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Gladbach stürmt in seltsamer Stille zum Derbysieg

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Derbysieger
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Breel Embolo (M) legte mit seinem Tor zum 1:0 den Grundstein zum Gladbacher Sieg im Geisterderby gegen Köln. Foto: Roland Weihrauch/dpa Foto: dpa
Plakat
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Einzig ein Plakat hinter dem dem Tor von Gladbach-Keeper Yann Sommer schafft ein wenig Derbyatmosphäre. Foto: Fabian Strauch/dpa Foto: dpa
Gladbach-Fans
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Zahlreiche Gladbach-Fans unterstützten ihr Team vor den Stadioneingängen. Foto: Jonas Güttler/dpa Foto: dpa
Geisterderby
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Vor verschlossenen Toren: Zwei als Geist verkleidete Gladbach-Fans vor dem Stadion. Foto: Jonas Güttler/dpa Foto: dpa

Borussia Mönchengladbach hat im ersten Geisterspiel der Bundesliga den 50. Derbysieg gegen den 1. FC Köln eingefahren. Mit dem 2:1 kehren die Gladbacher auf einen Champions-League-Platz zurück. Selbst der erfahrene FIFA-Schiedsrichter fand die Stimmung »beängstigend«.


Mönchengladbach (dpa) - Dem Sieg in gespenstischer Atmosphäre folgten kuriose Szenen: Nach dem 50. Derbysieg gegen den 1. FC Köln kletterten die Profis von Borussia Mönchengladbach im leeren Stadion die Steinstufen der Nordkurve empor und bedankten sich bei den wartenden Fans vor der Arena.

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»Das war ein schöner Moment, alles andere als selbstverständlich«, sagte Gladbachs Christoph Kramer nach dem 2:1 (1:0) am Mittwochabend bei Sky. Trainer Marco Rose sprach von einem »emotionalen« Augenblick, konstatierte aber auch: »Wir freuen uns über den Sieg, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass es ohne Fans nicht der Fußball ist, den wir uns wünschen.« Schiedsrichter Deniz Aytekin konnte die Atmosphäre »schwer in Worte fassen«. Ein Spiel ohne Fans sei »wirklich etwas ganz Anderes, beängstigend«, sagte der erfahrene FIFA-Referee aus Oberasbach.

Im wegen des Coronavirus ersten Bundesligaspiel überhaupt ohne Zuschauer sorgten Breel Embolo (32. Minute) mit seinem siebten Saisontreffer und ein Eigentor von Kölns Jorge Meré (70.) für den verdienten Sieg des Teams von Trainer Marco Rose im Nachholspiel des 21. Spieltages unter völlig ungewohnten Umständen. »Es war das erwartet skurrile Spiel«, sagte Kölns Manager Horst Heldt. Durch den Sieg gegen den Erzrivalen kehrte Borussia auf einen Champions-League-Platz zurück.

Der Anschlusstreffer durch Mark Uth (81.) kam für die Kölner zu spät. In der Nachspielzeit hatte Uth noch die Chance auf den Ausgleich, doch der zuvor patzende Yann Sommer parierte (90.+3). »Wir haben hier mit einem sehr starken Gegner oft auf Augenhöhe gespielt und hätten unter dem Strich durchaus einen Punkt verdient gehabt«, sagte Kölns Trainer Markus Gisdol.

Nach 25 Spieltagen liegen die Borussen mit nun 49 Punkten sechs Zähler hinter Spitzenreiter Bayern München. Die zuletzt formstarken Kölner, die acht der zehn Bundesligaspiele vor dem Derby gewonnen hatten, bleiben mit 32 Punkten im gesicherten Mittelfeld.

Stille statt Anfeuerungen beim Aufwärmen, Einlaufmusik vom Band statt Fangesänge, hallende Rufe der Spieler statt emotionaler Derbystimmung - es war für die wenigen Beteiligten eine eigenartige Erfahrung. Das 90. Bundesliga-Derby der beiden rheinischen Traditionsclubs erhielt keinen würdigen Rahmen. Wegen der Ausweitung des Coronavirus war das Prestigeduell das erste Spiel der Fußball-Bundesliga überhaupt, das unter Ausschluss der Zuschauer stattfand.

Wegen der Rivalität beider Clubs war mit Sorge befürchtet worden, dass etliche Fans dennoch zum Stadion anreisen könnten. Vor dem Spiel blieb aber alles rund um die Arena ruhig. Das Spiel entwickelte sich mit nur geringer Intensität und ohne große Höhepunkte. Die Gladbacher Führung fiel ein wenig aus dem Nichts, war aber schön herausgespielt. Nach einer Hereingabe des für Rami Bensebaini ins Team gekommenen Oscar Wendt schlenzte Embolo ins lange Eck, der Ball wurde dabei unhaltbar für Timo Horn von Ellyes Skhiri abgefälscht.

Auch der Schweizer, der bei seinen Einsätzen zuletzt unglücklich agiert hatte, stand diesmal überraschend in der Startelf. Embolos erstes Tor seit dem 1:2 im Dezember in Wolfsburg fand diesmal außer bei den Mitspielern keine Resonanz. Der Jubel blieb diesmal abgesehen von Spielern, Trainern und Funktionären der Borussia aus.

Vier Tage zuvor hatten noch knapp 55.000 Zuschauer das 1:2 im Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund im Borussia-Park gesehen. Nach dem Erlass von Nordrhein-Westfalens Landesregierung, Veranstaltungen ab einer Größe von 1000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bis auf Weiteres abzusagen, blieb für die Kommunen jedoch kein Ermessensspielraum mehr. Der Borussia entgehen dadurch nach eigener Aussage pro Spiel rund zwei Millionen Euro.

Dies wäre am 9. Februar noch anders gewesen, als das Spiel eigentlich hätte stattfinden sollen. Damals wurde die Partie wegen des Orkantiefs »Sabine« abgesagt. Einen Monat später fand die Partie nun unter völlig anderen Voraussetzungen statt. Doch vom Selbstbewusstsein der Kölner war wenig zu spüren. Zudem konnte der FC spielerisch nicht mithalten und geriet im zweiten Durchgang noch mehr unter Druck. FC-Keeper Horn hielt einige Male stark.

Dies hielt die Gäste im Spiel, sie blieben aber zumeist ungefährlich. Embolo mit seiner scharfen Hereingabe und Merés Eigentor sorgten schließlich für die Entscheidung, an der auch Uths Treffer nach einem Fehler von Gladbach-Torwart Sommer nichts änderte.

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