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Geöffnet im Lockdown

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Seit 14 Jahren führt Inge Hansen das Alpenhotel »Kronprinz«. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – Das Buffet ist angerichtet. Im Speisesaal nehmen Hotelgäste ihr Frühstück ein. Eine Situation, die sich viele herbeisehnen würden. Bei Inge Hansen, Geschäftsführerin des »Alpenhotel Kronprinz« in Berchtesgaden, ist diese Realität.


Hansen ist froh, »wenigstens überhaupt geöffnet zu haben«. Denn das gilt für die wenigsten: Ein Großteil der Hotels in der Region hat im Lockdown Corona-bedingt dichtgemacht. Mangels Urlaubsgästen. Hansens Kunden sind Geschäftsreisende, ausschließlich Profisportler.

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Inge Hansen hat sich schick gemacht, dunkler Blazer auf weißem Oberteil. Der Tisch, an dem das Gespräch stattfindet, ist eigentlich für die Skeletoni-Mannschaft aus Österreich reserviert. »Wir haben Zeit, die kommen erst später«, sagt Hansen. Ein paar Sportler sitzen an einem Tisch und frühstücken.

Hansen hat in ihrem Haus 65 Zimmer mit 145 Betten. Ausgebucht? Davon könne keine Rede sein, sagt die Geschäftsführerin. Aber das Hotel ist zu gut belegt, um zu schließen. Hansen führt die Geschäfte gemeinsam mit ihrem Sohn, einem gelernten Koch. 28 Mitarbeiter sind im Hotel »Kronprinz« beschäftigt, auch hier herrscht Kurzarbeit. »In Corona-Zeiten muss man froh sein, wenn man etwas machen darf«, sagt Hansen. Das Hotel ist etwa zu einem Drittel belegt.

»Die Arbeit hält mich fit«

Lange Zeit hat sie im hohen Norden gelebt, unter anderem in Hamburg, gemeinsam mit ihrem Mann betreuten sie Hotels, verwalteten diese. Seit 14 Jahren führt Hansen das Haus in Berchtesgaden – und eigentlich wollte sie schon längst aufhören. »Ein Jahr mache ich es noch«, diesen Satz hat sie oft zu sich selbst gesagt, aber nicht getan. Aus einem Jahr sind zwei geworden, dann drei, dann vier. Inge Hansen könnte schon lange im Ruhestand sein. »Die Arbeit hält mich fit«, sagt sie und lächelt.

Früh morgens begrüßt sie ihre Hotelgäste, arbeitet im Büro, dann geht sie nach Hause. Hansen wohnt nicht weit vom Hotel entfernt. Am frühen Abend kommt sie zurück, ein paar Gespräche auf Distanz. Sie wünscht den Hotelgästen eine gute Nacht, wenn sie sich verabschiedet. Für Inge Hansen ist das ein Ritual, das sie pflegt, das sie nicht missen möchte und das für sie persönlich wichtig ist.

Die Chefin erinnert sich mit Grauen daran, als sie im Oktober 60 Gäste nach Hause schicken musste. Damals wurde der Lockdown ausgerufen – und seitdem nicht für beendet erklärt. Corona tat im Laufe des Jahres alles dafür, die Normalität aus ihrem Alltag zu drängen. Dass das Alpenhotel »Kronprinz« im Berchtesgadener Talkessel noch offen hat, verdankt Inge Hansen zahlreichen über Jahre aufgebauten Kontakten. Seit langer Zeit ist sie Gast an der Kunsteisbahn am Königssee. Weil sie Freude am Sport hat, und »wenn es meine Zeit zuließ«, sagt sie. Sie hat dort Freundschaften geknüpft, Kontakte geschlossen. Wenn die Welt zu Gast an der ältesten Kunsteisbahn der Welt ist, sind viele darunter, die ihren Aufenthalt bei Hansen im Hotel verbringen.

Gäste sind Profisportler aus verschiedenen Ländern

Gemeinsam haben die Gäste, dass der Sport deren Beruf ist und Geschäftsreisen weiterhin erlaubt sind. Die Bobfahrer aus Monaco waren schon da, die Schweizer, die Chinesen. Die Profisportler kamen aus den Niederlanden, aus Großbritannien und Frankreich. Rodler aus Italien waren zu Gast, aus Kanada, Skeletoni aus der Schweiz und Österreich. »Das hat sich im Laufe der Jahre so ergeben«, so die Hotel-Geschäftsführerin. Im »Fassl«, dem Hotel-eigenen Restaurant – derzeit geschlossen – hängen etliche Bilder aus vergangenen Zeiten. Inge Hansen mit Rodelprofis, Hansen mit Olympiasiegern, Hansen mittendrin. Auf einem Bild haben zwei Dutzend Elitesportler unterschrieben. Es sind die Grüße der Teilnehmer der Olympischen Winterspiele aus dem Jahr 2002 in Salt Lake City, die Nationalmannschaften Bob, Skeleton und Rennrodel haben sich auf dem Foto verewigt. Erst kürzlich haben am Königssee die Weltmeisterschaften stattgefunden, da war Hansens Hotel gut belegt. Auch die Monate zuvor kamen sie aus allen Ecken der Welt, um am Königssee zu trainieren. Logisch, dass man da einen Platz zum Schlafen braucht. Internationale Gäste und Corona: Ein Widerspruch? »Hier wird sehr viel getestet«, sagt Inge Hansen. Profisportler werden wie kaum eine andere Gruppe auf das Virus hin untersucht, zweimal die Woche mindestens. Der Sport findet in einer »Bubble« statt, einer Blase, sagen die Verantwortlichen. Trainingsstätte, Übernachtungsort – viel mehr ist für die Sportler nicht möglich.

Dass das Geschäft wenigstens ein bisschen läuft, tut Hansen und dem Betrieb gut. Das Haus müsse geheizt werden, damit es nicht auskühlt. An die Kunsteisbahn am Königssee kommen weiterhin Sportler zum Trainieren. Auf diese Weise könnten zumindest die Fixkosten gedeckt werden, sagt die Hotelinhaberin. Insgesamt sei es aber nicht mehr »als ein Tropfen auf den heißen Stein«.

Das Hotel könne sich auf diese Weise aber über Wasser halten. Dennoch sehnt sie den Tag herbei, an dem die Normalität zurückkehrt, an dem auch die gewöhnlichen Gäste wieder in Berchtesgaden Urlaub machen.

Kilian Pfeiffer

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