weather-image
22°

Gespräche über Sinn oder Unsinn des Kriegs

0.0
0.0
Bildtext einblenden
Johannes Wiedecke (von rechts) sang bei der Premiere ein Couplet, Toni Stadelmann und Andreas Schmitz lasen, Musiker der Musikschule untermalten die Aufführung. (Foto: Mix)

Die diesjährige Frühjahrsproduktion des Theaterchens »O« ist keine leichte Kost, bietet aber anregende und durchaus auch witzige Unterhaltung. »Die letzten Tage der Menschheit« von Karl Kraus befassen sich mit den Jahren des Ersten Weltkriegs von 1914 bis 1919 und zeigen unterschiedliche Sichtweisen auf das damalige Geschehen auf.


Es handelt sich dabei nicht um ein Theaterstück im üblichen Sinn, da es keinen fortlaufenden Handlungsstrang gibt. Vielmehr lernt der Zuschauer anhand von unzusammenhängenden Szenen, Gesprächen und vorgelesenen Texten verschiedene Sichtweisen auf die Zeit des Kriegs kennen. Der österreichische Schriftsteller Karl Kraus (1874 bis 1936) hat in 220 losen Sequenzen dessen Irrsinn, die Unmenschlichkeit, aber auch den Fanatismus der Menschen dargestellt.

Anzeige

Man könnte mit dem gesamten Material locker zehn Theaterabende füllen, lediglich ein Teil davon kommt in Traunreut auf die Bühne. Kraus soll selber zu seinem Stück gesagt haben: »Die unwahrscheinlichsten Taten, die hier gemeldet werden, sind wirklich geschehen. Die unwahrscheinlichsten Gespräche, die hier geführt wurden, sind wörtlich gesprochen worden.« Er stellt in seinem Stück die Menschen in den Vordergrund und ihre Meinung zum Geschehen, zeigt ihre Oberflächlichkeit auf, bringt viele Phrasen und vorgefertigte Meinungen. Dabei kommen allerdings weniger die tatsächlich Betroffenen zu Wort, nämlich die einfachen Soldaten, denen die Worte fehlen. Er lässt dafür Journalisten sprechen, Kriegsgewinnler, hohe Militärs und die Leute auf der Straße, die weitab vom Kampfgeschehen sind.

Andreas Schmitz hat für das Theaterchen »O« verschiedene Sequenzen aus der Fülle an Material herausgesucht. Diese werden als Dialog zwischen dem Nörgler, brillant gespielt von ihm selber, und dem Optimisten, hervorragend dargestellt von Toni Stadelmann, im Wiener Kaffeehaus gespielt. Daneben gibt es zahlreiche Textpassagen und weitere Gespräche, die vorgelesen werden.

In der Figur des Nörglers kommt Autor Karl Kraus selber zu Wort. Er sieht sehr wohl die Gefahren, die der Krieg mit sich bringt, die Unmenschlichkeit und dass im Endeffekt keiner als Sieger daraus hervorgehen kann. »Der Krieg nimmt einem den guten Glauben wenn nicht sogar das Leben«, ist er überzeugt. Der Optimist dagegen ist zu Beginn voller Begeisterung, glaubt alles, was die Propaganda sagt, und ist der Meinung, es sei eine große Ehre, »im Dienste für das Vaterland den Heldentod sterben zu dürfen«.

Neben den beiden steht Brigitte Solder als »die Schalek« auf der Bühne. Sie ist Kriegsberichterstatterin und am liebsten ganz vorne an der Front mit dabei, um authentisch berichten zu können. Angesichts der Todesgefahr ist sie begeistert: »Ja, da erlebt man doch was!« Thomas Breu als Kellner im Kaffeehaus, der den anspruchsvollen Gästen leider klarmachen muss, dass es aufgrund des Kriegs keine Fleischspeisen gibt, komplettiert das Quartett auf der Bühne. Über 20 weitere Darsteller werden bei den folgenden Aufführungen abwechselnd für zusätzliche Szenen und Berichte sorgen. Bei der Premiere hatte Johannes Wiedecke einen Auftritt. Der ausgebildete Opernsänger sang ein unterhaltsames Couplet in Wiener Dialekt, in dem es um seine Sicht der Dinge ging.

Die Gräuel des Kriegs werden in den einzelnen Sequenzen nur am Rande thematisiert. Vielmehr geht es um Gespräche unter Soldaten, zwischen Kaiser und Bediensteten, normalen Bürgern, unter Presseleuten, Generälen und vielen anderen mehr. Dabei kommt trotz aller Tragik auch die Komik nicht zu kurz, wenn sich beispielsweise ein deutscher und ein österreichischer Soldat über den Begriff des Oberbombenwerfers unterhalten. Während der Preuße den Chef der Bombenwerfer meint, versteht der Österreicher unter dem Begriff jemanden, der Bomben »oba« wirft.

Musikalisch umrahmt mit Wiener Kaffeehausliedern und anderen passenden Melodien wird das Stück vom Weltmusik-Ensemble der Sing- und Musikschule Traunwalchen unter Leitung von Sigrid Gerlach, das bei den einzelnen Aufführungen auch in wechselnder Besetzung antreten wird. Für die Auswahl der Szenen und deren Zusammenstellung zeichnet Andreas Schmitz verantwortlich, Produktionsleiter der Spielsaison ist Toni Stadelmann.

Die nächsten Aufführungstermine sind 27. und 30. März, 3., 6., 10. April um 20 Uhr sowie 31. März und 7. April jeweils um 16 Uhr. Karten gibt es telefonisch unter 08669/857444 oder an der k1-Kasse. Pia Mix