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Fragen & Antworten: Das algerische Szenario

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Ein Demonstrant feier mit ägyptischer Flagge die Entmachtung Mohammed Mursis. Foto: Amel Pain Foto: dpa

Paris (dpa) - Könnte der Sturz des ägyptischen Präsidenten Mohammed Mursi ein großer Fehler gewesen sein? Manche Beobachter meinen: ja - und verweisen auf die Ereignisse in Algerien in den 90er Jahren.


Das «Schwarze Jahrzehnt» wird diese Zeit genannt. Ein Überblick zur Diskussion in Fragen und Antworten:

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Warum sehen Beobachter Parallelen zu der Situation in Algerien Anfang der 90er Jahre?

Vor allem weil es bis zu den derzeitigen Ereignissen in Ägypten das letzte Mal war, dass die Armee eines großen arabischen Landes einen Islamisten stürzte. In Algerien hatte die fundamentalistische Islamische Heilsfront (FIS) Ende 1991 mit großem Abstand die erste Runde der Parlamentswahlen gewonnen. Nach einem Staatsstreich durch das Militär sagte das neue Regime allerdings den zweiten Wahlgang ab, rief den Ausnahmezustand aus und ließ die FIS verbieten. Zur Begründung hieß es, man wolle einen offenen Aufstand verhindern.

Gab es anschließend sofort Gewalt?

Erst einmal nicht. Die Islamisten hatten monatelang Verfassungstreue geschworen und zögerten nun. Sie wussten, wenn sie auf die Straße gingen, liefen sie Gefahr, vom Militär zusammengeschossen zu werden. Würden sie den Schlag widerstandslos einstecken, drohte ihnen aber der Verlust ihrer Glaubwürdigkeit bei den erwartungsvollen Anhängern. Schließlich rief die FIS doch zum bewaffneten Aufstand auf.

Was passierte anschließend?

Der militante Arm der nun im Untergrund tätigen FIS und die Bewaffnete Islamische Gruppe (GIA) überzogen das Land mit Terror. Der 1992 begonnene Bürgerkrieg zwischen dem Regime und den Fundamentalisten kostete nach vorsichtigen Schätzungen etwa 150 000 Menschen das Leben.

Wie konnte der Konflikt gelöst werden?

Der 1999 mit Unterstützung des Militärs gewählte Präsident Abdelaziz Bouteflika begann eine «Politik der Versöhnung». Zahlreiche Extremisten gaben nach einem ersten Amnestieangebot ihre Waffen ab. Diejenigen, die nicht an Massakern, Bombenanschlägen oder Vergewaltigungen beteiligt waren, wurden begnadigt. Trotz Bouteflikas Befriedungspolitik erschüttern aber immer wieder islamistische Terroranschläge den Staat. Algerien ist auch das Stammland der Terrororganisation «Al-Kaida im islamischen Maghreb».

Wo steht Algerien heute?

Seit der Revolution im Nachbarstaat Tunesien Anfang 2011 regt sich auch in Algerien vermehrt Unmut über die autoritär herrschende Staatsspitze. Die Erfahrungen des blutigen Bürgerkriegs in den 90er Jahren prägen das Land allerdings bis heute. «Kaum einer in Algerien möchte, dass es noch einmal Chaos, Gewalt und Zerstörung gibt», sagen ausländische Beobachter in Algier. Bouteflikas derzeitige Amtsperiode endet 2014. Es wird erwartet, dass er krankheitsbedingt nicht erneut antritt. Der 76-Jährige erlitt Ende April einen offensichtlich schweren Schlaganfall. Seitdem wird er in Paris behandelt.