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Flötenklang für die Muttergottes

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Zwei gestandne langjährige Seitlpfeifer.
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Ein Gruppenfoto der »Königsseer Fleitl- und Gitarrenmusi« auf einer Schallplattenhülle aus dem Jahr 1978 zeigt (v.l.): Schorsch Eder und Hans Pfnür als »Königsseer Fleitlbuam« sowie Gabi Gröll, Martin Schwab, Schorsch Ammon und Otto Gröll. (Fotos: Angerer)

Schönau am Königssee – Traditionsgemäß gehört im steirischen Salzkammergut alljährlich der »Hohe Frauentag« (Mariä Himmelfahrt) den Seitlpfeifern und ihrem ganz besonderen Musizieren. Wer es einmal miterleben möchte, der muss sich genau informieren, denn es wird bewusst keinerlei Werbung gemacht.


 Die Austragungsorte wechseln jedes Jahr; meist sind es bequem zu erreichende Almgebiete, wo dann vor jeder Almhütte aufgespielt wird.

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Sowohl junge als auch schon etwas ältere Fleitler kommen jedes Jahr aus dem ganzen Salzkammergut zu ihrem traditionellen Treffen zusammen, das schon 1925 seinen Ursprung hatte. Der Bad Ischler Leopold Kahls hatte seinerzeit das erste Treffen initiiert und Jahr für Jahr wurde die Teilnehmerzahl immer größer. 1972 stieß Leopold Schiendorfer mit seinem Bruder dazu. »Wer das gemeinsame Spiel dieses ganz speziell klingenden Instrumentes einmal erlebt hat und die Seitlpfeife auch noch selber spielen kann, der kann sich diesem Zusammengehörigkeitsgefühl beim Seitlpfeifertag nicht mehr entziehen«, ist ihr einhelliger Kommentar.

Meist spielen zwei bis fünf Fleitler und sie werden begleitet vom Takt eines Trommlers, der auf seiner alten Schützentrommel dem Spiel seinen ganz besonderen Rhythmus verleiht. Zum Repertoire gehören Landler, Steirer, Jodler und Märsche sowie Stücke im 5/8-Takt, wie sie üblicherweise im Salzkammergut gespielt werden.

Aus Zwetschgenholz gedrechselt

Die Seitlpfeiferl werden, im Gegensatz zu Blockflöten, quer gespielt. Daher auch ihr Name. Sie sind traditionell aus Zwetschgenholz gedrechselt und nur für eine Tonart gestimmt. Deshalb haben die Pfeifer meist auch mehrere, unterschiedliche gestimmte Instrumente in ihrem Sackerl, was dann schnell ein kleines Vermögen birgt.

Nach dem morgendlichen Eintreffen der Musikanten auf der Alm wird gespielt bis zum Mittag. Wenn eine Gruppe gerade aufgehört hat, setzt sofort eine andere ein. Aus allen Himmelsrichtungen klingen die Fleitl- und Trommlerklänge über die Alm. Um die Mittagszeit ergreift dann der Organisator das Wort und verkündet in Gedichtform den Hintergrund dieses Brauchtumstages, dankt allen Musikanten, gedenkt der etwaigen im vergangenen Jahr verstorbenen Teilnehmer, begrüßt die überwiegend in landestypischer steirischer Tracht erschienenen Zuhörer und verkündet schließlich den Ort des nächstjährigen Treffens.

Am Nachmittag kommt die Ziach

Am Nachmittag kann es dann schon sein, dass auch mal eine steirische Ziach zu hören ist, aber sie gehört streng genommen dann nicht mehr zum traditionellen Seitlpfeifertag.

Als Berchtesgadener Besucher erinnert man sich bei diesen Klängen der Seitlpfeifer im Salzkammergut unwillkürlich an die legendären »Königsseer Fleitlbuam«, die unter Schorsch Eder bereits ab 1947 auf ihre feine Art ähnlich musizierten und sich 1972 zur »Königsseer Fleitl- und Gitarrenmusi« erweiterten. Im Jahre 1978 haben sie sogar eine eigene Schallplatte aufgenommen. Sie ist mittlerweile eine Rarität. Manfred Angerer