Fahrraddiebstahl
Bildtext einblenden
Symbolbild

Gestohlenes Radl demoliert: 18-Jähriger bekommt Freizeitarrest

Freilassing – Es war sehr früh am Morgen, als die Bahnhofspolizei drei Burschen entdeckte, von denen einer auf ein am Boden liegendes Fahrrad sprang. Wie sich herausstellte, hatte der 18-Jährige das Rad zuvor aus einer offenen Garage der Eisenbahnerstadt mitgenommen. Jetzt stand der Lehrling in Laufen erneut vor dem Amtsgericht, denn das war bereits sein viertes Vergehen. Den Schaden am Rad bezifferte die Polizei mit 50 Euro.


Man sei von einer Salzburger »Hausparty« gekommen, gestand der Angeklagte, dort habe er wohl »acht bis zehn Bier und vielleicht zwei Stamperl« getrunken. In einer offenen Garage habe er dann das Rad entdeckt und zum Bahnhof mitgenommen. »Alkoholgeschwängert haben sie dann gedacht, wir springen mal drauf rum«, sagte Rechtsanwalt Professor Dr. Florian Eder.

Zusammen mit seinem Vater habe sein Mandant am nächsten Tag versucht, die Garage wiederzufinden. Im Wohnhaus nebenan will der 18-Jährige dann eine Nachricht eingeworfen haben. »Inzwischen ist ein förmliches Entschuldigungsschreiben an die Besitzerin gegangen«, erklärte der Verteidiger daraufhin. Der Frau habe man zudem 200 Euro Entschädigung angeboten.

2018 stand der junge Mann wegen Hausfriedensbruch und Beleidigung vor Gericht, 2019 wegen Körperverletzung. Im Juli 2021 versuchte er Drogen zu kaufen. Das Urteil dafür brachte der Bergwacht Chiemgau 1 000 Euro und dem Angeklagten etliche Auflagen, darunter eine Drogenabstinenz und eine ambulante Drogentherapie. »Es läuft nicht gut«, meinte Josef Haiker mit Blick auf diese Auflagen. Der Angeklagte begründete es damit, dass er die Geschichte vor seinem Chef geheim halten will, weil der das nicht verstehen würde.

Mit 16 Jahren hatte er angefangen zu kiffen, war rasch auf Ecstacy, Speed und Rauchheroin umgestiegen. »Jetzt aber ist Alkohol das große Thema«, berichtete die Vertreterin der Jugendgerichtshilfe, die den Lehrling als pünktlich und zuverlässig beschrieb. »An Einsicht mangelt es ihm nicht«, doch diese Tat nun sei »nicht nachvollziehbar.« Rechtsreferendar Kevin Schwanfelder erlebte den Angeklagten zwar reuig, er hänge aber doch den Auflagen hinterher. Der Vertreter der Staatsanwaltschaft beantragte zwei Wochen Dauerarrest und eine 18-monatige Abstinenzauflage.

Als dumme Spontantat im Überschwang beschrieb es der Verteidiger, der keinen Dauerarrest angezeigt sah. »Eine Abstinenzweisung ja, aber wir wollen doch die Kirche im Dorf zu lassen.« Es gebe das Angebot einer Wiedergutmachung, sein Mandant habe eine feste Arbeit und Rückhalt in der Familie. Eine Gruppentherapie könne ihm weiterhelfen.

»Es ist nicht der erste Blödsinn, es ist der vierte«, sagte Richter Josef Haiker, »irgendwann wird es eng.« Mit der Feststellung von »schädlichen Neigungen« stünde der Angeklagte »mit einem Fuß in der JVA.« Ein Wochenendarrest solle dem Lehrling deshalb vor Augen führen, »wohin der Weg führen kann«. Er hat 200 Euro an die Geschädigte zu zahlen und ein Jahr lang auf Alkohol zu verzichten. Haiker warnte: »Die Polizei weiß Bescheid und die kennen sie.«

Hannes Höfer