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Grandiose Unterhaltung mit dem Musical »Höchste Zeit« im Traunreuter k1

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Zwischen Hochzeitsstress und Bindungsangst: Angelika Mann (von links), Charlotte Heinke, Nini Stadlmann und Theresa Berlage. (Foto: Heel)

Vor knapp einem Dreivierteljahr hatten sie ihren ersten großen Auftritt im k1, die vier schrulligen Damen respektive die Karrierefrau, die Vornehme, die Hausfrau und die Junge vom Ensemble des Theaters im Rathaus Essen. Da begeisterten sie in dem Musical »Heiße Zeiten« ihr Publikum und nahmen, reichlich hormonverwirrt, beim Thema Wechseljahre kein Blatt vor den Mund. Jetzt standen sie in der Nachfolge-Revue »Höchste Zeit!« wieder auf der Bühne des k1 und sorgten für beste Unterhaltung im leider nur mäßig besetzten Saal.


Schauplatz des turbulenten Geschehens war dieses Mal eine Hotelsuite, in der sich die Karrierefrau, wieder großartig gespielt von Charlotte Heinke, auf ihren Hochzeitstag vorbereiten möchte. Eigentlich, denn nach einer durchzechten Nacht kann sie sich weder daran erinnern, mit wem sie im Bett war, noch dass sie heute heiraten soll. Zum Glück tauchen ihre drei Freundinnen auf, die zunächst nur ihre Brautjungfern abgeben sollten, nun aber beherzt daran gehen, alles wieder auf die Reihe zu kriegen. Zumal auch noch der Gatte in spe plötzlich verschwunden ist und ein gewisser Howard Carpendale ins Spiel kommt.

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Doch damit nicht genug: Auch die Freundinnen haben so ihre Sorgen und Probleme, die nun zutage treten. So hadert die von ihrem Mann vernachlässigte Vornehme (Theresa Berlage) mit ihrer Absicht, endlich die Scheidung einzureichen, und die Junge (Nini Stadlmann) fragt sich, wieso ihr Langzeitverlobter ihr nicht längst einen Heiratsantrag gemacht hat. Nur die langjährig vermählte Hausfrau, bravourös gespielt von der Berliner Rocksängerin und Kabarettistin Angelika Mann, gibt sich vergleichsweise locker und rockt stattdessen, was das Zeug hält.

Denn neben viel Situationskomik, tollen Tanz- und Slapstickeinlagen sowie witzigen Dialogen wie »Es gibt doch jetzt auch Viagra für Frauen!« – »Und was soll das machen? Blind?« kommt auch die Musik nicht zu kurz. Begleitet von einer vierköpfigen, famos aufspielenden Band erweisen sich die vier Damen auch als stimmgewaltige Sängerinnen, die mit witzig umgetexteten Popsongs wie »Für immer und ewig« (»For Once In My Life«), »Ich will noch mehr« (»Johnny B. Goode«) oder »Die Regeln machen wir« (»One Moment In Time«) für Furore beim überwiegend weiblichen Publikum sorgen.

Kurzum: ein urkomischer Abend über vier Frauen im Hochzeitsrausch, der bestimmt auch vielen Männern Spaß gemacht hätte. Wolfgang Schweiger