Greis verkehrt im Kreisverkehr

Foto: pixabay (Montage)

Der Kreis ist ein Symbol für die Ewigkeit, ein Sinnbild für die Vollendung. Schließt sich ein Kreis, dann ist das gut. Gerät man in einen Teufelskreis, ist das böse. Weil man so schlecht wieder herauskommt. Ganz anders ist das bei Kreisverkehren. Die sind nämlich jenseits von Gut und Böse. Auch wenn man bedeutend leichter raus als rein kommt.

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Diese Probleme gibt es in Berchtesgaden genauso wie in Bernau. In Prien wie in Bischofswiesen. Und in Matzing, in Truchtlaching und in Hurtöst bei Palling auch. Warum sind Kreisverkehre so greislig? Ganz einfach: Weil der Autofahrer an sich geradeaus fahren will. Weil, bei allem anderen muss man denken. Und das geht nicht. Beim Autofahren darf man sich schließlich nicht ablenken lassen. Verkehrspsychologen der mobilen Fahrkultät der Hochgeschwindigkeitsschule Fahrweida in Sachsendi-Bloßnedanhalt haben nun herausgefunden, dass man idiotisches Verhalten im Kreisverkehr vier unterschiedlichen Persönlichkeitstypen zuordnen kann.

1. Der Kreisterfahrer: Er ist der Geisterfahrer im Kreisverkehr. Nähert er sich einem Kreisverkehr, hüpft seine linke Gehirnhälfte auf die rechte Seite und umgekehrt. Ein evolutionsbiologisch begründeter Vorgang, der es besonders dummen Urzeitmenschen ermöglichte, Haken zu schlagen und somit Säbelzahntigern zu entkommen. Heutzutage wird diese einst überlebensnotwendige Funktion nicht mehr benötigt. Im Gegenteil: Sie ist lebensgefährlich. Zum Glück gibt es immer mehr Kreisel mit zwei Fahrspuren. Da die innere nie benutzt wird, kann man meist locker ausweichen, wenn einem ein Kreisterfahrer entgegenkommt.

2. Der Greisverkehrer: Der Greisverkehrer ist der leicht senile Gentleman im Kreisverkehr. Mit seiner 30 Jahre alten S-Klasse fährt er in den Kreisel, ohne zu schauen, ob jemand kommt. Nachdem der Vorfahrtberechtigte eine Vollbremsung hingelegt hat, verzögert auch der Greisverkehrer. Lässig zupft er an seinem Hut, rückt die dicke Hornbrille zurecht und winkt den Autofahrer im Kreisverkehr vorbei.

3. Der Kreislhiasl: Wenig erforscht ist bisher das paradoxe Verhalten des Kreislhiasls. Dieser Typ fährt in der Regel einen Audi TT mit gefälschtem, leicht scheps aufgepappten mtm-Logo am Heck. Sein Verhaltensmuster lässt sich wie folgt beschreiben: Der Kreislhiasl brettert wie ein Volldepp in den Kreisverkehr, nimmt einen Schluck Red Bull, latscht mit voller Wucht auf die Bremse, hupt und zeigt dem verdatterten Verkehrsteilnehmer an der nächsten Einfahrt, der ebenfalls eine Vollbremsung hinlegen musste, einen Vogel. Dann gibt er wieder Vollgas.

4. Der Kreislschleicher: Tief im bajuwarischen Hinterland ist der Kreislschleicher in seinem Opel Omega, Baujahr 1997, unterwegs. Zu den heimeligen Klängen der Spastlruther Katzen bewegt er sein Kraftfahrzeug, diplomatisch beide Spuren einnehmend, mit galanter Gelassenheit. Gmiatle kimmt ma a o. Vorausschauendes Fahren ist für ihn verpflichtend. Deshalb blinkt er schon 500 Meter vor dem Kreisverkehr rechts. Und fährt dann doch geradeaus durch. Weil: Mia san oiwei no mia. Und von einem Blinker lässt er sich nicht vorschreiben, wo er abbiegen soll. 

Christian Fischer