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Gebirgsjäger öffnen ihre Tore

Bischofswiesen (jk) - Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Berchtesgaden erlebten hautnah das Alltagsleben eines Soldaten beziehungsweise einer Soldatin in der Gebirgsjägerkaserne 232. Den Grund erklärt Schulamtsdirektor Frank Thieser, fachlicher Leiter des Staatlichen Schulamtes Berchtesgadener Land und zugleich Oberst der Reserve, so: »Vor dem Hintergrund der Aussetzung der Wehrpflicht kommt dem Informationsaustausch und der Zusammenarbeit der Bundeswehr mit den Schulen zunehmend eine größere Bedeutung zu, um geeigneten Nachwuchs zu rekrutieren sowie die Verankerung der Bundeswehr in die Region weiterhin zu fördern«.

In enger Abstimmung mit dem Kommandeur des Gebirgsjägerbataillons 232, Oberstleutnant Peter Küpper, waren bei der Projektveranstaltung »Vernetzung Schulen - Bundeswehr« den geladenen Schulleiterinnen und Schulleitern durch Schulrat Rudolf Ringel Möglichkeiten der Kooperation aufgezeigt worden, »denn es mangelt an jungen Menschen, die die Zukunft bei den Gebirgsjägern bilden«, so Küpper.

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Nachdem Lehrer und Schüler der Mittelschule Berchtesgaden bereits einer Einladung zu einem Crosslauf der Gebirgsjägerkaserne gefolgt waren, hieß Stabsfeldwebel Gerd Schelble jetzt die interessierten Jugendlichen im Gebäude der 5. Kompanie zusammen mit ihren Klassenlehrern Uwe Käppel sowie Johannes Kumeth willkommen, »denn der Lehrplan gibt vor, den Auftrag und die sich wandelnden Aufgaben der Bundeswehr zu erarbeiten sowie Möglichkeiten und Grenzen internationaler Friedenssicherung aufzuzeigen«, so Käppel.

Hauptmann Weiß referierte über die komplette Einsatzbandbreite der Gebirgsjäger, die als Mützenabzeichen das Edelweiß als traditionelles und sichtbares Zeichen der Gebirgstruppen tragen. »Sich uneingeschränkt im Sommer und Winter im Gebirge auch unter extremen Bedingungen bewegen zu können, das ist unsere Herausforderung und unser Auftrag zugleich«, so Weiß zu den Fragen der Schüler nach dem Sinn und Zweck der Gebirgsjäger. »Das Gebirge direkt vor unseren Toren ist ein wertvolles Ausbildungsmittel für das Erreichen und den Erhalt dieser besonderen Befähigung«, ergänzte der Hauptmann. Zur Zeit verrichten die Gebirgsjäger aus Strub in Afghanistan »unter extremen physischen und psychischen Belastungen ihren Dienst«, so Weiß auf die Frage eines Schülers nach aktuellen Einsatzgebieten, bei dem auch das Thema Tod und Verwundung nicht ausgeklammert wurde.

Wehrdienstberatungsoffizier Rüdiger Scheip vom Zentrum für Nachwuchsgewinnung in Traunstein zeigte daraufhin eine Übersicht über weitere Krisenherde unter Beteiligung der Bundeswehr mit dem Auftrag, »den Aufbau rechtsstaatlicher Strukturen oder aber auch die nationale Versöhnung in einzelnen Konfliktgebieten zu fördern«. Zudem gab er den Jugendlichen einen Überblick über mögliche Ausbildungen bei der Bundeswehr wie zum Beispiel als Mechatroniker sowie im Sanitätsdienst als pharmazeutisch-technische Assistentin. »Gerade auch für Frauen eröffnen sich vielfältige Möglichkeiten«, so Oberleutnant Scheip, »zurzeit dienen etwa 18 000 Soldatinnen in den Streitkräften«.

Unter der fachkundigen Leitung von Stabsfeldwebel Schelble wurde die Militärgeschichte des Gebirgsjägerstandortes in Bischofswiesen von 1935 bis zur Gegenwart im Standortmuseum eindrucksvoll aufgezeigt, »um die Schüler für deren wechselvolle und leidgeprüfte Geschichte zu sensibilisieren«, so der Standortdienstälteste. Anschließend wurden die Neuntklässler unter der Führung von Hauptfeldwebel Christian Merwald sowie von Hauptfeldwebel Susanne Mayer und Oberfeldwebel Marion Angerer je nach Interessenlage in Kleingruppen aufgeteilt, um einen ersten Eindruck in den Tagesablauf einer Ausbildungskompanie, im Sanitätsbereich oder im Stab zu erhalten. Besonders hier ergaben sich viele Gespräche mit den Gebirgsjägern. »Am besten haben mir die Informationen über die Ausbildungsmöglichkeiten bei der Bundeswehr gefallen. Ich könnte mir vorstellen, eine Ausbildung als Zahnarzthelferin zu beginnen«, so die 15-jährige Laura.

Das Mittagessen in der modernen Kantine rundete den informativen Tag in der Kaserne ab. Organisator Christian Merwald ließ es sich dabei nicht nehmen, die Schüler mit dem Geländetransporter Hägglund von der Mittelschule am »Bacheifeld« abzuholen und wieder zurückzutransportieren.