weather-image
18°

Fürther setzen auf Fan-Versöhnung

Nürnberg (dpa) - Den Bundesliga-Schwächlingen von Greuther Fürth bleibt dieses eine Frankenderby, um sich vor dem programmierten Abstieg mit den eigenen Anhängern ein wenig zu versöhnen.

Duell
Stephan Fürstner (l) liefert sich im Hinspiel ein Laufduell mit Nürnbergs Mike Frantz. Foto: Daniel Karmann Foto: dpa

«Wir sind unseren Fans etwas schuldig», gestand Kapitän Mergim Mavraj vor dem 256. Duell mit dem Lokalkontrahenten 1. FC Nürnberg. Wie immer ist es ein Aufeinandertreffen mit Brisanz. Der wahre Unterschied aber liegt nun darin, dass im Gegensatz zu vergangenen Spielen diesmal fast die kleinen Fürther in Bringschuld sind.

Anzeige

Auf der Suche nach irgendwelchen positiven Aspekten - angesichts einer bis dato beispiellosen Leidenssaison in der Fußball-Beletage - setzt der Mini-Club in seiner Not auf einen Auswärtssieg beim großen Nachbarn. «Wir haben ein Ziel vor Augen - den Derbysieg. Dafür müssen wir mit allem, was im Tank ist, fighten», befand Trainer Frank Kramer zwei Tage vor dem brisanten Frankenduell wortgewaltig. «Es ist eine Charakterfrage. Alleine der Gedanke ans Derby sollte ausreichen, um eine gute Leistung zu bringen.»

Kommt es wie erhofft, könnten sich die Greuther-Kicker über etwas Wiedergutmachung sowie einen Hoffnungsschimmer mit Blick auf die anstehende Zweitligasaison freuen. Und obendrein zumindest behaupten, doch einmal in dieser Spielzeit im heimischen Frankenland gewonnen zu haben. Ein wirklicher Heimsieg im eigenen Ronhofstadion wollte den Fürthern in bisher 15 Versuchen nicht gelingen - was allein schon eindrucksvoll die sportlichen Probleme der Spielvereinigung umreißt.

Resultate sind kurz vor Saisonschluss die wenigsten selbst geschossenen Tore und die drittmeisten Gegentreffer. Dazu kommt eine spielerische Chancenlosigkeit, die fast Mitleid hervorruft. Und zwar sowohl bei Gegnern als auch den völlig enttäuschten eigenen Fans.

Was die Favoritenfrage einfach beantworten lässt. Natürlich werde seine Mannschaft nicht aus dieser Rolle herauskommen, sondern diese offensiv annehmen, betonte «Club»-Trainer Michael Wiesinger. Immerhin geht es auch für den FCN noch um etwas: Die kleinen Hoffnungen, durch einen Sprung aus dem gesicherten Tabellenmittelfeld heraus ins obere Drittel kommendes Jahr in der Europa League antreten zu dürfen, könnten weitere Kräfte mobilisieren. «Solange die Tabellensituation Träumereien zulässt, ist es grundsätzlich erlaubt, vom Erreichen der Europa-League-Plätze zu träumen. Ein solches Ziel müssen wir aber mit harter Arbeit untermauern», urteilte Sportvorstand Martin Bader.

Im Fernkampf mit Freiburg, Frankfurt, Gladbach & Co. um die internationalen Plätze muss Wiesinger am Sonntag allerdings auf den sonst gesetzten Linksverteidiger Javier Pinola (gesperrt) verzichten. Auch Kreativmann Timo Gebhart fällt verletzt weiter aus. Bei Fürth fehlt weiter Heinrich Schmidtgal (muskuläre Probleme); die angeschlagenen Mergim Mavraj und Sercan Sararer dürften fit werden.

Ganz unabhängig vom Personal sollte es für einen Nürnberger Sieg reichen - zumindest, wenn's nach Wiesinger geht. «Es ist ein wichtiges Spiel, das die Region bewegt. Es ist immer eine besondere Stimmung - wie bei einem Volksfest», meinte er am Freitag und zählte obendrein in der «Nürnberger Zeitung» die Unterschiede zwischen den Vereinen auf: «Wir sind länger in der Bundesliga, haben mehr Fans.»

In den kommenden Wochen geht es dann ganz konkret auch um seine Zukunft. Noch ist offen, ob Wiesinger über die Saison hinaus als Chefcoach beim FCN bleiben darf. Dass er es gern würde, hat er immer wieder deutlich gemacht. Im Mai stehen nun Gespräche mit Bader an. Mit einem Derbysieg im Rücken könnten es schnelle Gespräche werden.