weather-image
15°

FWG Berchtesgadener Land fährt Zug

Berchtesgadener Land (fw) - Die FWG-Kreisvorstandschaft, Fraktionsmitglieder und Ortsvereine bereisten das Schienennetz zwischen Freilassing und Berchtesgaden. Sie alle machten sich hautnah ein Bild von den ihrer Ansicht nach teils »traurigen Absurditäten und eklatanten Missständen« auf dieser eigentlich »romantischen« Strecke.

Bei ihrer Klausur im Frühjahr hatte Günther Mackinger der Kreis-FWG einen Einblick in die Probleme der Bahnverbindung von Freilassing nach Berchtesgaden gegeben (wir berichteten). Nunmehr wollten Kreistagsfraktion und Vorstand sich zusammen mit den Ortsvereinen einen eigenen Eindruck verschaffen, wie diese Verbindung auf einen aktuellen Stand zu bringen ist. Der Verkehrsdirektor der Salzburg AG und zugleich Geschäftsführer der BLB, Günther Mackinger, begrüßte in Freilassing die FWGler und eröffnete die Exkursion mit dem Zug, um auf der Fahrt bis Berchtesgaden die Defizite der einzelnen Haltestellen aufzuzeigen.

Anzeige

In Ainring/Mitterfelden ist der Bahnhof lediglich weiter in Richtung Besiedelung zu versetzen, um einen fast direkten Zugang zum Zentrum zu erhalten, doch bereits in Hammerau erwartet einen Reisenden der erste Kulturschock. Bahnhof, Gleise und Bahnsteig ähneln hier mehr einem fast verfallenen Bauwerk aus der Nachkriegszeit als der volksüblichen Vorstellung eines Bahnhofes.

»In Piding wurde zwar das Gleis erneuert, aber nicht der Bahnsteig und der verrottet allmählich. Außerdem könnte durch das Umsetzen eines Signals die momentane Aufenthaltszeit des Zuges von derzeit 6 Minuten auf 20 Sekunden reduziert werden«, so Mackinger.

Auch in Bad Reichenhall könnte der Zugverkehr durch die Verlegung eines Signals sowie der Wiederinbetriebnahme des dritten Gleises effizienter gestaltet werden. »Warum das dritte Gleis herausgenommen wurde, das weiß wohl nur die Deutsche Bahn«, erklärte der Geschäftsführer der BLB. Zudem stelle das Wenden des Zuges unter Blockierung des Übergangs Frühlingsstraße einen Anachronismus dar.

Über eine der vielen »Langsamfahrstellen« näherte sich die Gruppe gemächlich Bayerisch Gmain. »Durch die Schaffung einer zusätzlichen Weiche und eines separaten Gleisstutzens für rund 1 Million Euro wäre hier sogar eine Anbindung an die S-Bahn im 30-Minuten-Takt möglich«, referierte der Verkehrsdirektor weiter.

Ein besonders markantes Beispiel an logistischer Traurigkeit wurde in Bischofswiesen deutlich: Hier beträgt der Stopp momentan sechs Minuten, da sich die Züge kreuzen. Durch eine einfache Rückverlegung der Signale wäre die Ein- und Ausfahrt von zwei Zügen in die entgegengesetzten Richtungen gleichzeitig möglich und die Wartezeit würde sich bedeutend verringern.

Nach knapp einer Stunde Fahrzeit (für eine Strecke von 35 Kilometern) hielt der Zug dann im Bahnhof Berchtesgaden. Die Kreis-FWGler begaben sich zu Fuß in die Nähe des Hofbräuhauses, wo Mackinger sein Fazit kundtat: »Bis hier oder sogar bis zum Gymnasium könnte die Bahnlinie erweitert werden. Das würde den Straßenverkehr entlasten und den Bahnverkehr, auch für die Schüler und Touristen, attraktiver gestalten.« Überhaupt plädierte er für mehr Haltestellen, wie in Freilassing Nähe »Globus«, in Piding Dorf, in Bad Reichenhall Staufenbrücke, Landratsamt und Stadtmitte und in Bischofswiesen »Panorama Park«. Sinnvoll und auch nötig sei vor allem die Reaktivierung des Bahnhofes Hallthurm (wenigstens zur Wanderzeit). Manche Baumaßnahmen könnten nach seiner Auffassung mit weniger Bürokratie und mehr gutem Willen seitens der Bahn sogar »an einem Wochenende« erledigt werden. Das gilt natürlich nicht für die zahlreichen Bahnüberquerungen, die eine unattraktive Reduzierung der Geschwindigkeit verursachen und trotzdem heikle Gefahrenstellen sind.