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»Goldene Zeiten« im Domquartier

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Frans van Mieris versteckte symbolische Andeutungen in seinem Werk »Eine Händlerin«, das gerade in der Residenzgalerie Salzburg zu sehen ist. (Foto: Janoschka)

70 Meisterwerke aus der Gemäldegalerie der Akademie der bildenden Künste Wien und der Residenzgalerie Salzburg sind noch bis zum 12. Januar in der Residenzgalerie im Domquartier Salzburg zu sehen. Benannt ist die Ausstellung »Goldene Zeiten«, da im Holland des 17. Jahrhunderts durch eine gesellschaftspolitische Konstellation und wirtschaftlichen Aufschwung eine einzigartige Kunst- und Kulturlandschaft entstand, in der sich die Malerei zu voller Blüte entwickelte.


Die Gemälde sind nach verschiedenen Themen in einzelnen Räumen angeordnet und zum besseren Verständnis mit aufschlussreichen Erklärungen versehen. Die Themen sind nur noch zu einem kleinen Teil religiös, deren Unterhaltungsfunktion wurde durch die Säkularisierung dagegen immer wichtiger.

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Den Anfang der Ausstellung macht die Historienmalerei mit Darstellungen von geschichtlichen Ereignissen, sowie von biblischen und mythologischen Erzählungen und Allegorien. Die bürgerliche Oberschicht, nicht mehr der Adel oder die Kirche, war damals Auftraggeber für die Kunst. Und so entstand die holländische Porträtmalerei als möglichst genaues Abbild einer Person, meist in zeitgenössischer Mode. Die Menschen werden konversierend, flirtend, musizierend oder tanzend gezeigt. Beliebt waren auch Familien- oder Gruppenporträts, aber auch Bilder, die keine bestimmte Person, sondern einen Menschentypus darstellten, wie »Betende alte Frau« von Rembrandt (1606 bis 1669).

Ein weiterer Bereich ist die Landschaftsmalerei, sowohl diejenige der niederländischen Heimat, als auch der südlichen Landschaft Italiens, die manchmal mit der Darstellung der römischen Bevölkerung verbunden ist.

Meerbilder nehmen einen breiten Raum ein, ebenso wie Genrebilder, die Szenen aus dem Alltag darstellen. Diese erzählen von Rechtschaffenheit genauso wie von hemmungslosem Verhalten. Vieles bedeutet mehr, als es auf den ersten Blick scheint. Das Belehren durch Bilder ist – neben der Unterhaltung – eine Konstante der holländischen Malerei des 17. Jahrhunderts. Ihre Funktion ist es, Maßstäbe für das Rechte und Unrechte, das Sittliche und Unsittliche, das Vernünftige und Törichte zu thematisieren. Für die Menschen dieser Zeit gehörte die schöpferische Enträtselung, das spitzfindige Entschlüsseln von Anspielungen zur lustvollen Betrachtung eines Bildes. Oft wurde eine realistische Alltagssituation mit symbolischen Elementen verbunden, wie etwa bei »Eine Händlerin« von Frans van Mieris (1635 bis 1681). Hier bedeutet der Vogel im Käfig Keuschheit, der aus dem Käfig befreite Vogel das Gegenteil. Zu dieser Gattung gehört auch das Bauerngenre voller Klischees, wobei sich der gebildete Städter an der Vorstellung vom ungebildeten Bauern erfreute.

Die Sehnsucht nach Abenteuer zeigte sich in Soldatenbildern und Reiterkämpfen, während die Prunkstillleben ein Fest für die Augen waren. Auch hier haben die dargestellten Gegenstände Symbolgehalt und beziehen sich auf andere Kontexte als den im Gemälde dargestellten, wie etwa bei Jan Davidszoon de Heem (1606 bis 1684), wo der Vanitas-Gedanke mit seinem »memento mori« deutlich zum Ausdruck kommt. Die Architektur mit ihren Profan- und Sakralbauten, Stadtansichten oder Kircheninterieurs wurde manchmal mit Gruppenporträts verbunden, wie bei der musizierenden Gesellschaft in einem Renaissance-Palast von Hans Vredeman de Vries (1527 bis um 1606).

Diese einzelnen Themen werden unter dem Titel »Gustostückerl goldene Zeiten« jeweils montags um 16 Uhr in Kunstgesprächen mit Ausstellungskuratorin Dr. Erika Oehring und Dr. Thomas Habersatter vorgestellt. Am Montag, 18. November geht es dabei um holländische Landschaftsmalerei und am Montag, 25. November, um Architektur. Weitere Informationen zu den folgenden Montagsgesprächen und Führungen durch die Ausstellung gibt es im Internet unter www.domquartier.at.

Brigitte Janoschka