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Fröhlicher Frühjahrsgruß klassischer Musik

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Das Ruperti-Orchester mit Leiter Richard Kalahur war wieder vielen Freunden klassischer Musik einen Konzertbesuch in Traunreut wert. (Foto: Benekam)

Das geschmackvoll gestaltete Programmheft zum Frühjahrskonzert des Ruperti-Orchesters ließ erahnen, dass Orchesterleiter Richard Kalahur mit Klangfarbenreichtum dem Lenz auf die Sprünge helfen wollte.


Farbenfroh und bunt wie die Primeln, die das Außenblatt zierten, war auch die Musikauswahl, die das mit Verve aufspielende Orchester nach wochenlanger Probenarbeit seinen Gästen zu kredenzen wusste. Ein fröhlicher Frühjahrsgruß klassischer Musik, dem die Solistin Leonie Trips, die derzeit an der Universität Mozarteum in Salzburg ihren Bachelor absolviert, mit ihrer noch jugendlichen Musizierfreude zu einer Extraportion Frische verhalf. So herrschte zu Konzertbeginn, als Leiter Kalahur, der das Orchester seit 25 Jahren mit viel Herzblut leitet, das Podium betrat, gespannte Vorfreude im gut besuchten k1-Saal.

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Eröffnet wurde der Abend mit einem bekannten Werk Ludwig van Beethovens, der Ouvertüre zu Egmont op. 84. Im Jahre 1810 hat Beethoven auf Wunsch des Direktors des Wiener Hoftheaters die Musik zu Goethes Trauerspiel »Egmont« komponiert. Seine dreisätzige Ouvertüre wird bis heute viel gespielt und gerne gehört: Der Eröffnungssatz (Sostenuto, ma non troppo) ist eine spanische Sarabande, in der Beethoven die Unterdrückung des niederländischen Volkes durch die Spanier musikalisch umdeutet. Aus dem folgenden Allegro wird die Liebe Egmonts zum Bürgermädchen Klärchen spürbar, wobei sich die lieblichen Themen unheilverkündend mit drohenden Schicksalsmotiven abwechseln.

Nach einer stürmischen Einleitung (Allegro con brio) und einer choralhaften Phrase als Replik auf eine Quarte – ein Bild für die Enthauptung Egmonts – setzt die Siegesmelodie ein. Dem Ruperti-Orchester gelang es mühelos, seine Zuhörer in einen »Ergriffenheits-Modus« zu versetzen.

Bei Felix Mendelssohn-Bartholdys Violinenkonzert e-Moll op. 64 kam die Violinistin Leonie Trips zum Einsatz. Wenn man sich vorstellt, dass der geniale Komponist ganze sechs Jahre an diesem Werk feilte, bis es ihm endlich »gut genug« war, dann erübrigt sich sogleich die Frage nach dem Anspruch an die spieltechnischen Herausforderungen, die es an den Violinisten stellt. Das Konzert bezirzt durch elfenhafte Klänge, durch feurige Violinsoli und aufbrausende Tutti: »Es soll ein Konzert sein, über das sich die Engel im Himmel freuen«, so der Komponist vor der Uraufführung im März 1845. Ob nun bei Trips’ brillanter Interpretation sich (auch) die Engel freuten, sei dahingestellt. Im k1-Saal kam jedenfalls große Freude und noch größerer Respekt vor der virtuosen Leistung der jungen Violinistin auf und entlud sich entsprechend in kräftigem Beifall mit Bravo-Rufen.

Der zweite Konzertteil war mit der Symphonie Nr. 94, G-Dur »Mit dem Paukenschlag« von Joseph Haydn ausgefüllt. Einen akustischen Knalleffekt hatte Haydn bewusst in sein Werk »hineinkomponiert«, um das träge Publikum aus seinem konzertanten Tiefschlaf zu wecken. Vom Programmheft vorgewarnt wartete man förmlich auf den explosionsartigen »Rumms«, der nach 16 Takten leise säuselnder Dreiklangsbehaglichkeit daherkam. Haydns Sinfonie »Mit dem Paukenschlag« ist in den Jahren 1791 und 1792 in London entstanden, wohin er anlässlich eines Konzert-Engagements gereist war.

Es war sein erster Auslandsbesuch und seine Freunde rieten ihm ab: »Sie haben keine Erziehung für die große Welt gehabt und reden zu wenig Sprachen«, warnte ihn kein geringerer als der Tournee-erfahrene Wolfgang Amadeus Mozart. Worauf Haydn angeblich geantwortet hat: »Oh, meine Sprache versteht man durch die ganze Welt«. Wie schön also, dass diese (Ton-) Sprache weitergetragen und gepflegt wird und sich die Zuhörer Dank der großartigen Arbeit des Ruperti-Orchesters immer wieder daran laben können. Riesenbeifall für ein belebendes Konzert. Kirsten Benekam