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Gericht beschließt Baustopp: Nichts geht mehr am Watzmannhaus

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Mit dem Baustart für das neue Salettl am Watzmannhaus wird es heuer wohl nichts mehr. Das Verwaltungsgericht München verhängte einen Baustopp. (Foto: DAV München)

Ramsau – Baustopp am Watzmannhaus: Das Verwaltungsgericht München hat mit Beschluss vom Mittwoch dem Antrag des Bund Naturschutz in Bayern in einem Eilverfahren stattgegeben und die aufschiebende Wirkung der BN-Klage gegen die erteilte Baugenehmigung angeordnet.


Das hat zur Folge, dass die Alpenvereinssektion München die ab 10. September geplanten Außenbauarbeiten am Falzköpfl nicht durchführen kann. Das Gericht begründete den Baustopp mit formalen Mängeln. So habe das Landratsamt keine ausreichende Begründung für eine Abweichung von Naturschutznormen gegeben. Damit ist nun das Landratsamt am Zug.

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Die Kreisbehörde hatte die Baugenehmigung bereits im Februar 2016 erteilt. Die Kanzlei Baumann Rechtsanwälte in Würzburg hatte für den Bund Naturschutz vor dem Verwaltungsgericht München gegen die Baugenehmigung geklagt. Wegen des vom Deutschen Alpenverein angekündigten Baubeginns wurde außerdem ein Eilantrag beim Verwaltungsgericht eingereicht, um zu verhindern, dass mit den Baumaßnahmen begonnen wird, bevor das Verwaltungsgericht über die Klage entschieden hat.

Klage und Eilantrag wurden laut Kanzlei Baumann vor allem damit begründet, dass mit der erteilten Baugenehmigung gegen wesentliche Bestimmungen der Alpen- und Nationalparkverordnung Berchtesgaden verstoßen werde. BN-Kreisvorsitzende Rita Poser, die die Klage maßgeblich initiiert hatte, akzeptiert zwar, dass die Pläne für den Neubau des Salettls auf der Ostseite deutlich reduziert worden sind und die vergrößerte Gaststube nun nicht mehr über den Felsabbruch hinausragt. Doch die großen Fensterflächen, die weiterhin Bestandteil der Planung sind, lassen sie an der Ablehnung der Baupläne festhalten. Die riesigen Glasflächen seien nicht konform mit dem Vogelschutz.

Außerdem befürchtet Rita Poser, dass diese Lichtquellen die nachtaktiven Falter beeinträchtigen könnten. »Da oben ist ein Hotspot dieser Falter, es gibt dort einige seltene Arten«, sagt Rita Poser. Und dann vermisst die BN-Kreisvorsitzede noch einen landschaftspflegerischen Begleitplan. In dem sollte geklärt werden, wo das Material für die zu errichtende Zisterne auf der Südseite des Hauses abgelagert werden soll. »Schließlich handelt es sich beim Watzmannstock um ein floristisch äußerst hochwertiges Gebiet. In der Kernzone des Nationaloparks kann man das Material nicht einfach irgendwo hinkippen«, empört sich die Naturschützerin.

Ob das Vorhaben genehmigungsfähig ist, wird nun das Landratsamt prüfen. Voraussetzungen sollen laut Kanzlei Baumann werden eine artenschutzrechtliche Prüfung und eine naturschutzfachliche Untersuchung sein. »Hier wird ein absolut schützenswerter Bereich vor unrechtmäßigen Eingriffen bewahrt«, freut sich Rechtsanwältin Anja Schilling, die für den BN geklagt hatte, über den Gerichtsbeschluss.

Thomas Gesell, Hüttenbetreuer der Sektion München, bewertet den Gerichtsbeschluss allerdings komplett anders. »In dem Beschluss gibt es keine materiellen Äußerungen zur Bauausführung. Hier geht es lediglich darum, dass das Landratsamt bei der Genehmigung des Projekts von naturschutzrechtlichen Normen abgewichen ist und dieses Abweichen nicht ausführlich genug begründet hat. Das muss nun nachgeholt werden.« Gesell geht deshalb davon aus, dass das Projekt wie geplant umgesetzt werden kann. Allerdings wird man mit den Außenarbeiten heuer nicht mehr beginnen können. »Abbruch und Neubau des Salettls sind heuer genauso vom Tisch wie der Neubau von Terrasse und Zisterne«, sagt Gesell. Allerdings sind die Neugestaltung der Gaststube und der Umbau der Pächterwohnung nicht Gegenstand der Baugenehmigung. Diese Maßnahmen sollen deshalb in den nächsten Wochen noch realisiert werden. »Um hier weitermachen zu können, wird das Watzmannhaus auch wie geplant zum 10. September schließen«, sagt Gesell.

Mit den Außenarbeiten darf dann nicht vor Juli 2019 begonnen werden, weil dies eine Auflage im Genehmigungsbescheid ist. Gesell geht aber davon aus, dass man das Projekt im nächstgen Jahr noch abschließen kann. »Allerdings entsteht uns durch die Zeitverzögerung ein Schaden von rund 80 000 Euro«.

Dem zuständigen Fachbereich im Landratsamt liegen der Gerichtsbeschluss und die 22 Seiten Begründung liegen seit gestern vor. »Dazu teilt Pressesprecher Stefan Neiber mit: »Die Begründung wird nun von uns im Detail geprüft. Diese Prüfung und die daraus folgende Bewertung unsererseits wird einige Tage benötigen. Wenn dieser Vorgang abgeschlossen ist, wird das Landratsamt dazu Stellung nehmen.«

Insgesamt 1,6 Millionen Euro will die Sektion München in die Sanierung und Erweiterung des Watzmannhauses investieren. Ein Teil der Sanierungsarbeiten im Gebäude ist bereits in den letzten Wochen erfolgt. Wichtigstes Projekt ist aber wohl auf der Ostseite der Neubau des Salettls, also der Gaststube. Die ist baufällig und soll durch einen größeren Ersatzbau an gleicher Stelle ersetzt werden, womit man auch das bislang bestehende Ungleichgewicht zwischen Schlaf- und Sitzplätzen ausgleichen will. Denn während das Watzmannhaus aktuell über 216 Schlafplätze verfügt, gibt es nur 159 Sitzplätze. Nach der Erweiterung werden also deutlich mehr Gäste am Falzköpfl übernachten können, als dies bislang der Fall war. Die Jahresbilanz könnte von bislang rund 10 000 auf dann 13 000 Übernachtungen steigen. »Und da müsste man dann auch noch prüfen, ob die Kapazität der Kläranlage dafür noch ausreicht«, gibt Rita Poser zu bedenken. Ulli Kastner