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»Früher konnte ich mit Rosen nicht viel anfangen«

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Zur Ruhe kommen  kann  man im Rosengarten von Trostberg, den Botanikerin Marita Protte pflegt.

Der Chiemgau ist seit den Anfängen des Tourismus eines der beliebtesten Reiseziele der Deutschen.


Vom Chiemgau erwarten die Menschen Herzlichkeit, ländliche Strukturen, unberührte Natur – und freundliche Menschen, die Haus und Hof, Grill und Garten mit ihnen teilen – oder ihre Freizeit mit ihnen verbringen. Wer aber sind diese Menschen?

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Das Traunsteiner Tagblatt stellt in den kommenden Wochen eine Reihe von Persönlichkeiten vor, die sich weit über das erwartbare Maß hinaus um die Gäste der Region kümmern. Den Anfang macht Marita Protte, die Initiatorin und Gärtnerin des Trostberger Rosengartens.

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Die meisten »Aaaahs« und »Oooohs« gibt es in der Mitte des Gartens. Dort hat sich die Rose »Paul's Himalayan Musk« vor acht Jahren einen alten Nussbaum einverleibt und ihn vollständig überwuchert. Alljährlich im Juni stehen die Gäste des Trostberger Rosengartens vor einer duftenden, nahezu zehn Meter hohen Kuppel aus Abertausenden von weißen Blüten.

Ein paar Wochen lang ist der blühende Baum im Frühsommer weithin zu sehen. Dass mittlerweile Besuchergruppen auch aus anderen Teilen Bayerns in den Rosengarten kommen, liegt aber nicht an der wüchsigen Kletterrose. Auch nicht an der Werbung, denn die Initiatorin Marita Protte betreibt keine Werbung.

Dafür ist die 59-Jährige viel zu sehr – nämlich bis zu 20 ehrenamtliche Stunden pro Woche – mit der Pflege der Rosen beschäftigt. Dabei konnte sie nach ihrem Studium der Botanik »mit Rosen nicht viel anfangen«, wie sie gesteht: »Die waren mir zu grell, zu bunt.« Einer historischen »Rosa centifolia major« im eigenen Garten gelang es jedoch, das Interesse der gebürtigen Westfälin zu wecken. Viel Zeit verbrachte diese anschließend damit, durch die Region zu radeln, in Bauerngärten weitere historische Sorten zu suchen und zu dokumentieren. Ihre akribische Arbeit über drei Jahrzehnte hinweg ist der Grund, warum mittlerweile das Europa-Rosarium in Sangerhausen mit ihr zusammenarbeitet.

Zudem ist es ihr Ziel, den Gästen einen Rückzugsraum zu bieten, in dem sie »die alltägliche Hektik ausbremsen können«. Werbung im großen Stil, die Scharen von Besuchern anlockt, würde dieses Ziel zerstören. Das Bild, das der Rosengarten an einem sonnigen Junitag bietet, bestätigt dies: Auf zahlreichen Stühlen sitzen Besucher alleine oder in Grüppchen, manche scheinen ganz versunken in die Betrachtung des Blütenmeers. »Wenn der Garten überrannt würde, wäre dieser Effekt nicht mehr da«, sagt die Botanikerin. Marketing für den Rosengarten wird es also auch weiterhin nicht geben.

Auch »Gift und Kunstdünger« gibt es Prottes Angaben zufolge nicht – ein Grund, warum der Garten 2012 den Bayerischen Diversitätspreis erhielt. Durch diesen Preis werden Gartenbauvereine und Ortsverbände des Bund Naturschutz aus ganz Bayern aufmerksam. Zwischen 500 und 1000 Gäste pro Jahr kommen so zu einer der Führungen durch den Rosengarten. Wie viele Einzelbesucher es tagtäglich sind, während Protte und ihre gut 20 Helferinnen ihrer eigentlichen Arbeit nachgehen, lässt sich schwer sagen – es scheinen aber nicht wenige zu sein.

Als die Stadt Trostberg im Jahr 2001 das Grundstück in Schedling in einen Park verwandeln wollte, überzeugte Marita Protte mit ihrem Konzept für einen Rosengarten. Sie siedelte alle ihre Rosen aus dem eigenen Garten um und zog noch viele weitere aus Stecklingen. Über 300 Sorten sind es heute, die meisten davon blühen, wie fast alle historischen Rosen, nur einmal im Jahr.

Kürzlich hat die Stadt das ehemalige Kloster inmitten des Gartens verkauft. »Die Trostberger haben um ihren Garten gebibbert«, berichtet Protte, die als Sozialpädagogin im Klinikum Traunstein arbeitet. Der Rosengarten wird bleiben, er wird auch weiterhin Gästen von nah und fern ohne Eintritt zugänglich sein, und wenn es nach den Ideen seiner Initiatorin ginge, gäbe es vielleicht irgendwann auch ein kleines Café. »Die Leute fragen danach«, sagt Protte.

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