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Gespanntes Warten auf den Testbetrieb

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Freibad Neukirchen:Gespanntes Warten auf den Testbetrieb
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Das sanierte Schwimmbad Neukirchen wird bald in Testbetrieb gehen. (Foto. Konnert)

Teisendorf – Die Sanierungsmaßnahmen im Schwimmbad Neukirchen sind auf der Zielgeraden. Die mit blau leuchtendem Wasser gefüllten Becken und mit saftigem Grün bedeckten Liegeflächen laden Badegäste förmlich ein. Leider ist es aber noch nicht ganz soweit, denn die Software für die komplizierte Steuerungstechnik muss noch aufgespielt werden. Dies soll laut Bauleiter Markus Fritsche in den kommenden Tagen passieren.


Danach muss die Anlage für circa zwei Wochen im Probebetrieb laufen. Während dieser Zeit wird die Feindosierung für die Chlorzugabe vorgenommen. Das Gesundheitsamt wird regelmäßig Wasserproben entnehmen und untersuchen. »Passt alles, kann der Echtbetrieb losgehen«, so Fritsche im Gemeinderat.

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Teufel steckte im Detail

Eine genaues Datum für die Eröffnung wollten aber weder Architekt Markus Fritsche, der dem Gemeinderat die technischen Details vortrug, noch Bürgermeister Thomas Gasser nennen. »Hier geht es nicht um die Öffnung von drei Ventilen, wie früher, sondern um eine komplexe Technik, wo der Teufel im Detail steckt. Wir sind aber optimistisch. Ich möchte auf jeden Fall in diesem Jahr noch ins Becken springen und wenn es im November ist«, scherzte Fritsche. Die Leitungen seien dicht, der Spraypark funktioniere, das habe man bereits erfolgreich getestet.

3200 ehrenamtliche Stunden investiert

Für die Sanierung haben die Schwimmbadfreunde Neukirchen bereits circa 3200 Stunden ehrenamtlich geleistet. Sie wurden dabei von vielen Firmen aus dem Gemeindegebiet tatkräftig unterstützt. Dieses außergewöhnliche Engagement wurde von vielen Gemeinderäten lobend gewürdigt.

Umso bedauerlicher ist es, dass es trotz dieses Einsatzes auf Grund der allgemeinen Preissteigerungen seit Baubeginn 2016 zu 15 bis 20 Prozent Mehrkosten im Hoch- und Tiefbau und von circa 40 Prozent bei der Badewassertechnik gekommen sei, so der Bürgermeister.

Für die Gemeinde fallen damit rund 30 Prozent oder 304 000 Euro mehr an Kosten an wie ursprünglich geplant. Man habe zwar schon während der Bauzeit versucht die Mehrkosten zu drosseln, als man zum Beispiel im August 2017 eine Ausschreibung für die Regel- und Dosiertechnik wegen zu hoher Kosten aufgehoben habe oder durch die Verkleinerung des Kinderbeckens.

Dennoch sei es nicht gelungen, die geplanten Kosten zu halten. Die hohe Preissteigerung sei vor allem bei der Badewassertechnik zu verzeichnen gewesen. In den vergangenen Jahren hätten mehrere Bundesländer – zum Beispiel Hessen – Förderprogramme für die Sanierung von Schwimmbädern aufgelegt. Eine unerwartet hohe Auslastung der Fachfirmen für Schwimmbadtechnik und damit starke Preissteigerungen seien die Folge gewesen.

Seitens der Gemeinderäte gab es in der Diskussion massive Kritik an der Arbeit des zuständigen Planungsbüros für Badewassertechnik, unter anderem wegen mangelnder Abstimmung mit den Fachfirmen.

Planer soll Rede und Antwort stehen

Gemeinderat Peter Schuhbeck (FWG) forderte, dass Büro zur Rechenschaft zu ziehen. Der Planer solle dem Gemeinderat zur Kostenexplosion Rede und Antwort stehen. Dem schlossen sich auch die Gemeinderäte Georg Quentin (SPD), Johann Rauscher (SPD), Anita Niederstrasser (FWG), Thomas Egger (CSU) und Edwin Hertlein (Grüne) an. Auch sie seien verärgert über die hohe Kostensteigerung, würden aber der Erhöhung zustimmen, weil das Projekt zu einem guten Ende gebracht werden müsse.

Der Rechnungsausschuss werde alle Rechnungen, vor allem die des Technikbüros genauestens prüfen. Für Anita Niederstrasser kam zudem die Erklärung des Bürgermeisters zur Kostensteigerung zu spät.

Besondere Baustellensituation

Dies sei auf die besondere Konstellation dieser Baustelle zurückzuführen, erwiderte Gasser, da an dem Projekt zwei Planungsbüros, ein Verein und die Verwaltung beteiligt gewesen seien. Die Zahl der Einzelrechnungen sei daher viel höher gewesen als bei anderen Baumaßnahmen üblich, so dass die endgültige Höhe der Überschreitung erst im Juli abgeschätzt werden konnte.

Auch Gemeinderat Thomas Prechtl (CSU) bedauerte die Nichteinhaltung des Kostenrahmens, wies aber darauf hin, dass es eine schwieriges Projekt gewesen sein, in dass die Neukirchner Bürgerinnen und Bürger sehr viel Herzblut hineingesteckt hätten.

Zum Abschluss der Diskussion bedankte sich Gemeinderat und Zweiter Bürgermeister Norbert Schader bei allen lokalen Firmen, die am Schwimmbad gearbeitet haben, bei den Schwimmbadfreunden und bei Planer Markus Fritsche.

Nur durch das großartige Engagement aller sei es trotz Kostensteigerung möglich gewesen, ein Schwimmbad mit 3000 Euro pro Quadratmeter zu sanieren. Damit sei man rund 40 Prozent unter dem Durchschnittspreis vergleichbarer Maßnahmen geblieben. Dieser liege nämlich bei Schwimmbadsanierungen bei rund 5000 Euro je Quadratmeter.

Letztendlich genehmigte der Marktgemeinderat einstimmig die außerplanmäßigen Ausgaben zur Sanierung des Schwimmbads Neukirchen. Dem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen steht jetzt nichts mehr im Wege. kon