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Gemeinsam gegen das Kirchturmdenken

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... finden sich im Logo das Pfarrverbands Stiftsland wieder. (Fotos: Fischer)
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Verbandsleiter Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob: Der Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden ist ein lohnendes, kreatives und vor allem zukunftsfähiges Projekt. Wir müssen uns jetzt neu aufstellen, um später keine Probleme zu bekommen. Ich werde es mit voller Kraft mitgestalten.
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Vorsitzende Elisabeth Krenn sagt zu ihrem Engagement im Pfarrverband: Es ist eine große Freude, dass ich mich engagieren kann.
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Die Schlüssel des fürstpröpstlichen Wappens von Berchtesgaden ...
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Vorsitzender Matthias Sieger: Es hat sich alles gut entwickelt. Wir halten zusammen. Deshalb freue ich mich auf die neuen Entwicklungen.
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Verwaltungsleiter Peter Moderegger: Ich finde diese Veränderung richtig gut. Im Verband bekommen die Pfarreien neuen Schwung.

Berchtesgaden – Der Heilige Geist wird sich freuen: Sechs ehemals eigenständige Talkessel-Pfarreien haben sich zum 1. Juni zum Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden zusammengeschlossen. Damit sind rund 11.000 heimische Katholiken unter einem Verwaltungs- und Seelsorgedach vereint. Die Verantwortlichen sehen sich damit gut gerüstet für die Herausforderungen der Zukunft.


Aus sechs mach zwei mach eins: Die Geschichte des Pfarrverbands Stiftsland Berchtesgaden in seiner heutigen Form reicht zurück bis zum Herbst 2013. Damals erhielten die Pfarreien des Berchtesgadener Landes den Auftrag sich zusammenzuschließen. Am 22. November 2015 folgte dann Stufe eins: Der Pfarrverband Stiftsland Berchtesgaden mit den Mitgliedern Marktschellenberg (St. Nikolaus), Au (Hl. Familie) und Berchtesgaden (St. Andreas) wurde gegründet.

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Wie sich der damalige Verbandsratsvorsitzende und heutige Verwaltungsleiter, Michael Koller, erinnert, sei der Auftrag des Weihbischofs klar gewesen: Sich so aufzustellen, dass man als kirchliche Einheit nicht mehr besetzte Pfarreien kompensieren kann. Und für diesen Verband einen passenden Namen zu wählen, der auch die regional-historische Zusammengehörigkeit zum Ausdruck bringt. Das Stiftsland Berchtesgaden war geboren. »Das Augustiner Chorherrenstift war der geografische und christliche Ursprung Berchtesgadens«, sagt Koller.

Um sich noch breiter aufzustellen, folgte nun der zweite Schritt: Nachdem beide Verbände aufgelöst worden waren, gründete man einen neuen. Bestehend aus dem ehemaligen Stiftsland und dem Pfarrverband Bischofswiesen wurde das neue Stiftsland. »Das war ein langer, demokratischer Zustimmungsprozess«, betont Verbandsleiter Frauenlob. Schließlich wurde der Zusammenschluss zum 1. Juni per erzbischöflichem Dekret offiziell.

Fast ausschließlich Vorteile

Für Verbandsleiter Pfarrer Dr. Thomas Frauenlob, der aus seiner Zeit im Vatikan weiß, wie wichtig durchdachte Verwaltungs- und Organisationsstrukturen sind, bietet der Pfarreizusammenschluss fast ausschließlich Vorteile. »Wir denken über den Kirchturm hinaus. Das ist einerseits notwendigkeit, macht aber andererseits auch Freude«, sagt Frauenlob.

Die beiden paritätischen Verwaltungsleiter Michael Koller und Peter Moderegger sowie die Verbandsratsvorsitzenden Elisabeth Krenn aus Marktschellenberg und Matthias Sieger stimmen ihm zu. »Wir im Berchtesgadener Talkessel sind eine Einheit«, betont Sieger. »Die vielen Weihnachtsschützenvereine haben sich ja auch zu einer Vereinigung zusammengeschlossen«, fügt Krenn hinzu. Laut Dr. Frauenlob würden gleich mehrere »glückliche Umstände« für den Verband sprechen: Eine geografische Grenze zu sehen, sei sehr leicht gewesen. Auch gebe es mit der Stiftskirche einen zentralen Kirchenraum, der nicht dem Staat gehört.

Neben der langen Tradition des Zusammenhalts im Talkessel, würde auch die relativ gute personelle Ausstattung des Verbands mit beispielsweise fünf hauptamtlichen Seelsorgern eine stabile Grundlage des Projekts bieten.

Neuausrichtung von Seelsorge und Verwaltung

Das Pastorale wird, und das schon seit Jahren, neu ausgerichtet. Mit erheblichen Folgen, nicht nur für die Seelsorge, sondern auch für die Verwaltung, die eben nicht mehr der Pfarrer erledigt, sondern ein Angestellter. Management-Strukturen, die durchaus an ein Unternehmen erinnern. »Im Prinzip sind wir ein mittelständisches Unternehmen mit 40 Angestellten«, erklärt Frauenlob. »Halt mit dem Unterschied, dass uns viele Ehrenamtliche unterstützen und der Unternehmenszweck ein ganz anderer ist«, fügt Verwaltungsleiter Moderegger hinzu.

Die Ehrenamtlichen, die Laien, sie sind die Stütze des Pfarrverbands. Darin sind sich die Verantwortlichen einig. Ihr Gremium ist der Pfarrverbandsrat, der mit je zwei Pfarrgemeinderäten besetzt ist und sich an die viermal jährlich trifft. »Der Verbandsrat ist eine Informations- und Austauschplattform«, erklärt Matthias Sieger. »Damit alle Beteiligten auf dem gleichen Stand sind.« Christian Fischer