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Generalsanierung: Heuer das Stöhrhaus, nächstes Jahr die Ligoascht

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Vorsitzender Beppo Maltan (l.) zeichnete auf der Jahreshauptversammlung der Alpenvereinssektion Berchtesgaden besonders verdiente Mitglieder aus (v.l.): 2. Bürgermeister Richard Lenz (Jennerstier-Organisator), Hans Keisinger (scheidender Hüttenwart des Schwaigerkasers), 2. Vorsitzende Christl Zembsch (Organisationstalent und bei vielen Veranstaltungen im Einsatz) sowie Luise Petry (scheidende Kassenprüferin). (Foto: Kastner)

Schönau am Königssee – Die Alpenvereinssektion Berchtesgaden nimmt aktuell wieder eine Stange Geld in die Hand, um ihre Berghütten auf Vordermann zu bringen. Insgesamt 1.150.000 Euro lässt sich der mit 10.750 Mitgliedern größte Verein im Landkreis Berchtesgadener Land die Generalsanierung des Stöhrhauses auf dem Untersberg kosten. Und im Jahr 2020 fällt dann – wohl mit einer deutlich kleineren Summe – die Sanierung der Ligoascht-Hütte an. Das war auf der Jahreshauptversammlung am Freitag im Gasthaus »Unterstein« zu erfahren.


Für die immensen Investitionen, die fast jedes Jahr anstehen, braucht die Sektion auch die Zuschüsse des Hauptvereins. Um die nicht zu gefährden, beteiligte man sich an dem vom DAV initiierten Spendenaufruf, wenngleich 1. Vorsitzender Beppo Maltan nach eigenen Worten eigentlich nichts von solchen »Bettelbriefen« hält. Doch das Ergebnis überraschte ihn selbst. Über 13.000 Euro kamen dabei zusammen, wie dem Haushaltsplan zu entnehmen ist.

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Wie umfangreich das Tätigkeitsfeld der Sektion mittlerweile geworden ist, lässt sich aus den Berichten des Vorsitzenden und der Referenten nur erahnen. Als Beispiele nannte Maltan die Jahresrückschau »Sektion am Berg« und den Skibergsteigerwettkampf »Jennerstier«, bei dem bis zu 100 Ehrenamtliche im Einsatz sind. Im nächsten Jahr ist geplant, den Wettkampf als Weltcup auszutragen. Weniger glücklich war man in der Sektion mit der Entwicklung der traditionellen Volkstanz-Termine in St. Bartholomä. »Hier sind uns die Kosten und dann auch die Teilnehmer davon gelaufen«, sagte der Vorsitzende. Den Volkstanz gibt es deshalb künftig nicht mehr.

Freude macht den Verantwortlichen in der Sektion aber in jedem Fall die Vereinsjugend. Alleine von 250 Kletterkindern in den verschiedenen Gruppen berichteten Beppo Maltan und Jugendleiter Rainer Haberl. Sie werden von 35 Trainern betreut. Haberl freute sich auch über eine sehr aktive Jungmannschaft, »die auch mal anpacken kann, wenn Bedarf ist« und auch das alljährliche Bergsportfest auf Ligoascht organisiert.

Beppo Maltan erwähnte in seinem Bericht auch noch den Skibergsteigerwettkampf »Watzmann Gams« und das 24-Stunden-Spendenklettern. Viel Zeit investiert man darüber hinaus in die Ausbildung, »denn unsere Mitglieder und vor allem die Jugendlichen sollen möglichst unfallfrei am Berg unterwegs sein«.

Ein Schwerpunkt der Sektion sind jedes Jahr die Bergfahrten, die die Mitglieder nicht selten ins Ausland führen. Vor allem 2. Vorsitzende Christl Zembsch ist es, die sich hier stark engagiert. Da geht's nach Südafrika, nach Mallorca, nach Griechenland oder nach Madeira. Aber auch in der näheren Umgebung war man im letzten Jahr kräftig unterwegs, wie Christl Zembsch informierte. Heuer stehen unter anderem ein Mountainbike-Grundkurs, Hike und Bike für Kinder, ein Ausflug zu den Hütten im Zillertal oder Touren in die Hohen Tauern und zu den Lausköpfen auf dem Programm. Höhepunkte werden die Auslandsfahrten zum Alpamayo in Peru und nach Jordanien sein. Für Jordanien sind noch Plätze frei.

Wieder aufgelegt wird heuer nach den Worten Beppo Maltans der Sektionskalender. Und dann will man in Kooperation mit dem Nationalpark Informationstafeln für Mountainbiker aufstellen, auf denen sie zum vorsichtigen Fahren aufgefordert werden. Die meiste Energie und auch das meiste Geld fließen zurzeit aber in die Generalsanierung des Stöhrhauses. Bereits seit vier Wochen ist man am Stöhrhaus wieder am Arbeiten und der Umbau geht zügig voran. 686.000 Euro werden dort heuer noch verbaut, insgesamt werden es dann 1.150.000 Euro sein. Großes Engagement beweist hier auch Hüttenwirt Hans Geschoßmann, der die Bauleitung innehat.

Mit welchem Aufwand der Betrieb der Berghütten oft verbunden ist, machte Beppo Maltan am Beispiel des Kärlingerhauses deutlich. Für die Öffnung zu Ostern musste nicht nur der drei Meter hoch zugeschneite Ausgang freigegraben werden, auch die Zugänge zur Wasserleitung mussten aus fünf Metern Tiefe ausgegraben werden. Und dann war noch die Verlegung einer 500 Meter langen Behelfswasserleitung notwendig.

Sanierung des Schwaigerkasers

Saniert wird nach den Worten des Vorsitzenden aktuell auch im Schwaigerkaser. Dort hat Hans Keisinger mittlerweile die Verantwortung an Sepp Graßl und Michael Nestle abgegeben. Einen neuen Mann gibt es auch in der Kletterhalle: Dort ist jetzt Daniel Dölderer Betriebsleiter.

Mit einigen Sätzen widmete sich Beppo Maltan in seinem Vortrag noch der Sektionszukunft. Die Ligoaschthütte muss nächstes Jahr generalsaniert werden, weil es mittlerweile erhebliche Probleme mit unzureichender Belüftung gibt. Im Jahr 2021 wird der Sektionsbeitrag alleine wegen der vom DAV-Hauptverein anstrebten digitalen Offensive um 3 Euro steigen. Maltan machte kein Hehl daraus, dass er von der Aktion nichts hält. Und dann kündigte der Vorsitzende noch eine für die Sektion durchaus einschneidende Entwicklung an: Ein Großteil der Vorstandschaft will im nächsten Jahr nicht mehr kandidieren, aktuell sucht man nach Nachfolgekandidaten.

Gabi Schieder-Moderegger hat das Ressort gewechselt. Die ehemalige Jugendleiterin ist jetzt für das Ressort Bergsport verantwortlich, wo sie es vor allem mit dem Leistungssport, also Skibergsteigen und Klettern, zu tun hat. In ihrer neuen Funktion teilte sie mit, dass der Kletterkader jetzt nicht mehr beim Kletterfachverband, sondern direkt bei der Sektion angesiedelt sei. Dadurch haben die Mitglieder jetzt die Freiheit, auch am Naturfels ihre Projekte umsetzen.

Äußerst umfangreiche Zahlenwerke präsentierte Kassier Stefan Schmid den Mitgliedern. Darin beleuchtete er abschließend die Finanzabwicklung des Jahres 2018 und stellte den Haushaltsplan für 2019 vor. »Beste Arbeit« bescheinigte daraufhin Luise Petry, die zusammen mit Birgit Mündel die Kasse geprüft hatte, dem Kassier, aber auch den weiteren Vorstandsmitgliedern. Die erhielten daraufhin die einstimmige Entlastung vonseiten der Mitglieder. Damit hatten Luise Petry und Birgit Mündel ihre Aufgabe erledigt, denn sie legten auf eigenen Wunsch ihre Ämter nieder. Neue Kassenprüfer sind Elisabeth Tausch und Klaus Freyer. Das erbrachte die Neuwahl unter der Leitung von Berni Zauner.

Dank für Engagement

Vier Ehrungen gab es schließlich noch für besondere Verdienste um die Sektion: Hans Keisinger hatte zusammen mit seinem Vater Hans Keisinger sen. viele Jahre den Schwaigerkaser geführt. Christl Zembsch engagiert sich seit vielen Jahren in den verschiedensten Bereichen des Sektionslebens. Richard Lenz, der als 2. Bürgermeister auch die Grüße der Gemeinde überbrachte, organisiert seit Jahren den »Jennerstier«. Und Luise Petry hat lange Zeit das Amt der Kassenprüferin vorbildlich ausgeübt.

Das Finanzergebnis bei der Kletterhalle war noch Thema in der kurzen Diskussion am Versammlungsende. Denn dass die Halle ein Minusgeschäft sei, wie es das Ergebnis im Haushaltsplan darstellt, wollte Kletterhallenreferent Gerhard Benischke so nicht stehenlassen. Er verwies darauf, dass beispielsweise die Jahresbeiträge der Jugend nicht in den Hallenetat fließen. Außerdem gebe es einige Gruppen, wie Bergwachtler, Bergführer und Polizeikurse, die vergünstigten Eintritt bekommen. Und rund 1 500 Mitglieder seien ausschließlich wegen der Kletterhalle der Sektion beigetreten. Deren Beitrag komme ebenfalls der Sektion zugute.

Viele weitere Tätigkeitsfelder der Sektion sind im Jahresbericht der Sektion erläutert: Alpine Auskunft, Blaueishütte, Kärlingerhaus, Wasseralm, Kührointhütte, Ostwandlager, das 260 Kilometer lange Wegenetz, Familiengruppe, Singkreis, Ausbildung. Ulli Kastner