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Forstbetrieb Berchtesgaden setzt auf Vorsorge

Berchtesgaden – Der Forstbetrieb Berchtesgaden präsentierte gestern seine Bilanz für 2013. Nach einem rekordverdächtigen Gewinn von 1,98 Millionen im Jahr 2012 lag die Messlatte entsprechend hoch. Das Ergebnis konnte der Betrieb erwartungsgemäß nicht toppen. Das abgelaufene Geschäftsjahr schließt mit 1,28 Millionen Euro deutlich geringer. Aber das hat gute Gründe, wie Betriebsleiter Dr. Daniel Müller erläuterte.

Dr. Daniel Müller, Betriebsleiter vom Forstbetrieb Berchtesgaden, blickte gestern auf das Geschäftsjahr 2013 zurück. Foto: Anzeiger/Thoma-Bregar

»Wir hätten um einiges mehr rausholen können«, so Müller, »aber das Motto der Bayerischen Staatsforsten lautet ›Nachhaltig wirtschaften‹ und damit ist es uns sehr ernst, wie das vergangene Jahr deutlich belegt: Wir haben von unserem ›Brotbaum‹, der Fichte, weniger geerntet und bei der preisgünstigeren Buche dafür mehr. Warum? Weil Stürme und Käfer der Fichte in den letzten Jahren immer wieder arg zugesetzt haben. In Sturmfolgejahren sind wir überwiegend damit beschäftigt, die Schadhölzer aus dem Wald zu holen. Dementsprechend wenig Buche können wir dann schlagen. Im Vorgriff auf die nächsten Unwetter haben wir also Vorsorge getroffen«.

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Wälder in sehr gutem Pflegezustand

Beim Umfang der Holzernte schaut es im Forstbetrieb Berchtesgaden ganz ähnlich aus: »Wir haben einen überproportionalen Anteil in der Jungdurchforstung gemacht, das heißt in den jüngeren Beständen, die von der Masse her weniger Holzerlös bringen. Dadurch konnten wir aber unsere Wälder in einen sehr guten Pflegezustand versetzen. Wir haben also auch hier vorgesorgt, sollten wir wegen Schadensbeseitigung nicht zur regulären Pflege kommen«.

Im Geschäftsjahr 2013 hatte der Forstbetrieb Berchtesgaden allerdings weniger mit Sturmschäden als vielmehr mit dem Hochwasser Anfang Juni zu kämpfen. Für die Beseitigung der Schäden fielen rund 600 000 Euro an. »Die Katastrophe hat anschaulich verdeutlicht, wie wichtig ein intakter Bergwaldboden ist«, so Betriebsleiter Müller. Hochwasserschutz fange im Bergwald an. Die Speicherfähigkeit dieser Böden sei deutlich höher als beispielsweise auf Almen oder in der Landwirtschaft. »Ein Bergmischwaldboden mit den drei Schlüsselbäumen Fichte, Tanne, Buche ist am besten geeignet, Wasser zurückhalten. Und je mehr Wasser im Boden gespeichert wird, desto weniger fließt ab und desto geringer sind die Schäden in den Flussniederungen«, erklärt Müller.

Etwa eine Million Euro hat der Berchtesgadener Forstbetrieb 2013 in die Schutzwaldsanierung und -pflege, in Erholungsleistungen und Naturschutz investiert. Als großen Erfolg wertet Daniel Müller den deutlichen Rückgang von Borkenkäferschäden. Sechs Jahre nach dem Orkansturm Kyrill seien nur mehr 3 300 Festmeter Holz befallen. Die meisten Erträge in 2013, nämlich 6,8 Millionen Euro, stammen aus dem Holzverkauf.

Vom Staat kamen 860 000 Euro Fördergelder und aus Vermietungen und Verpachtungen weitere 700 000 Euro. Auf der Ausgabenseite schlägt der Aufwand für Material und sonstige Leistungen, hierunter fallen unter anderem Firmen, die das Holz aus dem Wald transportieren, mit 3,4 Millionen Euro zu Buche. Die Personalkosten belaufen sich auf drei Millionen Euro und die Abschreibungen auf 700 000 Euro. Die Abschussquote beim Schalenwild wurde mit 1 358 Stück beziehungsweise 117 Prozent erfüllt

Die Gesamtfläche des Berchtesgadener Forstbetriebs beträgt 28 400 Hektar, wobei nur auf 22 500 Hektar Holz wächst, und erstreckt sich von Berchtesgaden im Süden über Bad Reichenhall bis nach Ruhpolding und Siegsdorf im Westen sowie Waging und Lebenau im Norden. Insgesamt gibt es acht Reviere: Siegsdorf, Petting, Aufham, Weißbach, Inzell, Bad Reichenhall, Berchtesgaden West und Berchtesgaden Ost. Der jährliche Holzzuwachs liegt bei 143 000 Festmeter pro Jahr. In den letzten fünf Jahren wurden durchschnittlich aber nur rund 98 000 davon genutzt, was die nachhaltige Unternehmensstrategie verdeutlicht. Im Jahr 2013 arbeiteten 62 Personen beim Forstbetrieb Berchtesgaden, davon elf Angestellte, zwölf Beamtinnen und Beamte sowie 39 Waldarbeiterinnen und Waldarbeiter.

Forstbetrieb als fairer Geschäftspartner

Die wichtigsten Ziele für das bereits begonnene Geschäftsjahr 2014 umreißt Daniel Müller so: »Wir wollen weiter Daseinsvorsorge betreiben durch Schutzwaldsanierung sowie durch ein großes Engagement in der Schutzwaldpflege. Und wir werden wieder unsere regionale Verantwortung unter Beweis stellen, indem wir uns bei Wanderwegen einbringen, zum Beispiel beim Schönramer Moorweg, der etabliert und ausgebaut werden soll.«

Weitere Projekte sind die Sanierung des Bsuachsteigs und des Eishöhlenweges in Marktschellenberg. Das Holzmarktziel für 2014 beschreibt Müller so: »Unsere Kunden werden weiterhin verlässlich und zu stabilen Preisen versorgt, auch wenn das Marktumfeld schwierig ist. Schließlich ist nur ein existierender Kunde ein guter Kunde.« Kathrin Thoma-Bregar