Fleißarbeit des Hausmeisters – Helge Zeidler hat Buttnmandl und Kramperl für die Schüler gebastelt

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Helge Zeidler zwischen Kramperl und Buttnmandl. Schulleiterin Magdalena Perez-Moreno freut sich über das besondere Schaubild. (Foto: Kilian Pfeiffer)

Berchtesgaden – »Wenn eine Region ihre Tradition nicht leben kann, stirbt sie«, sagt Helge Zeidler. Deshalb hat sich der Hausmeister der Grund- und Mittelschule in Berchtesgaden in seine kleine Werkstatt zurückgezogen – und in seiner Freizeit Kramperl und Buttnmandl in Lebensgröße zum Leben erweckt. »Die Schüler haben große Freude daran«, sagt die Schulleiterin Magdalena Perez-Moreno.


In der Aula der Schule haben sie ein passendes Plätzchen gefunden: Der Kramperl und das Buttnmandl stehen auf Moos gebettet und von kleinen Fichten umrahmt vor der Fensterfront. Auf dem Schlitten dazwischen thront der große Nikolaussack, voll mit Walnüssen und Äpfeln, kleinen Geschenkpäckchen. »All das, was Kinder traditionell vom Nikolaus bekommen würden.« Viel Aufwand hat der Hausmeister der Grund- und Mittelschule von Berchtesgaden betrieben, um das Brauchtum darzustellen. »Ich bastle gerne in der Werkstatt«, gesteht Helge Zeidler, der sich drei Wochenenden lang in seine Bastelwerkstatt begab und viel Zeit investierte in Konzept, Planung und Bau der Gestalten.

Weil der Brauch bereits im vergangenen Jahr nur unter Einschränkungen über die Bühne ging, nicht jeder den Kramperllauf live miterleben konnte, soll es wenigstens was für die Optik geben. »Es war mein erster Versuch, einen Kramperl zu bauen«, sagt Helge Zeidler. Aus Holz fertigte er den Unterbau, ein Lattengestell für Arme und Beine, verkleidete die Gliedmaßen mit Maschendraht, stopfte das Drahtgeflecht mit Heu aus, um den Figuren einen menschlichen Körper zu verpassen. Jeans und T-Shirt oben drüber, damit es einem Menschen gleichkommt.

Auch der Kopf, »ein echter Strohkopf«, ist handgemacht, darauf sitzen die originalen Kramperllarven, die sich Helge Zeidler bei einem Bekannten ausgeliehen hat. Aus Schafsfell nähte der 64-Jährige das Kramperlgewand. Weil der Schulhausmeister keine Glocken hatte, die normalerweise jeden Kramperl schmücken, nahm er Christbaumkugeln, lackierte diese goldfarben und verwandelte sie so in kleine Schellen. Das Stroh für die Verkleidung des Buttnmandls sei gar nicht so einfach zu bekommen gewesen, gesteht Zeidler. Er hielt Ausschau nach einem Landwirt, der es ihm schließlich zur Verfügung stellte. Auch das Flechten der Kramperl-Ruten erledigte er in Eigenregie: »Nicht perfekt, aber passt so.« Viel Moos aus dem Wald bildet den Bodenbelag, auf dem Kramperl und Buttn-mandl stehen. Ergänzt wird das Diorama von ein paar kleinen Bäumchen. »Den Zaun drumherum habe ich selbst gebaut«, sagt Helge Zeidler.

Begeistert von der Fleißarbeit zeigt sich Schulleiterin Magdalena Perez-Moreno: »Ich bin ihm sehr dankbar, dass er den Brauch in unserem Schulhaus zum Leben erweckt hat.« Die Kinder würden große Augen machen, wenn sie daran vorbeigingen – »für sie ist es etwas ganz Besonderes«. Ab sofort soll das Aufstellen der in Handarbeit geschaffenen Unikate zur jährlichen Tradition werden. Jeder Schüler würde die Arbeit respektvoll betrachten, das Anfassen der Figuren ist nicht erlaubt. Helge Zeidler hat vorgesorgt, ein kleiner Zettel am Zaun erinnert die Schüler daran, brav zu bleiben: »Finger weg, wer erwischt wird, bekommt gewaltigen Ärger.« Oder Besuch von Nikolaus und Kramperl.

Kilian Pfeiffer