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Frusttage für Gomez am Gardasee

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Bayern-Stürmers Mario Gomez will nach Florenz. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa

Riva del Garda (dpa) - Auch für Mario Gomez gibt es reizvolle Orte in Italien - Riva del Garda jedoch gehört aktuell nicht dazu. Der Fußball-Nationalstürmer verbringt frustrierende Tage am Gardasee, was nicht an dem beliebten Urlaubsort liegt, sondern an seiner beruflichen Situation.


Im Trainingslager des FC Bayern ist der einst gefeierte Tor-Held zu einer überflüssigen Randfigur verkommen. In der allgemeinen Aufbruchstimmung unter dem neuen Trainer Pep Guardiola wirkt der Stürmerstar auf dem Trainingsplatz in Arco wie ein Fremdkörper. Er ist da, aber gedanklich scheint er schon weg zu sein. Der vor vier Jahren über 30 Millionen Euro teure Angreifer ist ohne Perspektive beim Champions-League-Sieger. Lieber heute als morgen würde er mit dem Auto ins drei Fahrstunden entfernte Florenz flüchten, zum dort beheimateten AC. «Mario will nach Florenz», wiederholte Sportvorstand Matthias Sammer im Trainingscamp. Eine finanzielle Einigung der Clubs steht aber weiterhin aus.

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Gomez, dessen Vertrag in München bis 2016 datiert ist, wird wohl auch seinen 28. Geburtstag am Mittwoch in Riva feiern müssen. «Mario ist Fußballspieler von Bayern München. Daher ist es normal, dass er hier ist», sagte Guardiola. Der spanische Starcoach bescheinigte dem wechselwilligen Gomez ein korrektes Verhalten. Er nannte ihn sogar einen «großen Fußballspieler», aber auch er plant nicht mit ihm.

Als die Bayern am Freitagabend in einem Testspiel eine gecastete Traumelf locker mit 13:0 besiegten, musste der Torjäger a.D. parallel auf einem Nebenplatz mit zwei Nachwuchsspielern trainieren. Ein Verletzungsrisiko wollen weder Spieler noch Verein eingehen.

«Ich weiß nicht, was passiert», äußerte Guardiola zur Hängepartie um Gomez. Der Coach verweist Nachfragen an «Matthias», und der angesprochene Sammer weist dann auf die bislang nicht erfüllten Bayern-Wünsche durch den AC Florenz hin. «Solange passiert nichts.»

20 Millionen Euro sollen dem Rekordmeister als Ablöse vorschweben. Als Alternative könnte auch der SSC Neapel wieder ins Spiel kommen. Italiens Vizemeister wird wohl den uruguayischen Nationalstürmer Edinson Cavani für über 60 Millionen Euro zu Paris St. Germain ziehen lassen. Neapels Präsident Aurelio De Laurentiis soll bei den Bayern schon wegen Gomez vorfühlen, berichten italienische Medien.

Der Nationalspieler äußert sich nicht zu seiner verzwickten Situation. Seine Teamkollegen verfolgen sie geschäftsmäßig: «Wir sind ganz entspannt», berichtete Kapitän Philipp Lahm: «Solange bei Mario nichts entschieden ist, ist er Teil der Mannschaft.»

Die letzte Super-Saison des FC Bayern war für den «Topstürmer» (Lahm) trotz der Titel kein großer Spaß: Erst war Gomez lange verletzt, dann stach ihn Mario Mandzukic als Stürmer Nummer 1 aus. Schließlich verstörte Gomez das Interesse der Bayern-Bosse am Dortmunder Torjäger Robert Lewandowski, der am liebsten sofort und nicht erst 2014 ins Münchner Trikot schlüpfen würde.

Gomez' Torquote war selbst in der Triple-Saison beachtlich: In 32 Pflichtspielen traf er 19 Mal, die letzten zwei Tore im Pokalfinale gegen seinen Ex-Club VfB Stuttgart werden aber wohl die letzten des Angreifers für den FC Bayern gewesen sein.

Gomez dürfte sich einreihen in die Liste großer Torjäger, deren Abschied vom FC Bayern nicht zum vorhergehenden Glamour passte. Giovane Elber flüchtete 2003 nach sechs Jahren zu Olympique Lyon, als Roy Makaay für viel Geld geholt wurde. Der Holländer wiederum musste 2007 nach 78 Toren in 129 Bundesligaspielen gehen, weil Luca Toni und Miroslav Klose als neues Traumduo verpflichtet wurden. 2009 kam Gomez nach München, der nun nach 113 Toren in 174 Pflichtspielen vor dem Absprung steht: Florenz? Neapel? Alles, nur nicht mehr Riva.