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Albert Hirschbichler aus Schönau am Königssee bereitete vor 64 Jahren den Bauplatz für die Jennerbahn-Bergstation vor

Felsarbeit in 1 800 Metern Höhe

Das Erinnerungsfoto mit Josef Hirschbichler (l.) entstand ebenfalls im Jahr 1953.
Das mit Presslufthämmern herausgebrochene Gestein wurde in Loren verfüllt und dann auf der Jenner-Südseite verstürzt.
Mit 93 ist Josef Hirschbichler noch bei bester Gesundheit.
Der Arbeitertrupp auf der Bergstation-Baustelle der Jennerbahn im Jahr 1953. Josef Hirschbichler steht hinten an siebter Stelle von links, er ist der Mann mit Hut im karierten Hemd. (Fotos: privat)

Schönau am Königssee – Dass der Bau der Jennerbahn vor 64 und 65 Jahren so zügig vonstatten ging (siehe Artikel in der Dienstagausgabe, 31. Januar), ist einer Vielzahl von fleißigen Arbeitskräften zu verdanken. Einer von ihnen war Josef Hirschbichler, der vor allem den Bauplatz für die Bergstation vorbereiten half. Heute ist der Schönauer 93 Jahre alt, hat aber den rund zweimonatigen Einsatz auf der 1 800 Meter hoch gelegenen Baustelle noch in bester Erinnerung.


Die Nachkriegszeit war auch für Josef Hirschbichler, der damals noch in der Königsseerstraße in Berchtesgaden wohnte, nicht leicht. Eine abgeschlossene Ausbildung hatte er nicht, weil er seine Lehre bei der Eisenwarenhandlung Haimerl wegen des Kriegsausbruchs nicht hatte beenden können. So schlug er sich nach dem Krieg halt mit irgendwelchen Hilfsarbeiterjobs durch.

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Es war der 5. Mai 1953, als Josef Hirschbichler vom Arbeitsamt die Zuweisung für den Einsatz auf der Jennerbahn-Baustelle bekam. »Treffpunkt war am Vorderbrand. Dort erfolgte die Einteilung«, erinnert sich der Schönauer. Hirschbichlers Einsatzgebiet sollte der Bereich der künftigen Bergstation auf rund 1 800 Metern Höhe sein. Er sollte mithelfen, den Bauplatz vorzubereiten.

»Das geschah alles mit Presslufthämmern. Wir mussten den Fels herausbrechen und den Bauplatz einebnen«, erzählt Hirschbichler. Das herausgebrochene Material kam in schwere Kipploren und wurde auf Schienen auf die Südseite der Baustelle gefahren. Dort kippte man das Gestein einfach den Hang hinab. »Einmal ist uns eine Lore ausgekommen. Sie stürzte dann mit lautem Gepolter in Richtung Sulzbergkaser hinab«, weiß Josef Hirschbichler noch. Ein größerer Schaden entstand aber nicht.

Einmal half Hirschbichler auch mit, ein Starkstromkabel nach oben zu ziehen. Als er das entsprechende Foto am 31. Januar im »Berchtesgadener Anzeiger« entdeckte, wusste er sofort: »Da war ich auch dabei«. In Schweiß treibender Arbeit haben damals rund 50 Männer das Kabel gemeinsam durch den Spinnergraben hinauf gezogen.

Geschlafen hat man damals im Stahlhaus. »Jeden Tag um 4 Uhr sind wir aufgestanden, dann ging es bis 18 Uhr durch«, erinnert sich der 93-Jährige. Aber er weiß auch noch gut, dass die anstrengende Arbeit das Personal nicht vom abendlichen Feiern abhielt. »Da ließen wir es abends schon ordentlich krachen«, lacht Josef Hirschbichler. Und immerhin hatte man ja auch am Wochenende frei. Freitagabend ging's entweder zu Fuß oder mit der Materialseilbahn nach unten. Bis Juli ging das jede Woche so, dann waren die Vorbereitungen für den Bau der Bergstation abgeschlossen und auch Hirschbichler kehrte dem Jenner und sogar dem Berchtesgadener Land den Rücken zu. 28 Jahre lang arbeitete er anschließend auf verschiedenen Posten für den Autobauer Ford in Köln, ehe er 1981 in den vorzeitigen Ruhestand gehen konnte. Seitdem wohnt er mit seiner Frau in der Schönau.

Mit der Jennerbahn hatte er aber immer wieder einmal Kontakt. »Wenn ich in der Heimat war, bin ich schon regelmäßig zum Skifahren auf den Jenner«, sagt Josef Hirschbichler. Seit er die Ski vor vielen Jahren endgültig in die Ecke gestellt hat, kam er nicht mehr auf den Berg. Aber wenn die neue Bahn ab dem Frühjahr 2018 in Betrieb sein wird, dann will er noch einmal eine Fahrt hinauf zu seinem ehemaligen Arbeitsplatz wagen. Seine Gedanken werden dann 64 Jahre zurückgehen, als er bei einem der größten Bauprojekte beteiligt war, die es im Berchtesgadener Land je gegeben hatte. Ulli Kastner