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Für den Himmel ist es noch zu früh

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Gelungene Premiere von »Hummel im Himmel« mit (von Links) Capo (Andreas Schmidt), Max (Felix Gasser), Anna (Annemarie Rauscher), Bernadette (Regina Zeiser), Biwi (Jakob Gasser), Gitti (Verena Schwarzkopf) und Ria (Maria Eder). Die nächste Aufführung ist bereits am morgigen Donnerstag (Foto: Konnert)

Teisendorf – Wieder einmal war es ein unvergesslicher Theaterabend im Saal des Teisendofer Pfarrheims. Mit einer »etwas anderen« Komödie mit dem Wortspiel-Titel »Hummel im Himmel« von Christian Lex sorgte die Theatergruppe der Kolpingfamilie Teisendorf nicht nur für Lachsalven und Fröhlichkeit bei den Zuschauern, sondern auch für nachdenkliche Momente.


Denn wie schwer es ist, immer nur die Wahrheit zu sagen, selbst wenn der liebe Gott es verlangt und Lüge mit dem Tod bestraft wird, erlebte nicht nur der junge Max Hummel auf der Bühne, großartig gespielt von Felix Gasser, sondern brachte mit Sicherheit auch viele Zuschauer ins Grübeln.

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Im Mittelpunkt dieses Spiels zwischen Realität und Himmel steht Max Hummel, ein Kleinkrimineller aus dem Münchner Bahnhofsviertel, »a Früchterl, der in seinem Leben noch nie was zerrissen hat außer seine Hosen« so das Urteil der Besitzerin des »Clubs Paradiso« Ria (Maria Eder). Bei ihr hatte der kleine Maxi aus dem Kinderheim in den 1950ern eine Ersatzfamilie gefunden. Inzwischen ist er, zumindest in seinen Augen, zum tollsten Hecht im Bahnhofsviertel herangewachsen und möchte hier der »Chef« werden.

Um den »Capo« (Andreas Schmidt) des Viertels auszustechen ist ihm jedes Mittel recht: Lüge, Verrat, Fälschung. Selbst seinen besten Freund Biwi (Jakob Gasser) manipuliert er zu seinen Zwecken. Dann aber verkomplizieren sich die Dinge – zum einen verliebt er sich in Anna Hirler (Annemarie Rauscher), die von zuhause in die Stadt geflohen ist und von Biwi ins »Paradiso« abgeschleppt wird, zum anderen, weil er plötzlich stirbt, erschossen vom Capo wegen seiner Verratsabsichten.

Im Himmel gelandet, bettelt er bei Gott um eine zweite Chance, da er »auf den Tod nicht vorbereitet sei«. Er möchte das mit dem Leben nochmal probieren, wegen seiner Liebe zu Anna. Gott willigt ein unter der Bedingung, dass er fortan nicht mehr lügen dürfe. Zurück im Leben versucht er sein Versprechen einzuhalten, was wiederum seinen Freunden seltsam vorkommt, denn die Wahrheit zu sagen ist für das »dunkle Geschäft« wenig dienlich.

Und wie schwer man sich tut, einer Frau die Wahrheit zu sagen, wenn sie nach Komplimenten heischt, ist fast unmöglich und sorgte für viele Lacher im Saal. Der Wechsel zwischen Leben und Tod wiederholt sich noch zweimal, bis Max es schafft, nur mit der Wahrheit zu leben, seine Schwäche einzugestehen (»Egal wie laut und stark ich getan hab, ich war doch immer der Maxi aus dem Kinderheim«) und mit Anna ein neues Leben anzufangen.

Das heißt aber noch lange nicht, dass alle plötzlich ehrlich geworden wären. Der Beamte von der Sitte zum Beispiel (Horst Brunner) scheut nicht davor zurück, sich gestohlenes Geld unter den Nagel zu reißen. Jeder hat seine Chance verdient, meint Max. Ob er sie nutzt, bleibt ihm selbst überlassen.

Als Fazit des Abends lässt sich uneingeschränkt festhalten, dass es eine kurzweilige und unterhaltsame Vorstellung war, erstaunlich professionell gespielt von jungen und junggebliebenen Darstellern, denen die Charaktere auf den Leib geschnitten schienen. Herausragend die beiden Hauptdarsteller Felix Gasser in der Rolle des Max und Maria Eder als die »Rote Ria«. Es war, wie angekündigt »kein Trauerspiel«; aber, es war mit Sicherheit auch keine Komödie, sondern ein Theaterstück, das man gesehen haben sollte, weil es heute noch genau so aktuell ist, wie 1958 und viel Lebensweisheit enthält. Und den kleinen aber feinen Unterschied zwischen »nicht lügen« und »die Wahrheit sagen« mit allen Konsequenzen herausarbeitet.

Ein Lob auch den vielen Helfern hinter den Kulissen für das sehr gelungene Bühnenbild im Stil der 50er Jahre, die einwandfreie Ton- und Beleuchtungstechnik, die Öffentlichkeitsarbeit und die Pausenbewirtung. Natürlich auch den beiden Souffleusen Anna Mahler und Regina Gasser, die dafür gesorgt haben, dass keiner der Schauspieler über Textlücken gestolpert ist.

Die Zuschauer, bedankten sich bei den hochprofessionell agierenden Laienschauspielern mit langanhaltendem Applaus für die gelungene Vorstellung. Weitere Aufführungen sind am morgigen Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag jeweils um 20 Uhr. kon