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Flüchtlinge aus der Ukraine müssen in Freilassing aus den Fernzügen aussteigen, da eine Vorregistrierung derzeit noch vorgeschrieben ist. (Foto: Hudelist)

Flüchtlinge aus der Ukraine in Freilassing eingetroffen

Freilassing – Mehrere Hundert Ukraine-Flüchtlinge sind bereits in Freilassing eingetroffen, wie 2015 ist der Bahnhof der Grenzstadt aber nur eine Zwischenstation. Hier müssen die Flüchtlinge, zumindest die mit dem Zug aus Österreich kommen, die Züge verlassen und sich in einem Dienstzimmer der Bundespolizei registrieren lassen. 


»Wir haben alles gegeben, aber diese Kontrollfunktion ist sehr unbefriedigend«, so eine Mitarbeiterin der Bundespolizei in Freilassing. Die Beamten müssten sich allerdings an die Vorgaben des Präsidiums in Potsdam halten.

Erst danach können die Kriegsflüchtlinge nach München weiterfahren und müssen sich dort im Ankunftszentrum der Regierung von Oberbayern erneut registrieren lassen, »das will die Regierung so«, sagt eine Sprecherin des Landratsamts Berchtesgadener Land. Dabei gibt es auch eine medizinische Voruntersuchung, erst danach werden sie auf die Landkreise verteilt, soweit sie nicht ohnehin bei Verwandten oder Bekannten unterkommen. Nach dem Registrieren müssen die Frauen und Kinder auf den nächsten Zug nach München warten, wo sie sich dann bei der Regierung von Oberbayern noch einmal registrieren lassen müssen, wenn sie eine staatliche Unterkunft brauchen.

Auch am Donnerstag ist unklar, warum alle Flüchtlinge in Freilassing aus den Zügen geholt werden und zum Teil stundenlang auf die Weiterfahrt warten müssen. Vereinzelt wurden sie auch in die Inspektion der Bundespolizei gebracht, sie berichten, dass sie die Nacht in einem unbeheizten Zelt verbringen mussten. Die Bundespolizei am Ort darf weiter keine Auskunft geben, warum und was sie genau kontrolliert, »bei der Einreise von der Ukraine nach Ungarn wurden uns nur 15 Minuten die Pässe abgenommen und dann durften wir weiterfahren«, berichtet ein Flüchtling.

Ein junges Mädchen ist mit seinen Großeltern aus Kiew geflüchtet, »mein Vater darf das Land nicht verlassen, er muss die Ukraine verteidigen, und meine Mutter will ohne ihren Mann nicht ausreisen«, erzählt es, zwischendurch stockt die Stimme. Die Kontrollen finden sie in Ordnung, es sei aber das erste Land gewesen, wo sie so streng kontrolliert worden wären, »ich habe einen biometrischen Pass, meine Großeltern nicht, wahrscheinlich hat man uns darum aus dem Zug gebracht«.

Am Bahnhof sind zum Teil Bundespolizisten zu sehen, die Frauen und Kindern beim Tragen von Koffern und Taschen helfen. Warum eigentlich kontrolliert wird, wenn doch Ukrainer Schengen-Mitgliedsbürgern gleichgestellt sind, darf die Bundespolizei in Freilassing nicht beantworten, sie verweist an die Direktion in München, diese wiederum an das Präsidium der Bundespolizei in Potsdam. Dort will man Fragen nur schriftlich beantworten und bittet um ein entsprechendes Mail, »sie bekommen dann im Laufe des Tages eines Antwort«.

Auch vom Bundesinnenministerium steht eine Anfrage noch aus, Innenministerin Nancy Faeser hatte noch am Sonntag erklärt: »Wir haben heute erstmals einen Schulterschluss aller Staaten der Europäischen Union zur gemeinsamen, schnellen und unbürokratischen Aufnahme von Kriegsflüchtlingen erreicht«. Eine unbürokratische Hilfe stellt man sichallerdings anders vor als Frauen und Kinder um4.30 Uhr aus einem Zug zu holen.

Eine telefonische Nachfrage beim Österreichischen Innenministerium ergab dagegen sofort, dass Österreich die einreisenden Flüchtlinge nicht gesondert kontrolliere, Ukraine sei seit 2017 einem Schengen-Mitgliedsland gleichgestellt. Die Ukraine wird seit 2017 wie ein Schengenstaat behandelt, Ukrainer dürfen drei Monate ohne Visum in Schengenstaaten bleiben, wenn sie einen biometrischen Pass haben.

hud