laufen Dutzende Wahlwerbespots, die sie zur einen oder anderen Seite ziehen sollen. «Das Rennen wird sehr, sehr knapp werden», davon ist Noetzel überzeugt.