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Auf der Baustelle B 305 zwischen Bahnhof und Gmundbrücke ist Ruhe eingekehrt, weil sich die Lieferung des dringend benötigten Baustahls verzögert. Nur einige kleinere Arbeiten wie die Vorbereitung zum Setzen vom Mikropfählen können verrichtet werden. (Foto: Ulli Kastner)

Großbaustelle B 305: Das Warten auf den Baustahl

Berchtesgaden – Wenig Bewegung gibt es aktuell auf der Großbaustelle B 305 zwischen Bahnhof Berchtesgaden und Gmundbrücke. Die außergewöhnliche Ruhe hat eine Ursache: Die Lieferung des Baustahls für die 600 Bohrpfähle verzögert sich, die Baufirma kann das Kernstück der Straßensanierung nicht in Angriff nehmen. Die Unruhe war zwischenzeitlich groß, erste Forderungen nach einer vorübergehenden Zweispurigkeit wurden laut. Doch mittlerweile gibt es eine positive Nachricht. In der Kalenderwoche 22, also übernächste Woche, soll das Material da sein, die Bohrarbeiten können beginnen.


Nachdem auf der Baustelle verdächtige Ruhe eingekehrt war, brodelte schnell die Gerüchteküche. Sogar von einem weiteren sechswöchigen Stillstand war die Rede. In Anbetracht der sich verschärfenden Verkehrssituation im Markt, der aktuell den ganzen Umleitungsverkehr von der B 305, aber auch von der Baustelle Aschauerweiher abbekommt, war die Unruhe groß. So sah sich Marktbürgermeister Franz Rasp genötigt, vor der Jahreshauptversammlung der Aktiven Unternehmen am Montagabend Auskunft beim Staatlichen Bauamt Traunstein zur aktuellen Situation auf der Baustelle einzuholen.

In einer schriftlichen Stellungnahme, die Rasp auf der Sitzung vortrug, drückte Baudirektor Martin Bambach seinen Unmut über die Verzögerungen aus. Allerdings stellte er auch klar, dass es keineswegs eine weitere sechswöchige Baupause geben werde. Aktuell geht man davon aus, dass der Baustahl für die 600 Bohrpfähle in der übernächsten Woche geliefert werden kann. Das teilte die Baufirma dem Staatlichen Bauamt mit. Dann können die Arbeiten weitergehen. Eigentlich hätten die Bohrarbeiten bereits Anfang Mai beginnen sollen, damit würde die Bauverzögerung etwa vier Wochen betragen.

Erwartet werden nun Ende Mai auf der Baustelle zwei Großbohrgeräte, die die Löcher für die 12 bis 16 Meter langen Bohrpfähle mit einem Durchmesser von 90 Zentimetern bohren sollen. Die 600 Bohrschablonen sind bereits sichtbar. Diese Bohrpfahlwand, die aus Baustahl und Beton besteht, wird dann den zentralen Teil der neuen Stützmauer darstellen, die beim Unwetter am 17. Juli weitgehend zerstört worden war.

Kurz nach Aufnahme der Bohrarbeiten Ende Mai sollen auch die Straßenbauarbeiten auf dem Abschnitt Gmundberg bis zum Bahnübergang zu den Gästehäusern beginnen. Für diese Arbeiten, die die komplette Erneuerung der Bundesstraße bis Ende Juli vorsehen, ist laut Staatlichem Bauamt »die ohnehin eingerichtete einbahnige Verkehrsführung zwingend erforderlich. Eine kurzfristige, provisorische Verkehrsführung des Bundesstraßenverkehrs vom Gmundberg zum Bahnhof durch die jetzige Baustelle ist ausgeschlossen. Der Zustand des Baufeldes im Hinblick auf die Verkehrssicherungspflicht und die Weiterführung der Arbeiten an der Bohrpfahlwand lassen dies nicht zu.«

Die spannende Frage wird nun sein, ob sich die Verzögerungen auf die für Anfang August in der Hauptsaison geplante Zweispurigkeit auswirken werden. »Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir nach wie vor davon aus, dass der Bau der Bohrpfahlwand mit der provisorischen Wiederherstellung der Fahrbahn für eine zweistreifige Verkehrsführung bis Anfang August hergestellt werden kann. Durch diese temporäre Veränderung in der Verkehrsführung kann sich eine gewisse Erleichterung im Verkehrsablauf in der Bahnhofstraße einstellen«, betonte Martin Bambach. Gleichzeitig räumt Bambach ein, dass hinsichtlich des Termins ein »hohes Risiko« bestehe.

Eine Aussage, die Bürgermeister Franz Rasp sicherlich nicht gerne hört. Denn der Rathauschef bekräftigte auf Anfrage: »Der Termin 1. August für die Zweispurigkeit muss stehen, das ist eine klare Forderung.« Rasp räumt zwar ein, dass es mit der Umleitung durch den Markt – auch wegen des zwischenzeitlich erlassenen Halteverbots in der Maximilianstraße – aktuell noch einigermaßen funktioniere. »Aber wenn allmählich mehr Gäste kommen, dann wird es echt zäh.« Vor diesem Hintergrund könne man nicht akzeptieren, dass auf der Baustelle längere Zeit nicht gearbeitet wird. Immerhin zeigten sich die Mitgliedsbetriebe der Aktiven Unternehmen laut Bürgermeister mit den Erklärungen vonseiten des Staatlichen Bauamts zufrieden. »Denn die Notwendigkeit der Maßnahme steht ja außer Frage«, sagt Franz Rasp.

Nach der Hauptreisezeit ab etwa Mitte September ist laut Martin Bambach die Wiederaufnahme der jetzigen Verkehrsführung mit Einbahnregelung vorgesehen, um bis zum Wintereinbruch noch möglichst viel der erforderlichen Bauleistung zu erbringen. Abhängig vom Baustand, würden Restarbeiten im Frühjahr 2023 umgesetzt. Der Baudirektor: »Unser Ziel bleibt es weiterhin, bis Dezember eine uneingeschränkte Verkehrsführung für Fahrzeuge, Fußgänger und Radfahrer auf dem gesamten Streckenabschnitt zwischen der Gmundbrücke und dem Bahnhof herzustellen.«

Ulli Kastner