Globaler Klimastreik am Freitag: Fridays for Future Berchtesgaden plant Kundgebung am Schlossplatz

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Seit 2019 engagiert sich Rasmus Noeske in der Fridays for Future-Bewegung in Berchtesgaden. Morgen streikt die Ortsgruppe um 14 Uhr auf dem Schlossplatz für eine neue Klimapolitik. (Foto: Eva Goldschald)

Berchtesgaden – Fridays for Future kämpfen für das Klima. Ein Gespräch mit dem Berchtesgadener Aktivisten Rasmus Noeske über die Bundestagswahl, Zukunftsängste und den geplanten Streik am Schlossplatz am morgigen Freitag, 24. September.  


Die Klimakrise ist in vollem Gange und nicht zuletzt konnten die Berchtesgadener vor zwei Monaten am eigenen Leib spüren, welche Kraft die Natur hat. Wie haben Sie den Moment erlebt?

Rasmus Noeske: Gerade im ersten Moment war es total erschreckend. Im Endeffekt wurde ja Monate und Jahre im Voraus von der Wissenschaft vor solchen Ereignissen gewarnt. Dass es dann bei uns in so einer Deutlichkeit eintritt, hat uns noch mehr wachgerüttelt. Was ich und die gesamte Fridays for Future-Bewegung dann nicht verstanden haben, waren die politischen Antworten darauf. Da stellt sich der Kanzlerkandidat Armin Laschet hin und sagt, dass wir wegen so einem Tag nicht die Politik ändern können. Tatsächlich hätte man die Politik aber schon längst ändern müssen. Wenn solche Katastrophen so jemanden nicht zum Umdenken bewegen, was dann? Solche politischen Antworten sind wirklich ein Mittelfinger in Richtung der jüngeren Generation und auch gegen ältere Menschen. Die ja wegen eines schwächeren Herz-Kreislauf-Systems mit am meisten am Klimawandel, zum Beispiel durch extreme Hitze, leiden.

Was ärgert Sie konkret an der Politik?

Noeske: Man sieht einerseits weinende Menschen, die alles verloren haben und fragt im gleichen Moment, was Klimaschutz kosten darf. Man sollte eher die betroffenen Menschen fragen, was Klimakrise jetzt schon kostet. Das sind nämlich nicht nur die wirtschaftlichen Schäden danach. Allein für Deutschland hat das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung berechnet, dass die Klimakrise bis Ende des Jahrhunderts Schäden in Höhe von 3 Billionen Euro verursachen könnte. Jedes Jahr sterben tausende Menschen in Deutschland an der Hitze, vor allem Ältere. Gerade die Gruppen, die man vor Corona schützen will, sind wieder betroffen. Vor ein paar Tagen erschien der UN-Klimabericht. Der besagt, dass wir bis Ende des Jahrhunderts bei einer Erwärmung von 2,7 Grad sein werden. Schon in acht Jahren könnten wir die 1,5-Grad-Grenze überschritten haben, wenn wir die derzeitigen Klimaziele einhalten. Was wir ja nicht tun.

Welche Folgen wird das haben?

Noeske: Ich stelle mir vor, dass Leute, die heute geboren werden etwa 80 Jahre alt werden. Für die wäre es schon schön, ein Leben in Würde und Freiheit zu haben. Wenn wir so weitermachen wie bisher, wird es Hunderte Millionen Klimaflüchtlinge geben. 2015 waren es rund eine Million Menschen, die zu uns flüchteten. Das was kommen wird, wird eine noch viel größere Herausforderung sein. Es wollen ja immer alle ihre Freiheit bewahren und keine Regelungen für den Klimaschutz in Kauf nehmen müssen. Wenn ich aber Ende des Jahrhunderts nicht mehr rausgehen kann, weil es zu heiß ist, nicht mehr genug Wasser habe oder viele Lebensmittel einfach nicht mehr wachsen, dann ist das alles andere als Freiheit.

Stichwort Freiheit. Viele haben Angst, dass sich durch eine radikale Klimapolitik ihre Freiheit zu sehr einschränkt. Was sagen Sie dazu?

Noeske: Also wenn ich diese Argumente vergleiche, zum Beispiel dass ich weniger Auto und mehr Rad fahre und das meine Freiheit einschränkt, dann sage ich, mich wird es einschränken, wenn ich nicht mehr rausgehen kann, weil es draußen einfach zu heißt ist oder mein Kreislauf dann kollabiert im Alter. Das sind für mich die größeren Bedrohungen. Auch beim Kohleausstieg 2038, wo Wissenschaftlerinnen sagen, das ist mit dem Ziel 1,5 Grad nicht verhandelbar, wird gezögert. Wenn Politiker wie Olaf Scholz oder Armin Laschet im gleichen Satz sagen, sie stehen hinter 1,5 Grad, aber Kohleausstieg machen wir erst 2038, ist das eine Lüge in einem Satz. Man muss sich für eines entscheiden.

Eva Goldschald

Das vollständige Interview lesen Sie in der heutigen Donnerstagsausgabe (23. September) des Berchtesgadener Anzeigers.