Gegenwind für Königsseer Hotelprojekt

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Links und rechts des Naturdenkmals Löwenstein sollen demnächst Hotelbauten entstehen. Ein Bündnis aus Vertretern von BN, LBV und Grünen fordert eine Reduzierung des Bauvolumens. (Foto: Ulli Kastner)

Schönau am Königssee – Für überdimensioniert halten Bund Naturschutz, Landesbund für Vogelschutz und Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen nach wie vor das Hotelbauprojekt am Königssee. Sie schmiedeten deshalb ein Bündnis und wollen mit einer Klage gegen den Bau des 566-Betten-Hotels im Vier-Sterne-Superior-Bereich vorgehen.


Drei Wochen nachdem der Gemeinderat mit dem Satzungsbeschluss zur Änderung des Bebauungsplans Seestraße den Weg für das 100-Millionen-Euro-Vorhaben geebnet hatte, formulierten die Gegner ihre Sorgen gestern Donnerstag bei einem Pressetermin an der Seelände. Mit dabei: Sabine Weigand, Denkmalschutzbeauftragte der Grünen im Bayerischen Landtag, und Landtagsabgeordnete Gisela Sengl von den Grünen.Mit der Streichung der neun sogenannten Waldzimmer hatten der Bund Naturschutz und andere, denen die Dimension der Anlage zu groß war, bereits einen Teilerfolg erzielt. Was allerdings die Größe des Haupttraktes mit seinen fast 20 Metern Höhe betrifft, führten die Einwände zu keiner weiteren Planungsänderung. Die wollen die Kritiker nun auf anderem Wege erreichen.

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»Der Druck auf die Alpen nimmt zu«

Sorgen macht man sich vor allem, weil der touristische Druck auf die Alpen in den letzten Jahren massiv zunahm. »Die Alpen sind seit Jahren ein Tourismus-Hotspot, der überrannt wird. Das führt zu Besucherlenkungsproblemen«, formulierte es der BN-Landesbeauftragte Martin Geilhufe. Die Corona-Pandemie, die den Besucheransturm noch verstärkt habe, sei ein Vorgeschmack auf das, was noch zu erwarten ist. In Bezug auf das 566-Betten-Hotel mahnte Geilhufe: »Wir müssen aufpassen, was wir den Alpen noch zumuten können.« Ein Bündnis aus Bund Naturschutz und Landesbund für Vogelschutz prüfe aktuell, wie man »diesen völlig überdimensionierten Hotelbau noch aufhalten kann«.

Ohnehin hatte die BN-Kreisgruppe Berchtesgadener Land das Projekt von Anfang an kritisch begleitet, wie 1. Vorsitzende Rita Poser ausführte. Sie erinnerte an das Jahr 2012, als die Bevölkerung die Dimensionen des damaligen Hotelbauprojekts irgendwann mitbekommen hätten. »Im Nu kamen genügend Unterschriften zusammen und das Projekt war gestorben.« Und die Höhe des aktuell geplanten Hauptgebäudes sei gleich wie damals: fünf Etagen und ein ausgebautes Dachgeschoß. »Man hat nie das geforderte 3-D-Modell präsentiert«, kritisierte Rita Poser und betonte, dass sich die überbaute Grundfläche im Gegensatz zur aktuellen Situation verdreifachen würde. Der Hauptbau würde das Naturdenkmal Löwenstein um vier Meter überragen. »Das ist ein gigantisches Projekt, das sich nicht in die Umgebung einfügt«, bilanzierte die Naturschützerin. Für nicht weniger mangelhaft hält sie die Planung in punkto Hochwasserschutz. Das Wasserwirtschaftsamt plane ein riesiges Rückhaltebecken. Rita Poser hält das gesamte Verfahren für fehlerhaft, weshalb man Einspruch eingelegt habe.

Von einem »großen Projekt«, das jährlich rund 40.000 zusätzliche Gäste an den Königssee ziehe, sprach auch Sabine Pröls, Leiterin der LBV-Regionalgeschäftsstelle Inn-Salzach. Nach ihrer Meinung funktioniert die Besucherlenkung schon derzeit nicht, »dabei gibt es im Nationalpark Berchtesgaden viele bedrohte Tierarten«. Es fehlten Konzepte, was zusätzlichen Tourismus und die Verkehrsentwicklung betrifft.

Sorge um den Alten Bahnhof

Manfred Angerer war eines von mehreren Mitgliedern des Heimatkundevereins Berchtesgaden, die an der Zusammenkunft an der Seelände teilnahmen. Sie traten, wie es Angerer formulierte, aber als »Einzelkämpfer« auf, weil ein offizielles Mandat vonseiten des Vereins fehlt. Angerer, der die alte Königssee-Bahn von Kindeszeiten an kennt, ist ein Kämpfer für den Erhalt des Alten Bahnhofs. Den vollen Erfolg seines Engagements sieht er allerdings in Gefahr, weil ein in den 70er Jahren als Ersatzbau errichteter Anbau an den denkmalgeschützten Alten Bahnhof abgerissen werden soll. Die einst offene Wartehalle war nach und nach in einen geschlossenen Raum umgewandelt worden. Zwar liegt Angerer ein Schreiben aus dem Landesdenkmalamt vor, in dem der Abriss des Anbaus strikt abgelehnt wird. »Im Rahmen der dritten Auslegung hat das Landesdenkmalamt aber keine Einwände erhoben«, wunderte sich Angerer. Der ärgert sich auch darüber, dass die Freifläche zwischen Altem Bahnhof und Schifffahrtsgebäude mit dem mehrteiligen »Haus am Anger« überbaut werden soll.

Sabine Weigand, Denkmalschutzbeauftragte der Grünen im Bayerischen Landtag, machte gleich einmal deutlich, was sie von dem Hotelbauprojekt hält: »In dem Bereich gibt es zwei eingetragene Baudenkmäler. Dort dürfte kein Privater denkmalschutzrechtlich auch nur einen Bungalow bauen«. Der Blick der Landespolitikerin ging hinauf zu einer Fichte auf dem Löwenstein. »Bis hinauf zu dieser Baumspitze würde die Höhe dieses monströsen Blocks reichen. Da schüttelt es mich«. Der wunderbare Ort am Königssee sei gesegnet von der Schöpfung, »das kann man sich doch nicht kaputt machen, indem man so einen Bau in ein traditionell gewachsenes Ensemble hineinstellt«.

Sie sei zwar nicht grundsätzlich gegen so ein Vorhaben, sagte Sabine Weigand weiter, aber man sollte wenigstens die Kubatur an das Umfeld anpassen. Um das zu erreichen, könne man eventuell an die Einreichung einer Petition denken. Wichtig sei auch die Erstellung eines maßstabsgetreuen Models oder einer 3-D-Simulation. »Am besten beides, damit man die Blickachsen richtig simulieren kann.« Um all das zu erreichen, bot Sabine Weigand ihre Mithilfe im Bayerischen Landtag an, außerdem stehe sie bereits in Verbindung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Ähnlich sah es ihre Parteikollegin Gisela Sengl, stellvertretende Fraktionsvorsitzende und Betreuungsabgeordnete für das Berchtesgadener Land. »Die Gemeinde tut sich mit dem Projekt keinen Gefallen«, sagte sie. »Der Königssee ist jetzt schon touristisch übererschlossen. Mit dem Hotel holt man sich nun zusätzlich 40 000 Gäste jährlich hierher«. Tourismus müsse nachhaltig und naturverträglich sein, betonte die Politikerin, vor allem auch der Klimaschutz müsse Beachtung finden. »Dieses Projekt aber sprengt alle Maßstäbe«, kritisierte Sengl und bot ihre Unterstützung beim Widerstand gegen die aktuellen Pläne an.

Erfolglose Forderung nach 3-D-Modell

Sabine Kruis, Gemeinderätin der Grünen in Schönau am Königssee, war mit ihren Fraktionskollegen erst in das Gremium gewählt worden, als das Hotelbauprojekt schon weit fortgeschritten war. »Wir haben uns mit unserer Forderung, ein 3-D-Modell zu erstellen, keine Freunde gemacht«, sagte Sabine Kruis. Nachgekommen ist man der Forderung ohnehin nicht. Für Sabine Kruis steht fest: »Das Projekt kann den Bürgern nicht nützen.« Da sei ganz in der Nähe die Sperrung eines Nationalparkbereichs aus Naturschutzgründen geplant – »und dann will man hier auch noch so ein Projekt realisieren«. Dazu komme der Mangel an Wohnungen. Zwar müsse der Bauträger 70 Personalwohnungen stellen. »Aber er muss sie nicht selbst bauen. Die Wohnungen fehlen also dann wieder der Bevölkerung.«

Beim Bund Naturschutz prüft man aktuell die Möglichkeit einer Klage. »Verfahren sind ja oft fehlerhaft«, erklärt Rita Poser. Da könne man beispielsweise mit einer Normenkontrollklage einhaken, wie es beim Hotel »Edelweiss« der Fall war. Damals war die Klage von Privatbürgern erfolgreich, das Hotel wurde kleiner.

Ulli Kastner

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