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Gibt es in einem satten Markt noch Steigerungen?

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Schönau: Experten der Zukunft des Filmtourismus im Berchtesgadener Land auf der Spur | Königssee
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Von links: Moderator Marc Oliver Dreher, Anja Metzger vom FilmFernsehFonds Bayern, Dr. Brigitte Schlögl von der BGLT, Johannes Hofmann, Kreisvorsitzender Dehoga, Produktionsleiter Oliver Schündler von der Lucky Bird Picture GmbH und Irene Edenhofer-Welzel, Szenenbildnerin und Location-Scout. (Foto: Gerd Spranger)

Schönau am Königssee – Der Erfolg durch die beiden TV-Serien »Lena Lorenz« und »Watzmann ermittelt« ist bereits jetzt schon im Berchtesgadener Land zu spüren. Festlegen aber will sich die Geschäftsführerin der BGLT-Tourismus GmbH, Dr. Brigitte Schlögl, nicht und keine Zahlen oder Prognose geben, wie hoch der Anteil der Serienfans im Landkreis ist.


Schon 2018 bei der Auszeichnung zum Drehort des Jahres heißt es, dass sich die Region mit einem guten Webauftritt, dem Scouten von Motiven und der Buchung von Hotels professionalisiert und die BGLT die Qualität einer Serviceagentur angenommen habe. Wie will man das noch steigern und wie geht es weiter im Berchtesgadener Land?

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Zum Thementag »Film und Tourismus« in der Jennerbahn-Talstation begab man sich auf Spurensuche. Marc Oliver Dreher, Produktionsleiter der Ziegler-Film GmbH, übernahm die Moderation und war im Gespräch mit Dr. Brigitte Schlögl, Anja Metzger vom FilmFernsehFonds Bayern, Oliver Schündler, Geschäftsführer der Lucky Bird Picture GmbH, Irene Edenhofer-Welzel, Szenenbildnerin und Location-Scout sowie Johannes Hofmann, Kreisvorsitzender des Hotel- und Gaststättenverbandes.

Einheimische von Arbeit der Filmteams begeistern

Dreher bezeichnete das Berchtesgadener Land als einen gesättigten Markt mit guten Zahlen und Geschäften. »Was ist aber in zehn Jahren?«, fragte er in die Runde. Johannes Hofmann sagte dazu, er glaube nur an einen langfristigen Erfolg, wenn es gelinge, die Leute in der Region mitzunehmen, sie für die Arbeit der Filmteams zu begeistern. Das gelinge schon sehr gut, so Irene Edenhofer-Welzel, wenn auch nicht immer beim ersten Anlauf.

»An neuen Drehorten, zum Beispiel bei einem alten Bauernhof in idyllischer Lage, sehen der Regisseur und sein Team das Set oft mit anderen Augen«, erklärt Dreher. »Sie legen ihren Fokus etwa auf vermeintliche Nebensächlichkeiten wie einen alten Brunnen oder einen schiefen Stadel.« Die Bedingungen beim Drehen erforderten oft spontanes und flexibles Handeln. So benötige eine Film-Szene in ländlicher Umgebung beispielsweise mehr Tiere auf dem Hof, um die Umgebung glaubwürdig und eindrucksvoll darzustellen. Gute Nachbarschaftshilfe und Netzwerke in der Region ermöglichten das. »Es braucht dafür eine gewisse Sensibilität und gute Abstimmung«, so der Produzent.

Beschwerde über »anhaltende Morde«

»Ressentiments darf man nicht überbewerten«, sagte Dr. Brigitte Schlögl. »Natürlich rufen auch Leute bei der BGLT an und verurteilen etwa die anhaltenden Morde in der Serie »Watzmann ermittelt«. Doch das kenne ich bereits aus meiner Zeit in Kitzbühel als Tourismuschefin. Auch hier gab es Gegner der TV-Serie SOKO Kitzbühel. Die Aufregung aber legte sich schnell wieder.«

Für Oliver Schündler war der Serientitel »Watzmann ermittelt« eher ein Zufall ohne der Absicht, der Region Gutes tun zu wollen. Zwei von drei Produktionsleitern lehnten bei den ersten Gesprächen Berchtesgaden sogar ab. Es sei viel zu schwierig, hier zu produzieren. »Wir haben sie inzwischen eines Besseren belehrt«, erzählt er vom Start der Krimiserie.

Anja Metzger setzt auf die Eigendynamik. »In den letzten Jahren wurde in der Region viel geleistet. Für die Filmschaffenden war ein direkter Ansprechpartner wie Karin Mergner viele Jahre lang enorm wichtig. Heute wird hoch professionell gearbeitet, und das spricht sich in der Branche rum.«

»Ja, das war ein mutiger Schritt der BGLT, für den Bereich TV und Film eine eigene Mitarbeiterin einzustellen, und es muss weitergehen«, bekräftigt Schlögl, »etwa mit gezielten Touren für Autoren.«

Oliver Schündler plädiert für mehr Offenheit für die Dreharbeiten. »Es wäre schön, hilfreich und im Interesse der Zuschauer, wenn man auch an verschlossenen Orten eine Drehgenehmigung erhalten würde. Das setzt den Spannungsbogen nach oben.«

Anja Metzger griff den Gedanken auf und fügte hinzu: »Es interessieren nicht nur die »Schmuckstücke« der Region, die ja gemeinhin bekannt sind. Es braucht auch die markanten und vielleicht weniger schönen Ecken. Die verleihen einem Drehort Charakter und sind für die Filmschaffenden wichtig. Dazu braucht es auch eine gute Datenbasis, denn Entscheidungen für ein Projekt und eine Region fallen häufig innerhalb von 24 Stunden.«

Brigitte Schlögl setzt auf die Zeit, die für die Region arbeitet. »Das Bewusstsein über die Schönheit und Ursprünglichkeit unserer Heimat wächst mit jeder Serie, in der die Region ausgesucht und optimal ins Bild gesetzt wird. Und jedes Mal weiß der Zuschauer aus dem Berchtesgadener Land, das ist bei uns, das ist unsere Heimat. Damit wächst auch ein positiver Stolz, ein gesundes Selbstverständnis und verstärkt die Wertschätzung gegenüber den Filmschaffenden.«

Für Johannes Hofmann kann die Entwicklung im Berchtesgadener Land nur hin zu mehr Qualität gehen. »Wir haben da schon einen guten Anfang gemacht. Der Massentourismus hat seine Grenzen und die sind mancherorts bereits erreicht.«

»Ländchen mit Charme und Zauber«

»Betrachtet man es von München aus, so muss das Ländchen am Watzmann ja auch einen Charme und Zauber haben. Denn anders ist der starke Zuspruch für die Region nicht zu erklären. Natürlich ist die Landschaft mit den hohen Bergen dabei immer ein heimlicher Hauptdarsteller«, urteilt Anja Metzger.

Moderator Marc Oliver Dreher vermisst noch eine stärkere Präsenz von Drehplätzen in der Region. Die Vermarktung muss besser, markante Drehplätze »sichtbar« gemacht werden, etwa mit kleinen Hinweistafeln. Es spreche auch nichts gegen einen digitalen oder gedruckten Guide zu den schönsten Sets der Serien. Letztlich konnte auch die Expertenrunde aus Hotellerie, Tourismus, Film und Politik die Frage nach der künftigen touristischen Entwicklung des Berchtesgadener Landes nicht beantworten.

Sicher ist der große Erfolg der TV-Serien »Lena Lorenz« und »Watzmann ermittelt« mit drei bis fünf Millionen Zuschauern je Sendung. Das allein schon ist für die Region ein bleibender und großer Gewinn.

Gerd Spranger