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Gräben zwischen Fans und Clubs wird größer

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Kevin Pezzoni
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Kevin Pezzoni hatte am Freitag seinen Vertrag mit dem 1. FC Köln aufgelöst. Foto: Rolf Vennenbernd Foto: dpa

Frankfurt/Main (dpa) - Zwischen den Fußball-Vereinen und Teilen ihrer Anhänger tut sich ein immer größer werdender Graben auf. Das wurde am Wochenende an den Fällen Pezzoni und Pogatetz deutlich - und wird nun sehr kontrovers diskutiert.


Kölns Geschäftsführer Claus Horstmann forderte in einem dpa-Gespräch, «mit allen Möglichkeiten, die wir haben», gegen Problemfans vorzugehen. Der Dachverband der Fanprojekte riet den Clubs dagegen, den Dialog mit ihren Anhängern zu suchen. «Wir glauben, dass es besser ist, mit den Fans zu sprechen, als über sie zu sprechen», sagte der Leiter der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS), Michael Gabriel.

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Diese Aussage richtete sich vor allem gegen Martin Kind, den Club-Chef von Hannover 96. Der war am Vortag besonders deutlich geworden, nachdem Hunderte von 96-Fans den von Hannover zum VfL gewechselten Emanuel Pogatetz beschimpft hatten («Pogatetz - du Sohn einer Hure.»). «Ein Teil unserer Fans sind Arschlöcher», meinte Kind. «Die sollen zu Hause bleiben.» Für noch größeres Aufsehen hatte der Fall Kevin Pezzoni gesorgt: Der ehemalige Verteidiger des 1. FC Köln war von Fans wiederholt massiv bedroht worden. Am vergangenen Freitag löste der Verein den Vertrag auf Wunsch des Spielers auf.

FC-Geschäftsführer Horstmann wehrte sich gegen den Vorwurf, durch diesen Schritt vor den immer drastischeren Auswüchsen des Fanverhaltens kapituliert und ein völlig falsches Signal im Umgang damit gegeben zu haben. «Das war eine Entscheidung im Einzelfall für den Spieler, keine Standardlösung», sagte er. Pezzoni könne nun «ab sofort eine neue Zukunft gestalten, auch fußballerisch. Das andere», meinte Horstmann, «ist die Situation, diese Themen aufzuarbeiten und konsequent gegen Straftäter vorzugehen. Sie zu identifizieren. Und Selbstreinigungsprozesse beschleunigen zu können.»

Als oberstes Ziel bezeichnete es der FC-Funktionär, bei Hooligans «konsequent zu sein» und «die identifizierten Täter bestrafen zu können». Das ginge zum Beispiel über Stadionverbote, Schadensersatz oder «Regressnahme für Strafen, die wir zahlen müssen. Wir werden auch die Technik im Stadion aufwerten, andere Kameras einsetzen, um noch schneller sein und reagieren zu können. Und wir werden weiter Aufklärungsarbeit betreiben», kündigte Horstmann an.

Auch der Leiter der Fanprojekt-Koordinationsstelle räumte ein, dass «der Respekt von Teilen der Zuschauerschaft gegenüber den Spielern geringer geworden ist. Die Schwelle von Äußerungen bis hin zu körperlicher Gewalt hat sich leider negativ verschoben», sagte Gabriel. Zu beobachten war das an den ersten Bundesliga-Spieltagen auch in den Momenten, in denen die Mannschaftskapitäne ihre Fans via Stadionmikrofon zu fairem Verhalten aufriefen und dafür ausgebuht wurden. Oder als 96-Ultras während des Spiels gegen Schalke 04 eine Fahne mit dem Konterfei des Massenmörders Fritz Haarmann schwenkten, der in den 1920er-Jahren in Hannover 24 Menschen getötet hatte.

Auf lediglich 200 bis 250 Fans schätzt Kind die Anzahl jener, die in Hannover immer wieder Probleme bereiten. «Wir nennen sie nicht mehr länger Fans», sagte der 96-Chef nach dem Spiel in Wolfsburg.

Die KOS ist dagegen der Meinung, dass diese Probleme nur zu lösen sind, wenn die Vereine einen intensiveren Kontakt zu ihren Anhängern pflegen. Statt ein härteres Vorgehen zu fordern, sei es «hundertmal wertvoller, wenn direkte Gespräche stattfinden. Das ist die große Chance. Das ist das, worauf es ankommt», meinte Gabriel. «Je mehr sich ein Verein mit seiner Fanszene auseinandersetzt, umso größer ist dort auch das Verständnis für den Verein.» Er glaube, «dass sich Vereine vielerorts scheuen, in Konfliktgespräche zu gehen».