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Für einen grünen Markt

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Der ÖPNV muss laut Andrea Grundner reformiert werden. (Foto: privat)

Berchtesgaden – Andrea Grundner will frischen Wind in die Marktgemeinde Berchtesgaden bringen. Die Grüne kandidiert für das Amt des Bürgermeisters. Seit 2019 sitzt sie als Nachrückerin im Gemeinderat, nun will sie sich für ein anderes Mobilitätskonzept und einen grünen Marktkern stark machen.


Andrea Grundner ist in Berchtesgaden aufgewachsen. Politik lag ihr schon immer am Herzen. So richtig aktiv wurde sie aber erst, als sich Berchtesgaden erstmals für die Olympischen Winterspiele im Jahr 1992 bewarb. »Als sie am Ende in Lausanne verkündet haben, dass Berchtesgaden nur sechs Punkte bekommen hat, habe ich gefeiert.« Danach entschied sie sich, der Partei beizutreten. Auch heute wird bei Familie Grundner am Tisch über Politik gesprochen, der Sohn studierte Geschichte und war auch mit der Aufarbeitung des Nationalsozialismus befasst, Andrea Grundners Mann ist Mitglied bei der SPD. »Das funktioniert«, sagt sie lachend. »Wir machen quasi die Koalition vor.«

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Die Familie ist Andrea Grundner sehr wichtig, inzwischen ist sie Großmutter. »Wir besuchen unsere beiden Enkel sooft es geht.« Die Freizeit geht ihr aber gerade in diesen Tagen vor der Wahl ab, denn die 58-Jährige hat neben ihrem Vollzeitjob als Chefarztsekretärin in der Schön Klinik auch noch zahlreiche Veranstaltungen, die sie besuchen soll. Die Kandidatur hat sie mit ihrem Mann besprochen. »Er hat mir gesagt, ich soll es machen, wenn es mir wichtig ist.«

Andrea Grundner hat politisch vor allem ein Ziel, sie will in Sachen Mobilität einiges verändern. »Vor etwa 30 Jahren gab es in Berchtesgaden den ›Marktbus‹, damit konnten die Bürger kostenlos im Kernbereich fahren.« Das Besondere an diesen Bussen war, dass sie mit Elektromotoren ausgestattet waren. Damals war die Technik allerdings noch nicht so ausgereift, auf steilen Straßenpassagen sind die Busse oft stecken geblieben. Grundner möchte diese Thematik wieder aufgreifen. Inzwischen sei man technisch auch in der Lage, ein solches Vorhaben umzusetzen. Darüber hinaus müsse sich die Gemeinde Gedanken machen, wie man den Busverkehr umstrukturieren könne. »Es ergibt keinen Sinn, leere Busse herumfahren zu lassen«, sagt sie. Die Taktung der RVO-Busse müsse geändert werden, testweise sollten kleinere Busse eingeführt werden. »Man muss auch mal was ausprobieren und auch Fehler machen dürfen.«

Auch der ruhende Verkehr ist Andrea Grundner ein Dorn im Auge. »An Samstagen ist es schon fast lebensgefährlich, im Markt einkaufen zu gehen.« Die Menschen würden überall unerlaubt parken. »Die kommunale Verkehrsüberwachung muss verstärkt auftreten.«

Es müssten Möglichkeiten geschaffen werden, dass nicht jeder mit dem Auto nach Berchtesgaden fahren muss. Eine Option sieht Grundner in Auffangparkplätzen. So könnten Touristen, die außerhalb in Pensionen oder Hotels wohnen, bis zu einem Parkplatz außerhalb des Talkessels fahren, dann würde sie ein Bus in den Markt bringen. Wie es dagegen mit der BGLT nach dem Ausscheiden von Geschäftsführer Peter Nagel weitergehen soll, dazu wollte sich Andrea Grundner nicht äußern. »Ich habe zu wenig Einblick, um mir ein Urteil erlauben zu können.«

Dem Tourismus müsse aber Einhalt geboten werden. »Es darf nicht mehr werden, wir haben so viele Gäste«, sagt Grundner. Aufgabe sei es nun vielmehr, den hohen Standard zu halten und die Angebote für die Interessenten auszubauen. Darüber hinaus sieht Andrea Grundner auch viel Potenzial, den inneren Marktbereich umzugestalten. »Ich finde den Marktkern schön, aber er muss grüner werden.« Bäume, begrünte Inseln, ein Ende der Beton-Pflanzenkübel – »Der Markt muss unser Wohnzimmer sein.« Aspekte wie die Lichtverschmutzung müssten Beachtung finden. »In anderen Orten gilt, ab 22 Uhr muss die Schaufensterbeleuchtung abgeschaltet werden, warum nicht auch in Berchtesgaden?« Zudem müsse die Gemeinde mit gutem Beispiel vorangehen, auf allen öffentlichen Gebäuden könne man Photovoltaik-Anlagen installieren. Trägheit nennt sie als Grund, warum eine solche Installation bisher nicht erfolgt ist. »Bei der Eishalle funktioniert es ja auch.«

Die Gemeinde müsse sich in den kommenden Jahren auch mit dem Thema »Wohnen« auseinandersetzen. Dabei setzt die Grünen-Kandidatin auf ein Leerstandsmanagement, weitere Baugebiete kommen für sie nicht infrage. »Man muss auf die Leute zugehen, mit ihnen reden. Dann kann man auch Lösungen finden«, sagt Grundner zu den oftmals schwierigen Eigentumssituationen bei leer stehenden Gebäuden. Auch Mischformen, also Inklusionsprojekte, müssten weiter verfolgt werden.

»Nicht immer nur darüber reden, sich auch auch mal dahinterklemmen«, so Andrea Grundners Fazit. Sie kandidiert, weil sie eine Chance sieht, Dinge positiv zu verändern. Ein anderer Grund war aber auch, dass die Grünen Franz Rasp einen Gegenkandidaten stellen wollten. »Das ist mein Verständnis von Demokratie«, sagt Grundner. Sie habe auf ihre Kandidatur viel positive Resonanz erhalten. »Ich glaube, Frauen sind pragmatischer und mutiger.«

Lena Klein

Schreibwaren Miller