Grindel, Niersbach und Keller: DFB-Präsidenten in der Kritik

Fritz Keller und Reinhard Grindel
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Fritz Keller (l) im Gespräch mit Reinhard Grindel (r). Foto: Boris Roessler/dpa Foto: dpa
DFB-Führung
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Gerhard Mayer-Vorfelder (l) und Theo Zwanziger zu Beginn des Außerordentlichen DFB-Bundestages 2005. Foto: Arne Dedert/dpa Foto: dpa
Wolfgang Niersbach
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Wolfgang Niersbach, nur kurz DFB-Präsident, von 2012 bis 2015. Foto: Arne Dedert/dpa Foto: dpa

Die Entrüstung über DFB-Präsident Keller nach dessen Nazi-Vergleich ist gewaltig. Der frühere Chef des Bundesligisten SC Freiburg ist nicht der erste Verbandsboss, der schwer in die Kritik geraten ist.


Frankfurt/Main (dpa) - In Fritz Keller steht wegen seines Nazi-Vergleichs erneut ein Präsident des Deutschen Fußball-Bundes in der öffentlichen Kritik.

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Beim DFB hat das mittlerweile Tradition, wie die Beispiele aus den vergangenen Jahren zeigen:

GERHARD MEYER-VORFELDER (2001 - 2006): Der 2015 gestorbene ehemalige CDU-Politiker galt als Patriarch und Funktionär der alten Schule, aber auch als volksnah und souverän. Politische Skandale überstand »MV« so einige. Beim DFB wurde ihm nach der blamablen EM 2004 vorgeworfen, die Suche nach einem Nachfolger von Teamchef Rudi Völler im Alleingang zu betreiben. Am Ende wurde es mit Jürgen Klinsmann ein Vertrauter Mayer-Vorfelders aus Stuttgarter Zeiten. Im Nachhinein wird ihm aber auch hoch angerechnet, dass er die Nachwuchsarbeit im DFB mit auf neue Füße und damit die Weichen für erfolgreiche Zeiten stellte.

THEO ZWANZIGER (2004 - 2012): War zunächst zwei Jahre als Doppelspitze mit Mayer-Vorfelder im Amt, weil sich beide eine Kampfabstimmung ersparen wollten, trat dann aber ins Rampenlicht und engagierte sich besonders im gesellschaftspolitischen Bereich des DFB. Zwanziger sah sich vor allem als Sportpolitiker, sein interner Führungsstil aber galt als wenig empathisch. Der Anwalt aus Altendiez erklärte im Dezember 2011 überraschend, aber amtsmüde seinen Rücktritt. Nach seiner Amtszeit beschäftigen ihn in mehreren Verfahren die Folgen der immer noch nicht vollständig aufgeklärten Vorgänge um die WM 2006.

WOLFGANG NIERSBACH (2012 - 2015): Seine Amtszeit wird für immer mit dem »Sommermärchen«-Skandal um die Heim-WM 2006 verbunden sein. Den langjährigen Franz-Beckenbauer-Freund und früheren Generalsekretär des Verbandes überrollten die Ereignisse, die auch in Steuerverfahren für die damals Verantwortlichen mündeten und den DFB in seine größte Krise stürzte. Am 9. November 2015 trat Niersbach zurück. Die FIFA-Ethikkommission sperrte ihn für ein Jahr, weil er verdächtige Geldflüsse nicht meldete.

REINHARD GRINDEL (2016 bis 2019): Nach der Übergangszeit mit den Interimsbossen Rainer Koch und Reinhard Rauball ergriff der CDU-Bundestagsabgeordnete und DFB-Schatzmeister die Macht. Schwierigkeiten demonstrierte er im Umgang mit dem Fall Mesut Özil. Angekreidet wurden dem gebürtigen Hamburger auch nicht angegebene Zusatzeinnahmen, außerdem verzettelte sich der omnipräsente Spitzenfunktionär auch mit internationalen Posten. Am 2. April 2019 trat er zurück: Immer größere Kritik an seiner Amtsführung und ein Uhren-Geschenk des umstrittenen ukrainischen Funktionärs Grigori Surkis sorgten für sein Aus.

FRITZ KELLER (seit September 2019): Nach turbulenten Jahren beim DFB versprach der Winzer und Gastronom Reformen und eine Klärung der Umstände des »Sommermärchen«-Skandals. Als bisheriger Präsident des unbescholtenen SC Freiburg galt der heute 64-Jährige als Mann der Basis ohne belastende DFB-Vergangenheit. Kritiker werfen dem Patenkind von Fußballlegende Fritz Walter fehlendes Format vor. Die Machtkämpfe und Streitigkeiten innerhalb der DFB-Führung konnte er bisher nicht bewältigen. Als er jetzt seinen Vizepräsidenten Koch bei einer Präsidiumssitzung nach übereinstimmenden Berichten mit Nazi-Richter Roland Freisler verglich, reagierte der Fußball entsetzt. Dem DFB droht deshalb das nächste unrühmliche Ende einer Präsidenten-Amtszeit.

© dpa-infocom, dpa:210427-99-378088/3

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