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Fritz Karl mit brasilianischer Literatur und Musik bei den Halleiner Festwochen

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Fritz Karl (rechts) und das österreichische Ensembles »Tango de Salón« begeisterten mit Musik und Literatur. (Foto: Aumiller)

Der vielfach ausgezeichnete österreichische Theater- und Filmschauspieler Fritz Karl hat das Publikum bei den Halleiner Festwochen im Stadttheater Hallein mit einem köstlichen Literaturabend entzückt, begleitet von den zündenden Tangorhythmen des österreichischen Ensembles »Tango de Salón«. Karl las humorvoll-zynische Kurzgeschichten des brasilianischen Satirikers und Bestsellerautors Luis Fernando Verissimo aus der deutschen Ausgabe »Kleine Lügen. Die besten Storys aus: Du hörst mir ja doch nicht zu ...«


Die Zuhörer erlebten eine Lesung der besonderen Art, die im Verein mit den virtuos und feurig musizierten Klängen der exzellenten Tangoband zu einem ebenso unterhaltsamen wie spannenden Theaterabend wurde. Karl zog gekonnt alle Register seiner facettenreichen Schauspielkunst. Aus jeder Geschichte machte er eine in sich geschlossene kleine theatralische Szene. Seine sprachliche Ausdrucksvielfalt verfügt über eine enorme Bandbreite. Pointiert färbte er in nuancenreicher stimmlicher Charakteristik die Personen der erzählenden Handlung. Karl gehört zu den heute selten gewordenen Schauspielern, die eine Sprache in geschulter Artikulation führen und damit nicht nur erstklassig verständlich sind, sondern auch jede Phrase ihrem Inhalt gemäß zu gestalten verstehen. Da konnte man kein Wort verpassen, sondern war anteilig mittendrin im Erzählfluss. Die Zuhörer ergötzen sich an den humorigen Geschichten mit ironisch-satirischem Beigeschmack und hielten ihre erheiterten Lacher nicht zurück. Ein weites Spektrum zwischen Heiterkeit und hintergründigem Ernst erzählte Fritz Karl brillant.

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Der Liebe in all ihren Spielarten wurde auf vergnügliche Weise gehuldigt. Hinreißend geschildert das Ehepaar, das sich nach einer gemeinsam im Hotel verbrachten Nacht trennt, weil Freunde und Bekannte tuscheln, die Frau wäre mit einem Liebhaber und der Ehemann mit einer Geliebten beim Verlassen des Hotels gesehen worden. Welch ein Skandal! Oder der Ehemann, der seiner Frau ein Liebesverhältnis vorwirft, um das eigene zu vertuschen. Oder »die Leute wollen Gewalt und Sex, aber keine Fischergeschichten«. Die Szenerie variierte zwischen Alltäglichem, Schrägen und völlig utopischer Fantasie. Manchmal ging es brasilianisch zu, dann wieder ganz »normal«. Kleine Lügen sollten über menschliche Schwächen hinwegtrösten, weil man die Wahrheit für zu unglaubwürdig hält. Kabarett, literarische Feinheiten, Skurriles, Seriosität, Humor und Ironie lagen dicht beieinander und Karl fächerte die unterschiedlichen Facetten meisterhaft auf. Als Zugabe brillierte der Schauspieler noch mit einer Geschichte von H.C. Artmann im saftigen Wiener Dialekt.

»Tango de Salón«, das Quintett aus Klavier, Geige, Bandoneon, Gitarre und Kontrabass, punkteten mit tänzerischem Salontango in rhythmischem Feuer und reichen Varianten, sowohl aus der Gründerzeit des Tangos als auch neuen Formen, unter anderem von Carlos Gardel, Anibal Troilo und Astor Piazolla. Auch Virtuoses vom russischen Tango fand sich in der reichen Auswahl. Ein Abend zum Freuen, Genießen, Lachen, erstklassig professionell dargeboten von Fritz Karl und den Musikern. Elisabeth Aumiller

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