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Geburtstagskranzl mit Whistleblower

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Dr. Josef Heringer führte das lautstarke »Pfeifferl« vor, das er für den »Whistleblower« Christoph Fischer angefertigt hatte. (Foto: privat)

Anger – Über 300 Teilnehmer waren beim zehnten Jubiläum von »Zivilcourage – gentechnikfreie Landkreise BGL/TS« auf der »Fürmannalm« dabei.


Begonnen hatte das Hoffest mit einem Gottesdienst. Pfarrer Hans Trimpl rief in seiner kurzen Ansprache dazu auf, bei aller Last des Alltags die Freude am Leben und der Arbeit nicht zu verlieren. »Wir sollten dankbar sein für Menschen, die sich engagieren«, sagte er.

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Nach dem Gottesdienst übernahm Georg Planthaler von der »Fürmannalm« die Moderation. Als ersten Sprecher konnte Planthaler den Initiator von »Zivilcourage«, Christoph Fischer, ankündigen. Fischer komme aus der landwirtschaftlichen Beratung und habe früh erkannt: In der Landwirtschaft, und nicht nur dort, sollte mit der Natur, statt gegen sie gearbeitet werden. Fischer sagte, bei der »grünen Gentechnik« habe er ihre Gefahren für die Natur gleich gesehen und sich deshalb auf den Weg gemacht, Mitstreiter zu finden, die bereit waren, den mühevollen Weg des Widerstandes mitzugehen. Er sei überrascht gewesen, welchen Zuspruch er aus der Bevölkerung erhalten habe. Er freue sich, sagte Fischer, durch die Menschen, die diese und andere Gruppierungen tragen, die Welt vielleicht ein Stückchen zum Besseren verändert zu haben.

Als nächster Redner wurde Gottfried Glöckner angekündigt. Glöckner war Landwirt und CDU-Politiker im hessischen Wölfersheim und bekam, wie er sagt, durch die Verfütterung von Genmais große Probleme mit seinen Milchkühen. Er habe sich sehr für die 1997 von der EU zugelassene neue Technik interessiert und begonnen, auf all seinen Feldern gentechnisch veränderten Mais anzubauen. Im Jahr 2000 hätten sich dann die ersten Fruchtbarkeitsstörungen an seinen Kühen gezeigt. Im weiteren Verlauf der Fütterung mit Genmais kam es zu anderen Erkrankungen und sogar Todesfällen sowie Missbildungen in der nächsten Generation. Glöckner belegte seine Behauptungen mit beeindruckenden Bildern und sagte er habe sich hilflos gefühlt bei den Versuchen, die Vorgänge aufzuklären. Auch von den zuständigen Stellen sei er enttäuscht gewesen, wegen derer geringen Unterstützung, zur Aufklärung beizutragen. Schließlich sei er durch die eigenen Erfahrungen zum leidenschaftlichen Kämpfer gegen die Gentechnik geworden.

Er habe herausgefunden, wie wissenschaftliche Studien manipuliert würden, um die Zulassungsverfahren und politische Entscheidungen im Sinne der Hersteller der grünen Gentechnik zu erwirken. Gewahr wurde er auch, mit welcher Macht und Härte Industrie und Behörden vorgingen, gegen Einzelne, die sich ihnen in den Weg stellten, sagte Glöckner.

Der Vorstandsvorsitzende der Milchwerke Berchtesgadener Land, Andreas Argstatter, sagte, er sei stolz, sagen zu können, die Molkerei in Piding habe sich frühzeitig mit dem Thema »Gentechnik« befasst und entschieden, gentechnikfrei zu bleiben.

An den Ständen von Organisationen konnten sich die Besucher darüber informieren, was getan wird, um die Ziele regionaler Organisationen wie »Zivilcourage« zu erreichen. Es waren aber auch überregionale und internationale Organisationen wie der Bund Naturschutz und Attac präsent. Zudem konnten die Besucher kulinarische Köstlichkeiten – Fleisch von auf der Alm gezüchteten Pinzgauer Rindern und Gemüse aus dem eigenen Garten – genießen. Für die musikalische Unterhaltung sorgte die Weißbier-Musi.

Das Engagement von »Zivilcourage« für die Menschen in den sogenannten Entwicklungsländern wurde in einer kurzen Videobotschaft von Prof. Antonio Andrioli aus Brasilien deutlich. Diese Menschen hätten erkannt, dass die Art, wie Landwirtschaft dort betrieben wird, große Auswirkungen auf das Schicksal der Menschen in diesen Ländern habe. Um diesen Zusammenhang zu verdeutlichen, erwähnte Prof. Andrioli dabei das Video »Weioisirgendwiazamhängd« des Agrarbündnisses BGL/TS. Georg Planthaler verwies ebenfalls auf die Situation in diesen Ländern, wie in Brasilien, wo seit dem Regierungswechsel ganze Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und die Bauern mit ihren Familien von ihrem Land vertrieben würden. Auf diesen Feldern würden großflächige Sojaplantagen angelegt, für den billigen Export nach Europa. fb