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Christoph R. in Norwegen festgenommen – Kampfmesser führt zum Tatverdächtigen

Festnahme 90 Minuten nach dem Haftbefehl

Bad Reichenhall – Der mutmaßliche Gewaltverbrecher, der am 14. Juli in Bad Reichenhall einen Mann getötet und eine junge Frau schwerst verletzt haben soll, ist gefasst. Er wurde am Dienstagabend von der norwegischen Polizei in der Nähe von Trondheim verhaftet. »Gegen den 20-jährigen Tatverdächtigen besteht Haftbefehl wegen Mord und Mordversuch in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung«, so Wolfgang Giese, Leitender Oberstaatsanwalt, bei einer Pressekonferenz, die gestern Nachmittag in Bad Reichenhall stattfand.

Mit so einem Messer soll Christoph R. seine Taten begangen haben.

Jetzt müsse dem Verhafteten die Tat objektiv nachgewiesen werden, dann werde die Entscheidung fallen, ob eine Anklage erhoben wird. »Wir stehen vor einem Puzzle, aber sind überzeugt davon, dass wir die Person festgenommen haben, die für den Mord verantwortlich ist«, so Giese. Auf die Spur von Christoph R. ist die Polizei nach dem Fund eines Bundeswehr-Kampfmessers gekommen, das Blutspuren von beiden Opfern enthielt.

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Waffe im Wald gefunden

Der Leiter der Sonderkommission, Hans-Peter Butz, schilderte noch einmal, wie am 29. Juli die Tatwaffe in einem Waldstück nahe Bad Reichenhall gefunden wurde. »Es handelt sich um ein Kampfmesser mit einer 18 Zentimeter langen und drei Zentimeter breiten Klinge«, so Butz weiter. »Die Bundeswehr verwendet so ein Messer, aber es ist auch in einschlägigen Geschäften zu kaufen.«

Nach dem Fund des Messers hätten sich erste Hinweise auf den Täter ergeben, nach einer Untersuchung der Bundeswehrstube und des Spinds habe sich am Wochenende der Verdacht erhärtet. Auf der gefundenen privaten Kleidung des Soldaten seien dann Blutspuren gefunden worden, die eindeutig den beiden Opfern zuzuordnen waren. R. ist Obergefreiter der Bundeswehr im Bundesfreiwilligendienst, seit 1. April 2013 war er der Einheit in Bad Reichenhall zugeteilt. Eine Mitwisserschaft von Bundeswehrkameraden schließt Wolfgang Giese als Leitender Oberstaatsanwalt derzeit aus.

Der nationale Haftbefehl der Staatsanwaltschaft Traunstein ist am Montagnachmittag unterschrieben worden. »Wir haben dann sofort die Zielfahndung des Landeskriminalamtes eingebunden, diese wiederum das Bundeskriminalamt«, so Butz. Darüber hinaus habe man aber schon vorher mit der norwegischen Polizei Kontakt gehabt.

Keinen Widerstand geleistet

Am Dienstag gegen 16.30 Uhr ist der Haftbefehl in den Schengen-Computer eingegeben worden, »um 17.38 Uhr kontrollierte eine Polizeistreife in der Nähe von Trondheim einen Wanderer mit Rucksack und Schlafsack und stellte dabei fest, dass es sich um den Gesuchten handelt«.

Der Tatverdächtige habe sich sofort als Christoph R. zu erkennen gegeben und habe keinen Widerstand geleistet. Der 20-Jährige sitzt jetzt in einem Gefängnis in Norwegen, er soll in den nächsten Tagen von deutschen Beamten und einem Staatsanwalt aus Traunstein vernommen werden.

Der Leiter der SOKO berichtete auch davon, dass der mutmaßliche Täter schon einige Tage vor seiner Verhaftung von einer Polizeistreife in Norwegen routinemäßig überprüft worden war. Außerdem habe er in Norwegen einen ambulanten Rettungsdienst in Anspruch genommen. Er sei deshalb nach Norwegen geflüchtet, weil ihm das Land wohl früher von der Familie und Freunden als schönes Reiseland empfohlen worden sei.

Schon früher auffällig

Christoph R. war schon früher wegen kleinerer Delikte aufgefallen. »In Bad Reichenhall hat es einmal einen Streit gegeben, aber ohne jegliche Gewaltbereitschaft«, so Butz. In seinem Heimatbundesland Rheinland-Pfalz sei er mit Eigentumsdelikten aufgefallen, »aber auch im kleinen Bereich.« Vor der Verhaftung hätte es insgesamt 600 Hinweise aus der Bevölkerung gegeben, 130 Personen auch aus Salzburg wurden konkret überprüft.

»Ich bin sehr erleichtert«

Sowohl für den Leitenden Polizeidirektor Jürgen Garbe als auch für Bad Reichenhalls Oberbürgermeister Herbert Lackner steht fest, dass die Zeit der Verunsicherung nun vorbei sei. »Ich bin sehr erleichtert, die Bevölkerung machte sich schon große Sorgen«, so Lackner. Auch er geht davon aus, »das jetzt der Richtige gefasst wurde«, gleichzeitig hofft er, dass bei den unschuldig Verdächtigten wieder Normalität einkehrt.

Das Verhältnis der Bevölkerung zur Bundeswehr sei immer ausgezeichnet gewesen, »ob der Verdacht und die Verhaftung darauf haben, kann ich noch nicht beurteilen, aber die Bevölkerung wird Fragen stellen.« Michael Hudelist